Coves d'Artà – Mallorcas Höhlenwelt über der Bucht von Canyamel

Schon der Weg zu den Coves d'Artà verrät, dass hier etwas Besonderes im Fels verborgen liegt. Am Cap Vermell steigt die Küste über der Bucht von Canyamel an, und in ihrem rötlichen Kalkstein öffnet sich der weithin sichtbare Eingang der Höhle. Bevor es unter die Erde geht, fällt der Blick noch einmal hinaus auf Meer, Küstenhänge und Strand – dann übernimmt die künstlich beleuchtete Welt der Tropfsteine.
Die Höhle ist kein frei begehbarer Felsspalt, sondern eine geführte Natursehenswürdigkeit mit einer festen Abfolge großer Säle. Auf dem Rundgang wechseln hohe Gewölbe, dichte Gruppen aus Stalaktiten und Stalagmiten sowie Formationen, deren volkstümliche Namen von Säulen, Fahnen, einer Orgel oder einem Elefanten erzählen. Gerade dieser Wechsel macht den Besuch anschaulich: Nicht ein einzelner Tropfstein steht im Mittelpunkt, sondern ein ganzes unterirdisches Landschaftsbild.
Die Coves d'Artà eignen sich für Reisende, die Mallorcas Natur jenseits von Stränden kennenlernen möchten, ebenso wie für Familien und kulturgeschichtlich Interessierte. Die Führung dauert nicht lange genug, um einen ganzen Urlaubstag zu beanspruchen, wirkt durch die Größe der Kammern aber dennoch wie ein eigenständiges Erlebnis. Hinzu kommt die Lage bei Canyamel Platja: Höhle, Küstenblick und Strand lassen sich ohne großen Ortswechsel miteinander verbinden.
Wichtig ist die geografische Einordnung. Trotz ihres Namens liegen die Coves d'Artà nicht im Städtchen Artà, sondern an der Küste der Gemeinde Capdepera bei Canyamel. Wer nur den Ortsnamen ins Navigationsgerät eingibt, kann deshalb am falschen Ziel landen.
Geschichte und Bedeutung
Eine breite Öffnung im Berg lässt sich kaum übersehen. Deshalb war die Höhle bereits in prähistorischer Zeit bekannt, lange bevor Karten, Reiseführer oder ein touristischer Zugang existierten. Eine moderne „Entdeckung“ mit einem einzigen Entdecker hat es bei den Coves d'Artà folglich nicht gegeben. Ihre Geschichte besteht vielmehr aus früher Kenntnis, schriftlicher Erfassung, wissenschaftlicher Beschreibung und schließlich touristischer Erschließung.
Joan Binimelis und die erste Erwähnung
Die erste bekannte schriftliche Nennung stammt von Joan Binimelis. Der mallorquinische Historiker und Geograf erwähnte die Höhle 1595 in seiner Geschichte des Königreichs Mallorca. Diese Notiz ist wichtig, weil sie den Übergang von mündlicher Ortskenntnis zu dokumentierter Überlieferung markiert. Über die Gestalt des Inneren sagte eine frühe Erwähnung allerdings noch wenig aus; genaue Beschreibungen entstanden erst später.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts rückten die Höhlen stärker in den Blick von Gelehrten. Isidoro de Antillón veröffentlichte 1815 eine Beschreibung. Joaquín M. Bover folgte 1836, Antonio Cabrer 1840. Beide Mallorquiner erkundeten die unterirdischen Räume mehrfach. Aus einer weithin sichtbaren Öffnung, um die sich Erzählungen rankten, wurde so nach und nach ein Gegenstand systematischer Beobachtung.
Die Treppe für eine Königin
Eine der schönsten historischen Pointen wartet noch vor dem eigentlichen Rundgang. Die große Zugangstreppe wurde 1860 anlässlich der Mallorca-Reise von Königin Isabella II. gebaut. Die Monarchin besuchte die Höhle am Ende jedoch nicht. Der Aufwand war trotzdem nicht vergeblich: Die Treppe blieb und prägt bis heute den feierlichen Zugang zum Felsportal.
