Robert Graves: Das Schriftstellerhaus in Deià

Am Rand von Deià steht ein Haus, das eher bewahrt als inszeniert wirkt. Robert Graves lebte und arbeitete hier über Jahrzehnte; heute führt das Museum durch seine privaten Räume, seine Arbeitswelt und einen Garten, dessen Gestaltung in die Zeit der ersten Bewohner zurückreicht. Unter seinem eigentlichen Namen Ca n’Alluny gehört das Anwesen zu den persönlichsten Kulturorten im Nordwesten Mallorcas.
Der Reiz liegt nicht in einer monumentalen Architektur, sondern entsteht aus der Nähe zu einem Schriftstellerleben: Schreibtische tragen noch Arbeitsgeräte und persönliche Dinge, Bücher und Manuskripte verweisen auf ein ungewöhnlich umfangreiches Werk, und draußen schließen Oliven, Zitrusbäume und Nutzgarten unmittelbar an das Haus an. Vieles sieht so aus, als habe jemand die Arbeit nur für einen Gang in den Garten unterbrochen.
Auch ohne vertiefte Kenntnis seiner Bücher lohnt der Besuch. Die Casa erklärt, wie aus dem britischen Kriegsdichter und Romanautor ein Wahlmallorquiner wurde, der Deià nicht bloß als Kulisse betrachtete. Wer Ich, Claudius, Kaiser und Gott oder Claudius der Gott kennt, begegnet dem Entstehungsumfeld bedeutender Texte; wer Graves erst hier entdeckt, erhält einen anschaulichen Einstieg in Biografie und Werk.
Vor allem aber ist Ca n’Alluny ein Gegenentwurf zum großen, dicht bestückten Museum. Haus und Garten verlangen Aufmerksamkeit für kleine Dinge. Gerade Literaturinteressierte, Gartenfreunde und Besucher, die Deiàs Künstlergeschichte verstehen möchten, finden hier mehr als eine Sammlung von Erinnerungsstücken: einen erhaltenen Lebens- und Arbeitsort.
Geschichte und Bedeutung
Die Ankunft in Deià
Der Weg nach Deià begann mit einer Empfehlung, die zugleich Warnung war. Gertrude Stein soll Robert Graves und der amerikanischen Dichterin Laura Riding Mallorca als Paradies beschrieben haben – unter der Voraussetzung, dass man es dort aushalte. Graves und Riding kamen 1929 auf die Insel und entschieden sich für das damals noch abgelegene Deià. Hinter Graves lagen der Erste Weltkrieg, dessen psychische Folgen ihn lange begleiteten, ein als bedrückend empfundenes akademisches Umfeld in Oxford und eine zunehmend instabile private und finanzielle Lage.
Die Wahl des Ortes war deshalb mehr als ein mediterraner Tapetenwechsel. Graves suchte Abstand von Großbritannien und von der Gesellschaft, mit der er in seiner Autobiografie Good-Bye to All That abrechnete. Deià bot ihm Landschaft und Rückzug, ohne ihn völlig von der Welt abzuschneiden. In Majorca Observed schrieb er später über Menschen, Bräuche und Landschaften der Insel. Das Dorf wurde für ihn damit nicht nur zum Wohnort, sondern auch zum Gegenstand und Resonanzraum seines Schreibens.
Ca n’Alluny
1932 ließen Graves und Riding das Haus am Ortsrand errichten. Der Name Ca n’Alluny lässt sich sinngemäß als „Haus in der Ferne“ verstehen und passt zu seiner Lage etwas außerhalb des Dorfkerns. Zwischen alten Olivenbäumen entstand kein repräsentativer Landsitz, sondern ein Wohn- und Arbeitshaus, dessen Maßstab bis heute überschaubar bleibt. Hier betrieb Graves mit Riding auch eine eigene Druckpresse. Unter dem Namen Seizin Press erschienen Bücher und Gedichte; in dieser ersten produktiven Phase auf Mallorca entstanden zudem Werke, die seinen internationalen Ruf festigten, darunter die Claudius-Romane und Count Belisarius.
