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Sineu

Sie sind hier:

Sineu

 

 
Entfernung bis Palma: 33km
durchschnittliche Höhe über NN: 145m
Markttag Mittwoch
Fläche der Gemeinde: 47,70 km²
ca. 2578 Einwohner

 
Schon an der Zufahrtstraße von Palma nach Sineu bemerkt der Besucher eine gewisse Sonderstellung, die dieser Ort des Inselinnern innehat, ist die unter dem Namen Camino Viejo de Sineu bekannte Landstraße doch die einzige direkte Strecke, die Palma mit dem Zentrum verbindet, ohne eine weitere Ortschaft zu durchqueren. 
Bei unserer Ankunft überrascht uns das Antlitz des Ortes, dessen Häuserfassaden teils Reminiszenzen an das mittelalterliche, herrschaftliche und adelige Mallorca wachrufen, teils ein Beispiel für das ländliche, nüchterne und ursprüngliche Mallorca sind. 


Wir raten Ihnen unbedingt, in einem der populären Celler (Kellerlokale) zu speisen und eines der typisch mallorquinischen Gerichte zu probieren: einen deftigen Frit Mallorquí (mit Gemüse gebratene Innereien), den Arròs Brut (Reissuppe mit Kaninchenfleisch, Schnecken, etc.) oder ein köstliches Porcella Rostida (Spanferkel). 

Ein weiteres Ereignis in Sineu - wenn auch ganz anderen Charakters - sind die Prozessionen zur Karwoche. Die zahlreichen Gläubigen, die die Gassen Sineus säumen, erwarten ehrfürchtig die vorbeischreitenden Büßer und die Kleinen auf das Zuckerwerk, das diese verteilen. 

Sineu mit seinen zwei Gesichtern: einerseits der Spiegel einer reichen Geschichte als Königssitz der mallorquinischen Könige Jaume II. und Sancho, herrschaftlich und feudal, und auf der anderen Seite das dörfliche und bäuerliche Sineu, seiner traditionellen Lebensweise treu und sich bewußt, daß es aufgrund der Abgelegenheit auch Nachteile hat, im geografischen Zentrum der Insel zu leben. 

Die jährliche Frühlingsmesse, am ersten Maisonntag, ist ein großes gesellschaftliches Ereignis, vergleichbar mit dem Dijous Bou, der großen Herbstmesse von Inca. Die aus allen Teilen der Insel zusammengekommenen Menschenmengen sprechen für die Beliebtheit und die Bedeutung dieser Landwirtschaftsmesse zugleich festlichen als auch kommerziellen Charakters, bei deren Gelegenheit für die sozialökonomische Entwicklung der Gegend bedeutende Geschäfte abgeschlossen werden. 
Landwirtschaft und Handwerk sind die Protagonisten des Jahrmarkts, wo Tradition und ursprünglicher Marktcharakter noch heute spürbar sind. 

Sineus farbenprächtiger Mittwochsmarkt, wo die verschiedensten Nutz- und Haustiere zum Kauf angeboten werden, ist jede Woche wieder ein lohnenswertes Ereignis, und zieht viele Touristen an. 

 

Die bedeutendsten Feste der Gemeinde sind: 

Fest des Sant Antoni am 17. Januar und in der Vornacht die beliebten foguerons (Freudenfeuer in den Gassen mit Würstchengrillen). 
Fest de Sant Marc, Feier zu Ehren des örtlichen Schutzpatrons mit traditionellem Schneckenessen. 
Während der Semana Santa, der
Karwoche, sind die Prozessionen, vor allem die zu Karfreitag, sehenswert. Auch wenn der Marsch hinauf zur Einsiedelei der Ermita de la Verge Poderosa am Ostermontag erst seit ein paar Jahren veranstaltet wird, erfreut er sich doch im Dorf großer Beliebtheit. 
Am Tag der
Nostra Senyora de l'Assumpció
, dem 15. August, findet die Augustmesse statt. 