1862 fertigte Pere d'Alcàntara Peña die erste detaillierte Karte der Höhle an. Sie wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach veröffentlicht, unter anderem 1885 im groß angelegten Album über die Höhlen von Artà und Manacor von Sebastián Gay und Baltasar Champsaur. Die Kartierung machte aus den einzelnen Beschreibungen ein nachvollziehbares räumliches Bild.
Vom Forschungsziel zur bekannten Sehenswürdigkeit
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitete sich der Ruf der Coves d'Artà weit über Mallorca hinaus. Zu den Besuchern und Autoren, die über sie berichteten, gehörten die deutschen Wissenschaftler H. A. Pagenstecher und R. W. Bunsen im Jahr 1865, Erzherzog Ludwig Salvator von Österreich 1884 sowie die französischen Reisenden Gaston Vuillier 1888 und Édouard-Alfred Martel 1896. König Alfons XIII. sah die Höhle 1904 tatsächlich von innen.
Ab den 1960er-Jahren wurden die Coves d'Artà Teil des stark wachsenden Mallorca-Tourismus. Ihre Bedeutung lag dabei nicht in einem Bauwerk oder einer Ausstellung, sondern in der Inszenierung eines Naturraums, der zuvor vor allem Gelehrte und Forschungsreisende angezogen hatte. Bis heute bleibt die Führung auf das Höhlensystem selbst konzentriert.
Legenden und historische Wirklichkeit
Der große Eingang bot reichlich Stoff für Erzählungen. Autoren brachten die Höhle mit der muslimischen Bevölkerung in Verbindung, die nach der christlichen Eroberung Mallorcas Zuflucht gesucht haben soll; andere Überlieferungen erzählen von Piraten und verborgenen Schätzen. Solche Geschichten gehören zur kulturellen Wirkung der Coves d'Artà, sollten aber nicht mit der gut belegten Dokumentationsgeschichte verwechselt werden. Sicher nachweisbar sind die frühe Bekanntheit, die Erwähnung von 1595 und die intensive Erforschung im 19. Jahrhundert.
Was es zu sehen gibt
Der Maßstab verändert sich bereits in der Eingangshalle. Das Höhlensystem besitzt einen horizontalen Besichtigungsweg von mehr als 700 Metern. Die erschlossenen Kammern erreichen Höhen zwischen 15 und 45 Metern. Entsprechend wirken viele Formationen nicht wie einzelne Schaustücke, sondern wie Teile einer unterirdischen Architektur: Säulen tragen scheinbar Decken, dünne Kalkvorhänge hängen an Wänden, und Tropfsteinfelder füllen ganze Blickachsen.
Entstanden ist diese Formenwelt im Kalkstein. Bewegungen des Gebirges schufen Klüfte und Hohlräume; unterirdisches Wasser wirkte fortlaufend auf das Gestein ein. Wo mineralhaltige Tropfen ihre Ablagerungen zurückließen, wuchsen von der Decke Stalaktiten und vom Boden Stalagmiten. Treffen beide aufeinander, entstehen Säulen. Das Ergebnis ist kein abgeschlossener historischer Zustand, sondern ein geologischer Prozess, der weiterhin äußerst langsam arbeitet.
Eingangshalle
Der natürliche Eingang liegt am Hang des Cap Vermell über der Bucht von Canyamel. Seine Größe erklärt, weshalb die Höhle schon früh bekannt war und in Literatur und Legenden auftauchte. Im Gegensatz zu einem engen Schacht beginnt der Besuch mit einem offenen, monumentalen Portal. Außen fällt Tageslicht auf den Fels; weiter innen wird es von der gesetzten Beleuchtung abgelöst.
Die Eingangshalle bildet den Übergang zwischen Küstenlandschaft und Höhlensystem. Hier lässt sich besonders gut erkennen, wie stark der Eindruck von der natürlichen Topografie bestimmt wird: Hinter dem Besucher liegt das Meer, vor ihm öffnet sich ein Gewölbe, dessen Formen nicht gemauert, sondern durch Wasser und Kalkablagerungen entstanden sind.
