Plaza de Toros Son Puigdorfila Nou – Mallorcas verborgene Arena
Zwischen Wegen, Bäumen und den Rändern des heutigen Stadtgebiets verbirgt sich ein nahezu kreisrundes Stück mallorquinischer Geschichte. Die Plaza de Toros Son Puigdorfila Nou ist keine restaurierte Schauarena, sondern der Überrest eines seit Jahrzehnten aufgegebenen Veranstaltungsortes. Gerade dieser unfertige, verletzliche Zustand macht den Platz bemerkenswert. Wer hierherkommt, sollte daher weder ein Museum noch eine laufende Stierkampfarena erwarten. Sichtbar wird vielmehr ein Teil jener ländlichen Vergangenheit Palmas, in der große Güter, Steinbrüche, Erntefeste und lokale Vergnügungen eng miteinander verbunden waren. Später erhielt die Arena während des Spanischen Bürgerkriegs eine völlig andere, bedrückende Bedeutung.
Der Ort lohnt sich vor allem für Menschen, die sich für wenig bekannte Baudenkmäler, lokale Geschichte und die Übergänge zwischen Palma und seinem einst ländlichen Umland interessieren. Wichtig ist dabei die Unterscheidung von der großen Plaça de Toros in Palma: Die Plaza de Toros Son Puigdorfila Nou ist nicht das als Coliseo Balear bekannte Rund an der Avinguda Gaspar de Bennàssar, sondern die alte Arena auf der Finca Son Puigdorfila Nou.
Geschichte und Bedeutung
Der Marès-Steinbruch
Bevor hier eine Arena entstand, wurde das Gelände als Steinbruch für Marès genutzt, den auf Mallorca verbreiteten Sandstein. Der Ort war damit bereits durch menschliche Arbeit geprägt. Noch heute erklärt dieser Ursprung, warum das Bauwerk enger mit der Geschichte der Finca verbunden ist als mit den repräsentativen städtischen Arenen der Insel.
Die Finca Son Puigdorfila Nou selbst reicht in ihren Ursprüngen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Ihr Gebiet war von landwirtschaftlicher Nutzung, Wegen und einem Bestand aus Kiefern und Steineichen geprägt. Die Arena ist deshalb nicht als isoliertes Monument zu verstehen, sondern als Relikt einer historischen Kulturlandschaft am Rand von Palma.
Die Corridas zum Ende der Ernte
Die Nutzung der Plaza de Toros begann im 19. Jahrhundert. Nach Überlieferung des Nachbarschaftsvereins von Son Rapinya fanden hier Stierkämpfe statt, mit denen das Ende der Ernte gefeiert wurde. Das unterscheidet Son Puigdorfila Nou von einer großen kommerziellen Arena: Der Platz gehörte zum gesellschaftlichen Leben rund um das Landgut und zu einem Festkalender, der sich an der Arbeit auf den Feldern orientierte.
Über einzelne Veranstaltungen, Teilnehmer oder eine genaue Bauchronologie sind keine verlässlichen Details überliefert. Belegt ist jedoch der ursprüngliche Zusammenhang zwischen Arena, Finca und Ernteabschluss. Das Rund erinnert damit an eine Zeit, in der das heutige Stadtgebiet noch wesentlich stärker durch Landwirtschaft und große Besitzungen bestimmt wurde.
Das Versteck im Bürgerkrieg
Ende Juli 1936 bekam der Ort eine neue Funktion. Nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs versteckten sich mehrere linksgerichtete Familien aus der Carrer de Calafat in Son Espanyolet in der abgelegenen Arena. Unter ihnen befanden sich Familien mit kleinen Kindern, die vor der früh einsetzenden franquistischen Repression flohen. Nach den von einem lokalen Forscher gesammelten mündlichen Erinnerungen blieben die Verfolgten fünfzehn Tage verborgen, bis zum 14. August.
Der Wald rund um die ehemalige Arena und die geschützten Bereiche des Bauwerks boten Deckung. Aus einem Schauplatz öffentlicher Feste wurde so vorübergehend ein Zufluchtsort. Diese Episode verleiht der Ruine eine historische Tiefe, die sich von außen kaum erahnen lässt.
Jahrzehnte des Verfalls
Später wurde die Arena aufgegeben und blieb über Jahrzehnte ungenutzt. In den Gewölben suchten zeitweise Menschen Schutz; zugleich sammelten sich Abfälle, Flaschen, Reifen, Kunststoffe und Bauschutt. Wiederkehrende Brände wurden zu einem Problem für die Anwohner. Bei einem dokumentierten Feuer im Jahr 2018 brannte Unrat in einem der Gewölbe, bevor die Feuerwehr von Palma den Brand löschte. Die Schäden waren damals nicht nur im Gewölbe, sondern auch im oberen Bereich der Anlage und an benachbarter Vegetation zu erkennen.