Das Haus war dennoch keine abgeschlossene Schriftstellerklause. Freunde aus Literatur und Kunst kamen nach Ca n’Alluny und blieben teils für längere Zeit. So lässt sich an diesem Ort ein Stück jener Entwicklung nachvollziehen, die Deià später den Ruf einer internationalen Künstlerkolonie einbrachte. Graves war dabei nicht der einzige kreative Bewohner des Dorfes, aber über Jahrzehnte eine seiner prägenden Figuren.
Abschied, Rückkehr und Museum
Mit Beginn des Spanischen Bürgerkriegs mussten Graves und Riding Mallorca 1936 verlassen. Es folgten der Zweite Weltkrieg und eine insgesamt zehnjährige Unterbrechung. Erst 1946 kehrte Graves zurück, nun mit Beryl und seiner Familie. Ca n’Alluny wurde erneut zum dauerhaften Lebensmittelpunkt. Der Schriftsteller blieb bis zu seinem Tod 1985 in Deià; sein schlichtes Grab befindet sich auf dem kleinen Friedhof des Dorfes.
Nach Beryls Tod 2003 ging das Anwesen in öffentliche beziehungsweise institutionelle Obhut über. Haus und Garten wurden behutsam restauriert und für Besucher angepasst. Beim Garten orientierte man sich ausdrücklich an Anlage und Bepflanzung der 1930er-Jahre. Im Sommer 2006 öffnete Ca n’Alluny als Museum. Heute ist es zugleich Sitz der Robert Graves Foundation, die Haus, Garten und literarisches Erbe betreut.
Die Bedeutung des Museums liegt gerade in dieser Kontinuität. Es erinnert nicht nur an einen britischen Dichter und Romancier, sondern dokumentiert eine dauerhafte kulturelle Verbindung zwischen Mallorca und der englischsprachigen Literatur. Graves kam als Fremder, kehrte nach Krieg und Exil zurück und wurde Teil der Geschichte Deiàs. Das Haus macht diesen Prozess besser sichtbar, als eine rein biografische Ausstellung es könnte.
Was es zu sehen gibt
Der Einführungsfilm
Der Rundgang beginnt nicht sofort zwischen Schreibtisch und Bücherregal, sondern mit einem Film über Graves’ Leben und Werk. Er dauert 15 Minuten und verbindet historische Fotografien, Filmaufnahmen und Interviewmaterial. Das ist mehr als ein vorgeschalteter Lebenslauf: Die Bilder geben den Räumen, die anschließend folgen, ihre zeitliche Tiefe. Wer Graves bislang nur dem Namen nach kannte, versteht danach, weshalb Kriegserfahrung, Trennung von England und Rückkehr nach Mallorca für sein Schreiben so wichtig waren. Zugleich hilft der Film dabei, das Museum richtig zu lesen: Die Einführung stellt den Zusammenhang her, das Haus liefert danach die Anschauung und öffnet den Ort, an dem ein erheblicher Teil dieser Arbeit entstand.
Die Arbeitszimmer
Die stärksten Räume sind die beiden Arbeitszimmer. Ihre hölzernen Schreibtische stehen mit Schreibmaschine, Büchern und persönlichen Gegenständen so da, dass der Arbeitsprozess beinahe greifbar wird. Gerade diese Zurückhaltung macht Eindruck: Eine sorgfältig bewahrte Ordnung aus Möbeln, Werkzeugen und Dingen des täglichen Gebrauchs prägt die Räume.
An den Schreibtischen wird sichtbar, dass Schreiben für Graves nicht bloß Inspiration, sondern geregelte Arbeit war. Manuskripte und Bücher verbinden den privaten Raum mit dem veröffentlichten Werk. Eine chronologische Darstellung der Bibliografie zeigt Titel und Erscheinungsdaten und verdeutlicht, wie weit das Schaffen über die bekannten historischen Romane hinausreichte. Die schiere Folge der Veröffentlichungen bildet einen wirkungsvollen Kontrast zur Ruhe des Zimmers, in dem sie vorbereitet wurden.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die kleinen Spuren des Gebrauchs: die Schreibmaschine als Werkzeug, die Anordnung der Gegenstände und die Nähe zwischen Arbeitsfläche und Bücherbestand. Sie erzählen mehr über Graves als ein dekoratives Porträt. Das Museum versucht nicht, den Autor als entrücktes Genie zu präsentieren, sondern zeigt einen Menschen, der in diesem Haus lebte und arbeitete.