Säulensaal und Königin der Säulen
Im Säulensaal rücken zusammengewachsene Tropfsteine in den Mittelpunkt. Die bekannteste Formation ist die „Königin der Säulen“, ein 17 Meter hoher Stalagmit. Der Name ist bildhaft, die Dimension dagegen ganz real. Weil der Tropfstein vom Boden emporgewachsen ist, lässt sich an ihm der Unterschied zu den von der Decke herabhängenden Stalaktiten besonders leicht nachvollziehen.
Seine Wirkung entsteht nicht allein durch die Höhe. Umgeben von weiteren Kalkformen erscheint der Stalagmit als Mittelpunkt eines ganzen steinernen Ensembles. Wer während der Führung nur nach vorne schaut, übersieht leicht die feineren Strukturen an den Rändern: kleine Spitzen, gefaltete Oberflächen und Stellen, an denen sich auf- und abwärts wachsende Formen beinahe berühren.
Hölle und Fegefeuer
Mit der „Hölle“ wechselt der Rundgang bewusst in eine dramatischere Bildsprache. In diesem Saal gehört eine Licht- und Toninszenierung zum Besuch. Farben und Klang heben Konturen hervor, die bei gleichmäßiger Beleuchtung weniger deutlich wirken würden. Das ist der theatralischste Teil der Führung und ein klarer Gegensatz zu den ruhig erklärten geologischen Formationen der übrigen Räume.
Danach folgt das „Fegefeuer“. Beide Namen stammen aus einer Tradition, Höhlenräume nach religiösen, fantastischen oder alltäglichen Bildern zu deuten. Sie bezeichnen keine eigene Gesteinsart. Sehenswert ist vielmehr, wie Beleuchtung, Schatten und wechselnde Blickwinkel aus denselben Grundelementen – Kalk, Wasser und Zeit – sehr unterschiedliche Raumeindrücke erzeugen.
Theater und Orgel
Im „Theater“ bestimmen gestaffelte Formen und ein bühnenartiger Raumeindruck den Namen. Die „Orgel“ wiederum erinnert mit parallelen Tropfsteinstrukturen an Pfeifen. Solche Bezeichnungen helfen bei der Orientierung, sind aber keine starren Vorgaben. Je länger der Blick auf einer Wand oder Formation ruht, desto mehr eigene Figuren lassen sich darin entdecken.
Gerade hier lohnt es sich, nicht nur den großen Formen zu folgen. Dünne Kalkfalten und rippenartige Ablagerungen zeigen, wie vielfältig Tropfstein wachsen kann. Manche Partien wirken schwer und massiv, andere fast wie Stoff, obwohl sie aus Stein bestehen. Diese Gegensätze zählen zu den stärksten visuellen Eindrücken der Höhle.
Fahnensaal
Der Fahnensaal verdankt seinen Namen flächigen, herabhängenden Kalkgebilden. Anders als kompakte Säulen erscheinen diese Ablagerungen dünn und gefaltet. Im seitlichen Licht treten ihre Kanten und unregelmäßigen Ränder hervor; je nach Standort wirken sie wie Fahnen, Vorhänge oder erstarrte Wellen.
Der Raum macht deutlich, weshalb die Führung mehr bietet als eine Folge möglichst großer Stalagmiten. Die Formen ändern sich mit dem Lauf des Wassers, der Beschaffenheit des Untergrunds und den Bedingungen an Decke und Wand. So besitzt jeder benannte Saal eine andere optische Gewichtung, obwohl alles zum selben Höhlensystem gehört.
Gloria und Ausgang
Gegen Ende führt die Route durch den Bereich „Gloria“. Auf dem Weg werden außerdem volkstümlich benannte Formen wie der „Elefant“ und auffällig funkelnde „Diamantsteine“ gezeigt. Die Namen sind Merkhilfen, keine Behauptung über echte Edelsteine oder eine künstliche Skulptur. Was wie ein Tier, eine Fahne oder ein Schmuckstück aussieht, ist natürlich gewachsener Kalkstein.