Der heutige Wert des Ortes liegt daher nicht in einer unversehrten Ausstattung, sondern in seiner vielschichtigen Biografie: Steinbruch, ländliche Festarena, Versteck vor politischer Verfolgung und schließlich gefährdetes historisches Erbe.
Was es zu sehen gibt
Das kreisrunde Arenagelände
Aus der erhöhten Karten- oder Luftbildperspektive ist die Form besonders deutlich: Mitten in einer grünen Fläche zeichnet sich ein Kreis ab. Am Boden erschließt sich diese Geometrie weniger auf einen Blick; Mauerreste und die Kontur des ehemaligen Runds müssen vielmehr Stück für Stück gelesen werden.
Die zentrale Fläche war der Schauplatz der Corridas zum Ernteabschluss. Von einer gepflegten Sandbahn oder vollständig erhaltenen Zuschauerrängen kann heute keine Rede mehr sein. Der halbruinenhafte Zustand legt stattdessen die Grundstruktur frei. Vor der Nutzung als Arena befand sich an diesem Ort ein Steinbruch.
Gerade die versteckte Lage unterscheidet Son Puigdorfila Nou von den monumentalen Arenen spanischer Großstädte. Hier standen nicht eine auf Fernwirkung berechnete Fassade oder repräsentative Schmuckformen im Vordergrund. Eindruck macht das Rund durch seine Einbettung in die ehemalige Finca und durch die unerwartete Kreisform zwischen Vegetation und städtischen Randlagen.
Die Gewölbe
Zu den wichtigsten erhaltenen Bauteilen gehören die Gewölbe, die in jüngerer Zeit als Unterschlupf genutzt wurden. Die Räume machen verständlich, weshalb die Anlage trotz ihres Verfalls über lange Zeit zugänglich und zugleich problematisch blieb. An ihnen lassen sich die Folgen der Aufgabe besonders deutlich ablesen.
Das Feuer von 2018 entstand in einem Gewölbe durch angesammelten Müll; frühere Brände hatten ebenfalls Spuren hinterlassen. Die dunkleren, geschützten Partien der Ruine sind deshalb keine harmlosen Kulissen. Sie gehören zu einem ungesicherten historischen Bauwerk, dessen Zustand Respekt und Abstand verlangt.
Mauern und oberer Bereich
Über dem Niveau der Gewölbe liegt der obere Bereich der Anlage. Bereits nach dem Brand von 2018 wurden Schäden an der oberen Zone der Arena beschrieben. Vollständige Sitzreihen, Logen oder klar ablesbare Besucherwege sind nicht das, was diesen Ort heute auszeichnet. Zu sehen ist vielmehr das Gerüst einer früheren Nutzung.
Brüche, Bewuchs und Veränderungen durch jahrzehntelange Vernachlässigung gehören inzwischen zum Erscheinungsbild, sollten jedoch nicht als Einladung zum Klettern verstanden werden. Der historische Wert liegt gerade darin, die noch ablesbaren Bauteile im Zusammenhang zu betrachten: unten das Arenagelände, daran anschließend die Gewölbe und darüber der obere Bereich der Anlage.
Der Weg durch die Finca
Die alte Arena liegt an einem Weg bei der Finca Son Puigdorfila Nou. In ihrem Umfeld prägen Kiefern und Steineichen das Bild. Dieser grüne Rahmen erklärt, warum der Kreis lange wenig bekannt blieb und während des Bürgerkriegs als Versteck dienen konnte.
Der Weg ist Teil der Besuchserfahrung, nicht nur ein Zugang. Das Bauwerk kündigt sich nicht mit einer monumentalen Stadtfassade an, sondern erscheint als historischer Rest in einer Landschaft, die selbst unter starkem Veränderungsdruck steht. Dadurch wirkt der Übergang von der Umgebung zur Ruine unmittelbarer als bei einer erschlossenen Sehenswürdigkeit.
Der Besuch
Zugang und Vorbereitung
Die Plaza de Toros Son Puigdorfila Nou ist kein regulär betriebener Museums- oder Veranstaltungsort. Feste Öffnungszeiten und ein Eintrittspreis sind nicht erfasst. Vor der Anfahrt sollte deshalb aktuell geprüft werden, ob der Zugang erlaubt und welcher Weg tatsächlich nutzbar ist. Ein Eintrag auf einer Karte ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einem öffentlich freigegebenen Rundgang.
Sinnvoll ist es, den Besuch als vorsichtige Außenbesichtigung zu planen. Wege, Einfriedungen und mögliche Zugangsbeschränkungen sind zu respektieren. Das gilt besonders, weil die Arena auf dem Gelände einer historischen Finca liegt und ihr halbruinenhafter Zustand wiederholt dokumentiert wurde.