Wohnräume und persönliche Dinge
Auch jenseits der Arbeitszimmer bleibt Ca n’Alluny erkennbar ein bewohntes Haus. Originale Möbel, persönliche Gegenstände, Bücher und Dokumente stehen nicht isoliert in neutralen Vitrinen, sondern in ihrem häuslichen Zusammenhang. Dadurch lässt sich die Grenze zwischen Arbeit und Alltag verfolgen: Literatur entstand hier nicht in einem separaten Institut, sondern mitten in einem Familienhaus.
Diese Atmosphäre erklärt, weshalb ein langsamer Rundgang ergiebiger ist als das schnelle Abhaken einzelner Exponate. Die Räume erzählen durch Beziehungen: Ein Manuskript gewinnt neben dem Schreibtisch eine andere Wirkung als in einer Bibliothek; ein Möbelstück verweist auf die Familie und die Gäste, die Ca n’Alluny über die Jahre aufsuchten. Selbst die bescheidene Größe des Hauses trägt zum Verständnis bei, denn Graves’ internationales Netzwerk traf sich an einem Ort, der persönlich und überschaubar blieb.
Zum historischen Alltag des Anwesens gehörte auch technische Selbsthilfe. Ein ausgestellter Generator versorgte Ca n’Alluny zwischen 1935 und 1963. Solche Geräte mögen neben Manuskripten zunächst nebensächlich wirken, machen aber die Bedingungen des Lebens am damaligen Ortsrand konkret. Der literarische Rückzug war keineswegs frei von praktischer Arbeit.
Garten, Oliven und Zitrusbäume
Hinter den Innenräumen wechselt die Erzählung ins Freie. Der Garten wurde nach dem historischen Grundriss und der Bepflanzung der 1930er-Jahre wiederhergestellt. Alte Olivenbäume verbinden das Gelände mit der Kulturlandschaft Deiàs; Zypressen, Bougainvilleen und weitere mediterrane Pflanzen geben den Wegen Struktur. Hinzu kommen Nutzflächen, die zeigen, dass der Garten nicht nur der Aussicht und Erholung diente.
Besonders charakteristisch sind der Gemüsegarten und die Zitruspflanzungen. Graves legte einen Orangenhain mit Bitterorangen und Mandarinen an und verwendete die Früchte unter anderem für Marmelade. Das ist eines jener kleinen Details, die Ca n’Alluny von einer abstrakten Dichtergedenkstätte unterscheiden. Zwischen Bäumen und Beeten wird ein Alltag sichtbar, in dem Schreiben, Familie, Selbstversorgung und das Klima Mallorcas nebeneinanderstanden.
Von Teilen des Gartens öffnen sich Blicke zur Küste, zum Meer und auf die Berge der Serra de Tramuntana. Trotzdem ist er kein klassischer Aussichtspunkt, den man nur für ein Foto aufsucht. Seine Wirkung entfaltet sich im Zusammenhang mit dem Haus: draußen die von Graves gewählte Landschaft, drinnen die Texte und Arbeitsmittel, mit denen er auf sie reagierte. Das Verweilen im Garten gehört daher zum Rundgang und sollte nicht als bloßer Ausgang behandelt werden.
Der Besuch
Vom Film ins Haus
Der vorgesehene Ablauf beginnt mit dem 15-minütigen Einführungsfilm und führt danach durch die erhaltenen Wohn- und Arbeitsräume in den Garten. Diese Reihenfolge ist sinnvoll, denn viele Gegenstände erklären sich besser, wenn Graves’ Lebensstationen bereits bekannt sind. Wer mit seinen Büchern vertraut ist, kann anschließend gezielt auf Manuskripte, Bibliografie und Arbeitsplätze achten; ohne Vorwissen schafft der Film eine ausreichende Grundlage.