Der Abschluss besitzt eine eigene Dramaturgie: Nach den künstlich beleuchteten Sälen erscheint wieder Tageslicht, und die Küste von Canyamel tritt ins Blickfeld. Dieser Wechsel zurück ins Freie gehört zum Erlebnis. Die Höhle endet nicht in einem neutralen Innenraum, sondern an einem Hang über dem Meer.
Der Besuch
Die Coves d'Artà werden ausschließlich im Rahmen einer Führung besichtigt. Der Rundgang dauert zwischen 35 und 40 Minuten; ungefähr jede halbe Stunde beginnt eine neue Gruppe. Erläuterungen werden auf Deutsch, Spanisch, Englisch und Französisch gegeben. Dadurch ist der Ablauf klar gegliedert: Nach einer möglichen Wartezeit geht die Gruppe gemeinsam hinein und folgt der festgelegten Route durch die benannten Säle.
Ablauf der Führung
Vom Eingangsbereich führt der Weg in die Eingangshalle und weiter zu Säulensaal, Königin der Säulen, Hölle, Fegefeuer, Theater, Fahnensaal und Gloria. Die Gruppe bleibt dabei zusammen. Für einzelne Formationen gibt es Erklärungen, während Beleuchtung und Raumfolge die größeren Zusammenhänge sichtbar machen. Freies Umherstreifen oder eine Besichtigung in beliebigem Tempo ist nicht vorgesehen.
Für die reine Führung sollten 35 bis 40 Minuten angesetzt werden. Hinzu kommen der Weg vom Parkplatz oder aus Canyamel, eine mögliche Wartezeit bis zur nächsten Gruppe und Zeit für den Ausblick am Eingang. Als kurzer Stopp zwischen zwei anderen Programmpunkten lässt sich die Höhle deshalb nur bedingt behandeln; angenehmer ist ein eigener Zeitblock ohne unmittelbar anschließenden Termin.
Temperatur und Höhlenklima
Im Inneren herrschen ganzjährig vergleichsweise stabile Bedingungen. Die Temperatur bewegt sich zwischen 17 und 22 Grad, zugleich ist die Luftfeuchtigkeit hoch. An einem heißen Sommertag fühlt sich der Wechsel in den Berg deutlich an, ohne dass die Höhle mit einer winterlich kalten Umgebung gleichzusetzen wäre. Eine leichte zusätzliche Schicht kann dennoch angenehm sein, besonders für empfindliche Besucher.
Die hohe Feuchtigkeit gehört zur Höhlenerfahrung. Oberflächen können feucht wirken, und der Boden verlangt mehr Aufmerksamkeit als eine ebene Museumshalle. Fest sitzende Schuhe sind deshalb sinnvoller als glatte Sandalen.
Tageszeit und Andrang
Da ungefähr alle halbe Stunde eine Gruppe startet, verteilt sich der Einlass in festen Wellen. Wer kurz nach dem Beginn einer Führung eintrifft, muss gegebenenfalls auf die nächste warten. In stark besuchten Zeiten kann zudem der Parkplatz am Eingang ausgelastet sein. Ein Besuch nahe der morgendlichen Öffnung ist daher die verlässlichste Wahl für alle, die Wartezeit und Parkplatzsuche möglichst klein halten möchten.
Von Mai bis Oktober ist täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, von November bis April von 10:00 bis 17:00 Uhr. Da sich betriebliche Regelungen ändern können, empfiehlt sich vor der Fahrt eine aktuelle Prüfung. Ein belastbarer Eintrittspreis ist hier bewusst nicht genannt; auch dieser sollte unmittelbar vor dem Besuch kontrolliert werden.
Anfahrt und Parken
Der Name führt leicht in die Irre: Ziel der Fahrt ist nicht das Zentrum von Artà, sondern Canyamel Platja an der Küste der Gemeinde Capdepera. Die Höhle liegt östlich des Badeorts am Cap Vermell. Wer navigiert, sollte daher die Coves d'Artà selbst oder die Höhlenstraße als Ziel wählen und nicht allein nach „Artà“ fahren.