Sehenswürdigkeiten

1. DIE PFARRKIRCHE MARE DE DÉU DELS ÀNGELS 


Das bedeuendste Monument für das architektonische Erbe Sineus überragt das Dorf und schon von weitem kann man die auffallende Silhouette des Glockenturms erblicken. Es steht für das soziale und religiöse Leben der Gemeinde. 
Der ursprüngliche Bau aus dem 13. Jh. fiel 1505 einem Brand zum Opfer, so daß die Kirche neu aufgebaut werden mußte. Sie besteht aus einem Mittelschiff und fünf Seitenkapellen. Den viergliedrigen Kirchenkörper schließt eine Kuppel ab und die Fassade schmückt eine Sonnenuhr aus dem Jahre 1664. Das Hauptportal bildet einen Spitzbogen und an der rechten Seitenfassade ist über dem Nebenportal eine Sonnenuhr aus dem Jahre 1783 angebracht. 
Der freistehende robuste Glockenturm, zwischen 1549 und 1589 errichtet, ist mit der Kirche durch eine bedachte Hochbrücke verbunden, vom Volksmund nach der darunter befindlichen Kapelle El Pontet de Santa Bàrbara genannt. Er weist verschiedene Erker auf, ist viergliedrig und von einem Pyramidendach gekrönt. 

Pontet de Santa Bàrbara 

Das Kreuzschiff und die Hauptapsis wurden Ende des 19. Jh. nach Entwürfen des Architekten Joaquín Pavia i Birminjam auf Kosten des Grafen Josep d'Espanya i Rossinyol erbaut. 
Ein holzgeschnitztes Bildnis der Hlg. Maria von Sineu aus dem Jahre 1509 von Monsignore Gabriel Mòger befindet sich über dem Presbyterium. 
Der Altaraufsatz von Gaspar Gener aus den Jahren 1571-1580 wurde beim Bau des Kreuzschiffes demontiert und schmückt heute die Apsis. Er besteht aus der Tür des Sakramenthäuschens, geschnitzten Darstellungen von vier Evangelisten sowie fünf Fenstern aus mehrfarbigem Glas. 
Der "Stuhl des Grafen", ein monumentaler Stuhl aus Nussbaumholz, beherrscht das Presbyterium. Damit wollte das Dorf dem Grafen d'Espanya für seine großzügige finanzielle Unterstützung danken. 
Die einzelnen Kapellen bergen wertvolle Kunstschätze: Die hintere Kapelle ein beeindruckendes barockes Retabel der Hlg. Jungfrau des Rosenkranzes, bemalt von Rafel Guitard; die Kapelle des Hlg. Franziskus ein Bildnis der toten Jungfrau; eine Jesusfigur befindet sich in der Kapelle des Hlg. Cristopher und in der Martinkapelle ein Retabel aus dem 15. Jh. mit Holzgemälden der Heiligen Martin, Andreas und Nicolas sowie die Darstellung des Jesuskindes und den Drei Heiligen Königen; die Kapelle der Hlg. Catalina Tomàs birgt die Reliquien der Hlg. Valeria, Jungfrau und Märtyrerin. Im Chor steht eine von Pau Estada gebaute Orgel aus dem 16. Jh., die 1754 von den Gebrüder Caimari reformiert wurde. 

   

2. DIE WEGEKREUZE 

In Sineu trifft man auf folgende Wegekreuze: Creu d'en Rebassa, Creu dels Morts, beide im Renaissancestil und Creu d'en Pastor, neugotischen Stils. 

3. DIE WINDMÜHLEN 

Von den 19 Windmühlen, die einmal in Sineu in Betrieb waren, haben 14 überlebt. Einige, wie der Molí d'en Guillemet und Molí d'en Moixetó hat man restauriert und bewohnbar gemacht. Andere stehen verlassen da oder werden als Lager benutzt. 
Fast alle haben einen Mühlenturm mit runder Basis. 
Der Eintritt in dieses Jh. bedeutete für die Mühlen den Verlust ihres eigentlichen Daseins und 1930 waren nur noch drei in Betrieb. 
Aus der - leider spärlichen - Dokumentation kann man entnehmen, daß El Molí de ses Penyes und El Molí del Calvari mit Baujahr 1756 die ältesten Mühlen Sineus sind. 