Für den gesamten Besuch gibt es keine sinnvoll festzuschreibende Standarddauer. Der Film setzt einen festen Auftakt, danach hängt die Zeit stark davon ab, wie eingehend Texte, Bücher, persönliche Gegenstände und Garten betrachtet werden. Für einen schnellen Fotostopp eignet sich das Haus kaum. Wer die Räume wirklich auf sich wirken lässt und auch den Garten einbezieht, sollte nicht zu knapp planen.
Ruhe statt Besuchermassen
Die Stiftung formuliert selbst den Anspruch, nicht möglichst viele Menschen durch das Haus zu führen, sondern etwas von der Ruhe erfahrbar zu machen, die Graves hier fand. Diese Haltung prägt den Besuch: Ca n’Alluny ist ein kleines Schriftstellerhaus, und die Nähe zu Originalschauplätzen ist sein eigentliches Ausstellungsprinzip.
In stark besuchten Reisezeiten kann Deià dennoch voll werden, und auch das Parken wird dann schwieriger. Wer es einrichten kann, kommt eher am Tag und räumt vor allem für die Anfahrt etwas Reserve ein. Außerhalb der Hauptreisezeit wird die Atmosphäre im Ort und im Museum meist ruhiger; ein dokumentierter Winterbesuch berichtet lediglich von einer Handvoll weiterer Gäste. Eine Garantie für Leere ist das nicht, wohl aber ein nachvollziehbarer Hinweis für alle, die Ca n’Alluny möglichst still erleben möchten.
Vorher aktuell informieren
Öffnungszeiten und Eintritt sind bewusst nicht als dauerhafte Angaben in diesen Text aufgenommen, da sie sich ändern können. Vor der Fahrt empfiehlt sich deshalb ein Blick auf die aktuell veröffentlichten Besuchsinformationen des Museums. Das ist besonders wichtig, weil das Haus kein täglich und zu jeder Tageszeit zugängliches Gelände ist. Auch wer den Museumsbesuch mit Dorf, Friedhof oder Küste verbinden möchte, sollte den Tag zuerst um den Zugang zu Ca n’Alluny herum planen.
Anfahrt und Parken
Von Palma und vom Flughafen
Vom Flughafen Palma führt die Fahrt bis Deià über Ma-20, Ma-1110 und Ma-10. Die Straßenstrecke beträgt 32 Kilometer, die Fahrt dauert rund 48 Minuten. Vom Zentrum Palmas sind es bis Deià 27 Straßenkilometer; über Ma-1110 und Ma-10 dauert die Fahrt rund 52 Minuten. Diese Werte gelten jeweils bis Deià, nicht bis zu einem garantierten Parkplatz unmittelbar am Museum.
Der letzte Abschnitt verläuft auf der Ma-10 durch die Serra de Tramuntana. Ca n’Alluny liegt am nördlichen Ortsrand von Deià, an der Ausfallstraße Richtung Sóller. Das Tor befindet sich in einem Kurvenbereich, weshalb bei der Annäherung Aufmerksamkeit wichtiger ist als die Suche nach einem weithin sichtbaren Museumsbau. Das Anwesen wirkt von der Straße aus zurückhaltend und kündigt sich nicht wie eine große touristische Anlage an.
Die angegebene Fahrzeit sollte nicht als Parkzeit verstanden werden. Gerade an gut besuchten Tagen kann die Suche nach einem Stellplatz in Deià länger dauern. Die kurvenreiche Zufahrt über die Tramuntana verlangt zudem ein ruhiges Tempo, auch wenn das Navigationsgerät eine scheinbar knappe Ankunft kalkuliert.