Vom Flughafen Palma
Vom Flughafen Palma bis Canyamel Platja sind es 77 Straßenkilometer. Die Fahrt dauert rund 65 Minuten und führt über die Ma-15, anschließend über die Ma-4030 und die Ma-4040. Diese Distanz und Fahrzeit gelten ausdrücklich bis Canyamel Platja. Für das letzte Stück folgt die Zufahrt der asphaltierten Höhlenstraße am Küstenhang bis zum Eingang.
Die Strecke verläuft zunächst über die schnelle Verbindung in den Osten und danach über regionale Straßen in Richtung Capdepera und Canyamel. Gerade im letzten Abschnitt lohnt es sich, auf die Beschilderung zur Höhle zu achten, statt sich vom Namen in Richtung des weiter im Landesinneren gelegenen Artà leiten zu lassen.
Aus dem Zentrum von Palma
Vom Zentrum Palmas bis Canyamel Platja beträgt die Straßenstrecke 79 Kilometer. Über Ma-15, Ma-4030 und Ma-4040 dauert die Fahrt rund 72 Minuten. Auch hier beziehen sich Kilometer und Fahrzeit auf Canyamel Platja; die anschließende Zufahrt zum Höhleneingang kommt hinzu.
Die Fahrzeit kann im Stadtverkehr und während stark frequentierter Reisezeiten weniger berechenbar sein. Weil die Besichtigung gruppenweise beginnt, ist ein Zeitpuffer sinnvoll: Eine knappe Ankunft kann sonst bedeuten, dass die gerade gestartete Führung verpasst wird.
Parkplatz und Bus
Direkt bei den Coves d'Artà stellt der Betreiber einen kostenlosen Parkplatz bereit. Erfahrungsberichte weisen allerdings darauf hin, dass die Stellplätze zu gefragten Zeiten belegt sein können. Früh anzukommen hilft daher nicht nur beim Einlass, sondern auch bei der Parkplatzsuche. Vom Parkplatz führt der Zugang zur großen Treppe und zum hoch am Hang liegenden Felsportal.
Für die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Haltestelle „Canyamel - Coves d'Artà“ relevant. Sie trägt die Kennung 14035. Da Fahrpläne saisonal wechseln können, sollte die konkrete Verbindung für den Besuchstag geprüft werden. Aus dem Ferienort Canyamel sind die Höhlen nach Angaben der Gemeinde außerdem in wenigen Gehminuten erreichbar; der Weg führt zum Cap Vermell hinüber und endet am ansteigenden Höhlenzugang.
Buslinien nach Coves d'Artà im Überblick
| Linie | Strecke | Fahrten/Tag | Erste Fahrt | Letzte Fahrt |
|---|---|---|---|---|
| 424 | Cala Rajada - Portocristo | 42 | 08:18 | 23:10 |
Aus den offiziellen GTFS-Fahrplandaten (TIB/SFM), ohne Echtzeit. Die Zahlen fassen alle Halte im Ort zusammen; Fahrten an Wochenenden und Feiertagen weichen ab — vor der Fahrt beim Betreiber prüfen.
Anfahrt mit dem Bus
Canyamel - Coves d'Artà (14035) · 0,7 km Luftlinie
- 424Cala Rajada - Portocristo · Täglich
Fahrplandaten: offizielle GTFS-Daten (TIB/EMT), ohne Echtzeit — Zeiten vor Fahrtantritt beim Betreiber prüfen.
In der Umgebung
Nach dem Dunkel der Höhle wirkt die Bucht von Canyamel besonders hell. Der kleine Ferienort liegt am Ende eines breiten Tals, durch das der Torrent de Canyamel zur Küste fließt. Bewaldete Hügel und die Felsen des Cap Vermell rahmen die Bucht ein. Dadurch lässt sich der Höhlenbesuch gut mit einer Pause am Meer verbinden, ohne daraus einen langen Fahrtag zu machen.
Canyamel Platja
Die Platja de Canyamel ist der naheliegendste zweite Programmpunkt. Ihr heller Sandstrand liegt im Ort, während sich die Höhle am felsigen Rand der Bucht öffnet. Restaurants, Geschäfte und weitere touristische Angebote konzentrieren sich in Canyamel. Wer morgens zur ersten Führung kommt, kann anschließend an den Strand wechseln; wer später startet, verbindet den Höhlenbesuch mit einem Aufenthalt im Ort.