Wie viel Zeit einzuplanen ist
Einen vorgegebenen Rundgang gibt es nicht. Wer lediglich die Kreisform, Mauerreste und Einbettung in das Gelände erfassen möchte, kann den Ort als kurzen historischen Abstecher betrachten. Mehr Zeit lohnt sich vor allem dann, wenn die Geschichte des ehemaligen Steinbruchs, der Erntefeste und des Verstecks von 1936 bereits bekannt ist. Ohne diesen Hintergrund bleiben viele Spuren unscheinbar.
Die tatsächliche Dauer hängt zudem davon ab, wie nah man sich der Arena auf erlaubten Wegen nähern kann. Ein Besuch sollte nicht dadurch verlängert werden, dass nach inoffiziellen Einstiegen gesucht oder über Mauerreste geklettert wird. Ist der Zugang nicht eindeutig, genügt die Betrachtung aus sicherer und zulässiger Position.
Tageszeit und Andrang
Die Wahl des Zeitpunkts richtet sich weniger nach einem klassischen Besucherandrang als nach guter Orientierung. Tageslicht erleichtert es, den Verlauf des Weges, unebenen Boden und den Zustand der Mauerreste einzuschätzen. Für die Arena gibt es keinen verlässlichen Rhythmus aus Führungen, Einlasszeiten oder touristischen Stoßzeiten.
Die Abgeschiedenheit sollte dennoch nicht mit völliger Ruhe verwechselt werden. Das Gelände liegt am Rand bewohnter Viertel, und die Anlage wurde in der Vergangenheit auf sehr unterschiedliche Weise genutzt. Rücksicht auf Anwohner, Grundstücksgrenzen und die Vegetation ist daher wichtiger als die Suche nach einem vermeintlich menschenleeren Moment.
Anfahrt und Parken
Vom Flughafen Palma
Die hinterlegten Routendaten führen vom Flughafen Palma bis Son Sardina. Die Strecke beträgt 17 Straßenkilometer; die Fahrt dauert rund 18 Minuten und verläuft über die Ma-20. Diese Angaben beziehen sich auf den Zielort der Sehenswürdigkeit in Son Sardina.
Für das letzte Stück sollte die genaue Kartenposition der Plaza de Toros Son Puigdorfila Nou verwendet werden. Die Arena liegt nicht an einer großen touristischen Zufahrt, sondern an einem Weg bei der Finca. Entsprechend ist mit einem weniger deutlich ausgeschilderten Schlussabschnitt zu rechnen.
Vom Zentrum Palmas
Vom Zentrum Palmas bis Son Sardina sind es 4 Straßenkilometer; die Fahrt dauert rund 13 Minuten. Die Angaben beziehen sich auf den Zielort der Sehenswürdigkeit in Son Sardina. Für die Anfahrt sind die aktuelle Verkehrsführung und der konkrete Zugang zum Gelände entscheidend.
Mit Bus und zu Fuß
Mehrere Haltestellen liegen im Bereich Picasso und des dortigen Sportzentrums. Von dort ist für den Schlussabschnitt ein Fußweg einzuplanen. Da die Haltestellenbezeichnungen und Linien auf der Seite separat aktuell dargestellt werden, sollte für die konkrete Verbindung der jeweilige Tagesfahrplan herangezogen werden.
Der letzte Wegabschnitt führt nicht zu einem klassischen Besuchereingang mit Kasse und Beschilderung. Gute Orientierung ist daher wichtiger als bei einer erschlossenen Sehenswürdigkeit. Wer zu Fuß kommt, sollte auf öffentlichen oder eindeutig erlaubten Wegen bleiben und private Zufahrten nicht als Abkürzung nutzen.
Parken am Rand der Finca
Ein Fahrzeug sollte ausschließlich auf einem legalen Stellplatz im umliegenden Straßennetz abgestellt werden. Zufahrten zur Finca, schmale Wege und mögliche Rettungswege müssen frei bleiben. Wegen der dokumentierten Brände ist dies nicht nur eine Frage der Rücksichtnahme.
Es empfiehlt sich, den Wagen nicht möglichst nah an die Ruine zu bringen, sondern den letzten Abschnitt zu Fuß zurückzulegen, sofern der gewählte Weg öffentlich zugänglich ist. So lässt sich zugleich die ungewöhnliche Lage der Arena zwischen historischer Finca, Vegetation und heutiger Stadtstruktur besser erfassen.
Insider-Tipps von Einheimischen
Den Kreis zuerst von oben lesen
Auf der Karte oder im Luftbild ist die kreisrunde Form der Arena wesentlich leichter zu erkennen als am Boden. Wer sich die Kontur vor dem Besuch einprägt, kann Mauerreste und ehemaliges Arenagelände vor Ort besser zuordnen.