Parken in Deià
Am Haus selbst gibt es keine Besucherparkplätze. Geparkt wird daher in Deià, soweit reguläre Stellflächen verfügbar sind; das letzte Stück führt zu Fuß zum Museum. In Zeiten hohen Andrangs kann die Parkplatzsuche im Dorf schwierig sein. Frühes Ankommen ist deshalb weniger ein Tipp für einen vermeintlich leeren Ausstellungsraum als eine praktische Strategie, um die Anfahrt nicht mit einer langen Suche zu beginnen.
Vom Dorfzentrum ist Ca n’Alluny in einem kurzen Fußweg erreichbar. Da das Haus etwas außerhalb liegt, sollte Gepäck im Fahrzeug bleiben und für den Weg ein wenig Zeit eingeplant werden. Wer nach dem Museum noch durch den steilen alten Ortskern zum Friedhof hinaufgehen möchte, tut gut daran, den Standort des Fahrzeugs so zu wählen, dass nicht jeder Abschnitt erneut gefahren werden muss.
Mit dem Bus
Deià wird mit dem Linienbus aus Richtung Palma, Valldemossa und Sóller erreicht; als passende Verbindung wird die Linie 203 genannt. Für das Museum kommen die Haltestellen in Deià oder bei S’Empeltada infrage. Von dort geht es zu Fuß weiter. S’Empeltada liegt näher am Anwesen, während ein Ausstieg im Dorf sinnvoll sein kann, wenn der Museumsbesuch mit dem historischen Ortskern verbunden werden soll.
Der Bus vermeidet die Parkplatzsuche, bindet den Besuch aber an den aktuellen Fahrplan. Da die Ma-10 die zentrale Verkehrsachse dieses Abschnitts der Tramuntana ist, sollte vorab auch die Rückfahrt geprüft werden. Die Fußwege zwischen Haltestelle, Museum und Dorf sind Teil des Ausflugs; Ca n’Alluny besitzt keinen separaten Verkehrsknoten direkt am Eingang.
Buslinien nach Robert Graves im Überblick
| Linie | Strecke | Fahrten/Tag | Erste Fahrt | Letzte Fahrt |
|---|---|---|---|---|
| 203 | Valldemossa / Deià | 225 | 06:25 | 22:50 |
Aus den offiziellen GTFS-Fahrplandaten (TIB/SFM), ohne Echtzeit. Die Zahlen fassen alle Halte im Ort zusammen; Fahrten an Wochenenden und Feiertagen weichen ab — vor der Fahrt beim Betreiber prüfen.
Anfahrt mit dem Bus
S'Empeltada 1 (18003) · 0,1 km Luftlinie
- 203Valldemossa / Deià · Täglich
S'Empeltada 2 (18004) · 0,1 km Luftlinie
- 203Valldemossa / Deià · Täglich
Deià 1 (18002) · 0,5 km Luftlinie
- 203Valldemossa / Deià · Täglich
Deià 2 (18010) · 0,5 km Luftlinie
- 203Valldemossa / Deià · Täglich
Es Clot 1 (18011) · 0,8 km Luftlinie
- 203Valldemossa / Deià · Täglich
Es Clot 2 (18001) · 0,8 km Luftlinie
- 203Valldemossa / Deià · Täglich
Llucalcari 1 (18005) · 1,3 km Luftlinie
- 203Valldemossa / Deià · Täglich
Llucalcari 2 (18006) · 1,3 km Luftlinie
- 203Valldemossa / Deià · Täglich
Sa Foradada (18009) · 1,5 km Luftlinie
- 203Valldemossa / Deià · Täglich
Fahrplandaten: offizielle GTFS-Daten (TIB/EMT), ohne Echtzeit — Zeiten vor Fahrtantritt beim Betreiber prüfen.
In der Umgebung
Deià
Nach dem stillen Haus wirkt Deià wie die Fortsetzung seiner Geschichte. Steinhäuser ziehen sich am Hang hinauf, und die Berge der Serra de Tramuntana treten dicht an den Ort heran. Graves entschied sich nicht zufällig für diesen Platz: Das Dorf bot Abgeschiedenheit, Landschaft und zugleich eine Verbindung nach Palma. Später kamen weitere Schriftsteller, Künstler und Akademiker, sodass Deiàs Ruf als Künstlerort weit über Mallorca hinausreichte.