Canyamel ist eher ein ruhiger Küstenort als ein großes Ausgehzentrum. Der Torrent de Canyamel teilt den Siedlungsbereich, und die Umgebung ist von Pinien, niedriger mediterraner Vegetation und Küstenfelsen geprägt. Der Ortsname erinnert an den früheren Zuckerrohranbau: „Canya de mel“ bezeichnete das süße Rohr beziehungsweise Zuckerrohr.
Cap Vermell
Die Höhle liegt im Kalkstein des Cap Vermell. Der rote Küstenfelsen ist nicht bloß eine Kulisse, sondern Teil des Naturraums, aus dem die Coves d'Artà hervorgegangen sind. Das Gebiet besitzt zudem Bedeutung für den Vogelschutz; am Cap Vermell lebt eine wichtige Kormorankolonie. Es gehört zu einem als ZEPA ausgewiesenen Schutzgebiet und zum europäischen Netz Natura 2000.
Für den Höhlenbesuch ergibt sich daraus ein besonders klarer landschaftlicher Zusammenhang: Unten liegt die Bucht, darüber der Eingang im Fels, und im Inneren setzt Wasser seine Arbeit am Kalkstein fort. Wer am Ausgang kurz stehen bleibt, erkennt diesen Übergang besser als bei einer sofortigen Rückkehr zum Parkplatz.
Capdepera und die Küste des Nordostens
Mit etwas mehr Zeit lässt sich der Ausflug in Richtung Capdepera oder Artà fortsetzen. In Capdepera bietet sich das mittelalterliche Castell als kultureller Kontrast zur Naturhöhle an. Weitere mögliche Ziele sind die Torre de Canyamel, die talayotischen Fundstätten der Region sowie die Küstenorte Cala Ratjada, Font de sa Cala und Cala Mesquida. Sie sollten als eigenständige Ziele behandelt werden, nicht als hastige Anhängsel an die Führung.
Für eine naturnahe Kombination bleiben Canyamel und die benachbarten Buchten am praktischsten. Cala Rotja und Cala Auberdans werden von der Gemeinde als nahe Ausflugsziele genannt. Wer dagegen Geschichte vertiefen möchte, findet in Capdepera eine befestigte Stadtanlage und in der weiteren Umgebung mehrere Zeugnisse der talayotischen Kultur.
Der Ort dazu
Canyamel Platja im OrtsporträtWissenswertes für den Besuch
In der Höhle herrschen andere Bedingungen als am Strand wenige Minuten entfernt. Hohe Luftfeuchtigkeit, wechselnde Beleuchtung und ein natürlicher Untergrund verlangen etwas Aufmerksamkeit. Der Besuch ist zwar organisiert und geführt, bleibt aber ein Weg durch einen echten Höhlenraum – keine ebene Ausstellungshalle mit frei wählbarer Route.
Schuhe und Kleidung
Geschlossene Schuhe mit griffiger Sohle sind die beste Wahl. Feuchte Stellen und der Wechsel zwischen Stufen, Wegen und Aussichtspunkten machen glatte Sohlen unnötig unbequem. Strandkleidung ist im Hochsommer zwar naheliegend, doch im Inneren liegen die Temperaturen zwischen 17 und 22 Grad. Eine leichte Jacke oder ein dünner Überwurf lässt sich unkompliziert mitnehmen.
Vor dem Eingang ist dagegen mit Sonne zu rechnen. Wer auf die nächste Gruppe wartet oder den Blick über die Bucht länger genießen möchte, sollte Sonnenschutz nicht im Auto lassen. Der Kontrast zwischen dem hellen Küstenhang und den dunkleren Sälen kann außerdem dazu führen, dass die Augen zu Beginn etwas Zeit zur Anpassung brauchen.
Mit Kindern
Für Kinder ist der Rundgang überschaubar: Die Führung dauert 35 bis 40 Minuten, und markante Namen wie Hölle, Orgel, Fahnen oder Elefant bieten leicht verständliche Orientierungspunkte. Die Licht- und Toninszenierung in der Hölle setzt einen deutlichen Höhepunkt. Gleichzeitig bleibt die Gruppe an einen festen Ablauf gebunden; spontane Pausen oder ein vorzeitiges Weitergehen sind nicht ohne Weiteres möglich.