Auf die Gewölbe achten
Die Gewölbe sind mehr als ein bauliches Detail: Sie dienten später als geschützte Bereiche und waren 2018 Schauplatz eines Müllbrandes. Wegen des halbruinenhaften Zustands sollten sie nur aus sicherer, erlaubter Position betrachtet werden.
Nicht mit dem Coliseo verwechseln
Son Puigdorfila Nou ist nicht das bekannte Coliseo Balear im Zentrum Palmas. Gesucht wird die kleine, aufgegebene Arena auf der historischen Finca – ohne repräsentativen Eingang, Veranstaltungsbetrieb oder touristischen Rundgang.
Die Finca mitdenken
Kiefern, Steineichen und der Weg durch das ehemalige Landgut gehören zur Geschichte des Ortes. Erst in diesem grünen Rahmen wird verständlich, weshalb die Arena lange verborgen blieb und 1936 als Zufluchtsort dienen konnte.
Buslinien nach Plaza de Toros Son Puigdorfila Nou im Überblick
| Linie | Strecke | Fahrten/Tag | Erste Fahrt | Letzte Fahrt |
|---|---|---|---|---|
| 104 | Magaluf - Palma | 146 | 00:09 | 23:45 |
| 103 | Santa Ponça - Palma | 77 | 00:20 | 23:55 |
| 102 | Peguera - Palma | 68 | 06:20 | 22:50 |
| 106 | El Toro - Palma | 22 | 06:40 | 22:00 |
| 101 | Port d'Andratx - Palma | 17 | 06:45 | 23:10 |
| 105 | Sol de Mallorca - Palma | 15 | 06:15 | 20:45 |
| 7 | Son Gotleu - Son Serra - Sa Vileta / Son Vida | 7 | 10:31 | 22:41 |
Aus den offiziellen GTFS-Fahrplandaten (TIB/SFM), ohne Echtzeit. Die Zahlen fassen alle Halte im Ort zusammen; Fahrten an Wochenenden und Feiertagen weichen ab — vor der Fahrt beim Betreiber prüfen.
Anfahrt mit dem Bus
980-Picasso - Centre d'esports · 0,3 km Luftlinie
- 29Son Espases - Pl. Progrés · 08:00–08:00 · Täglich
242-camí de Son Rapinya - Picasso · 0,4 km Luftlinie
- 7Son Gotleu - Son Serra - Sa Vileta / Son Vida · 08:00–08:00 · Täglich
308-Picasso - Centre d'esports · 0,4 km Luftlinie
- 29Son Espases - Pl. Progrés · 08:00–08:00 · Täglich
982-Picasso - Col·legis · 0,4 km Luftlinie
- 29Son Espases - Pl. Progrés · 08:00–08:00 · Täglich
979-Picasso - Clínica Juaneda · 0,4 km Luftlinie
- 29Son Espases - Pl. Progrés · 08:00–08:00 · Täglich
74-Picasso - Col·legis · 0,4 km Luftlinie
- 29Son Espases - Pl. Progrés · 08:00–08:00 · Täglich
225-camí de Son Rapinya - Picasso · 0,4 km Luftlinie
- 7Son Gotleu - Son Serra - Sa Vileta / Son Vida · 08:00–08:00 · Täglich
910-Picasso - Clínica Juaneda · 0,4 km Luftlinie
- 29Son Espases - Pl. Progrés · 08:00–08:00 · Täglich
224-Dragonera - Clínica Juaneda · 0,5 km Luftlinie
- 7Son Gotleu - Son Serra - Sa Vileta / Son Vida · 08:00–08:00 · Täglich
243-Dragonera - Clínica Juaneda · 0,5 km Luftlinie
- 7Son Gotleu - Son Serra - Sa Vileta / Son Vida · 08:00–08:00 · Täglich
135-Son Dureta · 0,6 km Luftlinie
- 29Son Espases - Pl. Progrés · 08:00–08:00 · Täglich
- 47Gènova - la Bonanova - Sindicat (esquerra) · 08:00–08:00 · Täglich
Son Dureta 2 (40026) · 0,6 km Luftlinie
- 101Port d'Andratx - Palma · Täglich
- 102Peguera - Palma · Täglich
- 103Santa Ponça - Palma · Täglich
- 104Magaluf - Palma · Täglich
- 105Sol de Mallorca - Palma · Täglich
- 106El Toro - Palma · Täglich
Fahrplandaten: offizielle GTFS-Daten (TIB/EMT), ohne Echtzeit — Zeiten vor Fahrtantritt beim Betreiber prüfen.