 

4. DER EHEMALIGE RESIDENZPALAST 

Der historische Wert des heutigen Nonnenklosters steht nicht in Frage: Im 8. oder 9. Jh. aller Wahrscheinlichkeit nach ein maurisches Schloß, wurde auf Veranlassung von König Jaume II. auf dessen Resten ein Residenzpalast errichtet und somit Sineu zum Königssitz für die Provinz. 
Im Jahre 1583 schenkte Philipp II. Nonnen des Konzeptionsordens die Residenz, und sie wurde in Hinblick auf ihre klösterlichen Funktionen einer ordentlichen Reform unterworfen. 
In dem heterogen wirkenden Bau ist vor allem die im traditionellen Stil errichtete Kirche, bestehend, aus Mittelschiff, Seitenkapellen und Chor, sehenswert. 

5. FRANZISKANERKLOSTER- UND KIRCHE 

In dem ehemals franziskanischen Mönchskloster befinden sich heutzutage das Rathaus und verschiedene Institutionen, wie das städtische Archiv. 
Besonders schön ist der Kreuzgang, gebildet von ionischen Säulen mit Flachbögen im unteren Teil und einen ähnlichen oberen Arkadengang an einer Seite. Die architektonische Komposition wirkt im ganzen barrock. 

6. KRANKENHAUS UND ORATORIUM 

Das erste Krankenhaus der Provinz wurde im Jahre 1240 in Sineu gegründet. Die unter dem Namen Hospicio de Sineu (Sineuer Waisenhaus) bekannte Anstalt ist heute ein Altersheim. Im Oratorium von Sant Josep werden kostbare Kunstschätze aufbewahrt. 

7. DAS REKTORAT UND DIE PLAÇA DE SANT MARC 

Das in der Nähe der Pfarrkirche gelegene Rektorat beherbergt eine hervorragende Keramiksammlung aus dem 12. und 13. Jh. Auch hat hier das Musikhistorische Zentrum Mallorcas seinen Sitz. 
Den Platz bewacht der Löwe des Hlg. Markus, des Schutzheiligen der Stadt. 

8. PLAÇA DES FOSSAR 

Auf diesem emblematischen Platz fallen dem Betrachter La Quartera del Pes de Ses Figues (Kornkammer), die Tränke, die Markthalle sowie das Denkmal an den Radsportler Francesc Alomar auf.

Geschichte

Sineus Geschichte läßt sich bis in prähistorische Zeiten zurückverfolgen. Archäologische Funde, Bauweise oder Kunst, Dokumente und Ortsnamen haben die Jahrhunderte überlebt als Zeugen dieses geschichtsträchtigen Erbes. 
Die Talaiots von Son Rossinyol, Ritxola, Ritxoleta, Son Vanrell oder Son Creixell beweisen, daß die Gegend schon während der Megalithkultur besiedelt war. 

Plinius, römischer Redner und Schriftsteller, berichtet von "Sinium" als einem Ort Mallorcas mit einer römischen Niederlassung. 

Zur Zeit der Araber bildete Sineu (Yiynau) einen der zwölf Distrikte, in die die Insel damals unterteilt wurde und umfasste die Siedlungen von Sant Joan, Petra, Lloret und Vilafranca. Die Lokalbezeichnungen Defla und Binitaref entstammen dieser Epoche. 

Nach Eroberung der Katalanen im 13. Jh. nahm König Jaume I. eine Landaufteilung vor und überließ Sineu an ihm getreue Edelmänner. König Jaume II. ließ über maurische Ruinen einen Residenzpalast errichten, der mallorquinischen Königen bei Gelegenheit als Residenz diente. Unter König Sancho (1319) hatte hier Veguer de Fora, Dorfrichter und dem König unterstehender Oberoffizier über die ganze Zone seinen Wohnsitz. Sineu erlebte eine florierende Zeit, in der der Ort sich zu einer bedeutenden Stadt entwickelte. Der heute in ein Nonnenkloster umfunktionierte Palast steht als Symbol für Sineus reiche Geschichte 

Die heute selbstständige Gemeinde von Lloret de Vistalegre gehörte bis zum Jahre 1924 der Gemeinde von Sineu an.

 

    

 

 
















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