Eltern sollten deshalb einschätzen, ob ihr Kind eine geführte Besichtigung in feuchter, teilweise dunkler Umgebung angenehm findet. In den hohen Sälen entsteht keine enge Schachtatmosphäre, doch das gedämpfte Licht und die Geräuschkulisse können auf kleine Kinder stärker wirken als auf Erwachsene. Die Anweisungen der Führung haben Vorrang, besonders auf Treppen und feuchten Wegstücken.
Fotografieren und genaues Hinsehen
Die wirkungsvollsten Eindrücke entstehen nicht nur an der größten Säule. Dünne Kalkvorhänge, kleine Ablagerungen an den Wänden und die Übergänge zwischen beleuchteten und dunklen Bereichen werden leicht übersehen, wenn der Blick ausschließlich durch eine Kamera geht. Da die Führung weiterzieht, ist es sinnvoll, zunächst den Raum anzusehen und erst danach ein Bild aufzunehmen, sofern die aktuellen Regeln dies gestatten.
Die volkstümlichen Namen sollten als Einladung zum Beobachten verstanden werden. Der Elefant ist keine Skulptur, die Orgel kein Instrument und die Diamantsteine sind keine Edelsteinausstellung. Wer eine Bootsfahrt auf einem unterirdischen See oder einen frei zugänglichen Abenteuerparcours erwartet, sucht hier nach dem falschen Erlebnis. Im Zentrum stehen große Höhlensäle, Tropfsteinformationen und eine geführte, teilweise inszenierte Route.
Zeitplanung
Zur eigentlichen Führungsdauer kommen Ankunft, Parkplatzsuche, möglicher Gruppenwechsel und der Zugang über die große Treppe hinzu. Deshalb sollte der Besuch nicht auf genau 40 Minuten kalkuliert werden. Wer danach einen Strandaufenthalt in Canyamel plant, bleibt zeitlich flexibel und muss wegen einer verpassten Startgruppe keinen weit entfernten Anschlusstermin verschieben.
Ein letzter praktischer Hinweis betrifft den Namen: Eintrittskarte, Navigation und Tagesplanung sollten auf die Coves d'Artà bei Canyamel ausgerichtet sein. Das Städtchen Artà ist ein anderes Ziel. Diese kleine Kontrolle vor der Abfahrt verhindert den häufigsten und zugleich vermeidbarsten Umweg.
Insider-Tipps von Einheimischen
Zur ersten Gruppe kommen
Nahe der morgendlichen Öffnung sind die Chancen auf einen Stellplatz am Eingang am besten. Da Gruppen ungefähr jede halbe Stunde starten, sinkt zugleich das Risiko, knapp nach einem Einlass anzukommen und warten zu müssen.
Nach oben zur Königin blicken
Bei der 17 Meter hohen „Königin der Säulen“ lohnt nicht nur der Blick auf den Fuß des Stalagmiten. Erst der Vergleich mit Decke und benachbarten Tropfsteinen macht seine Höhe und den Maßstab des Säulensaals deutlich.
Am Ausgang nicht gleich weiter
Nach den dunklen Sälen öffnet sich der Blick wieder auf die Bucht von Canyamel. Dieser Übergang vom künstlich beleuchteten Kalkstein zum hellen Meer gehört zu den stärksten Momenten des Rundgangs.
Höhle und Strand verbinden
Die Platja de Canyamel liegt nahe beim Höhlenhang. Eine frühe Führung lässt sich deshalb ohne lange Weiterfahrt mit einem anschließenden Strandaufenthalt oder einer Pause im ruhigen Küstenort kombinieren.
Auf die dünnen Formen achten
Neben massiven Säulen prägen gefaltete Kalkvorhänge den Fahnensaal. Im seitlichen Licht wirken ihre Kanten besonders plastisch – ein Detail, das beim schnellen Blick auf die größten Tropfsteine leicht untergeht.