Der alte Ortskern lässt sich gut an den Museumsbesuch anschließen. Dabei zeigt sich allerdings auch die topografische Realität hinter den schönen Ansichten: Wege und Gassen steigen merklich an. Wer vom Haus zum oberen Dorfteil geht, erlebt nicht nur eine hübsche Kulisse, sondern versteht besser, wie eng Siedlung, Terrassenlandschaft und Gebirge hier zusammenliegen.
Kirche und Friedhof
Auf dem kleinen Friedhof bei der Kirche liegt Robert Graves begraben. Das Grab ist schlicht und leicht zu übersehen; gerade dadurch bildet es einen starken Gegenpunkt zu seinem umfangreichen Werk. Ein Gang dorthin ist keine notwendige Verlängerung des Museums, schließt die Biografie aber räumlich ab: unten beziehungsweise am Ortsrand das Haus des langen Arbeitslebens, oben im Dorf die letzte Ruhestätte.
Der Weg zum Friedhof führt durch den ansteigenden Ortskern und sollte deshalb nicht als beiläufiger Abstecher ohne zusätzlichen Fußweg eingeplant werden. Inhaltlich ist die Verbindung jedoch besonders stimmig, weil sie Robert Graves nicht von Deià trennt. Haus und Grab liegen nicht in einem künstlichen Gedenkbezirk, sondern an zwei Punkten jenes Ortes, der für ihn zur Heimat wurde.
Küste und Tramuntana
Wer einen ganzen Tag in der Gegend verbringt, kann den Museumsbesuch mit Cala Deià oder einem weiteren Ziel entlang der Ma-10 verbinden. Die Bucht zeigt die felsige Küstenseite des Gemeindegebiets, während die Straße Richtung Valldemossa oder Sóller weitere Perspektiven auf die Tramuntana eröffnet. Solche Kombinationen sollten allerdings nicht zulasten der Ruhe im Haus zu eng getaktet werden.
Literarisch Interessierte können Deià außerdem als Station einer größeren Kulturroute verstehen. In der westlichen Tramuntana erinnern mehrere Orte an Schriftsteller, Reisende und Künstler, die Mallorca beschrieben oder zeitweise hier lebten. Ca n’Alluny bleibt darunter besonders anschaulich, weil nicht nur ein Name oder eine Texttafel erhalten ist, sondern der konkrete Wohn- und Arbeitsort.
Der Ort dazu
Deià im OrtsporträtWissenswertes für den Besuch
Für wen sich das Museum eignet
Das Haus spricht vor allem Menschen an, die Freude an Literatur, Biografien, historischen Wohnräumen oder Gärten haben. Vorkenntnisse sind hilfreich, aber nicht nötig; der Einführungsfilm ordnet Graves’ Leben und die wichtigsten Werkbereiche ein. Wer vorab eines seiner Gedichte, einen Abschnitt aus Good-Bye to All That oder einige Seiten eines Claudius-Romans liest, wird im Arbeitszimmer dennoch leichter Verbindungen herstellen.
Mit Kindern funktioniert der Besuch am besten, wenn sie sich auf ein echtes Wohnhaus und einzelne Gegenstände einlassen können. Zu sehen sind Schreibmaschine, Arbeitsplätze, Bücher, persönliche Dinge und Gartenbereiche – keine auf Bewegung oder Spiel ausgelegte Erlebniswelt. Der Film zu Beginn und die Abwechslung zwischen Innenräumen und Garten geben dem Rundgang eine klare Struktur.
Kleidung und Wege
Für Haus und Garten genügt alltagstaugliche Kleidung, doch festes, bequemes Schuhwerk ist für die Kombination mit Deià sinnvoll. Der Ortskern liegt am Hang, und der Weg zur Kirche und zum Friedhof steigt an. Auch zwischen Bushaltestelle, Museum und Dorf fallen Fußwege an. Wer nur wegen eines Innenraums mit glatten Museumsgängen kommt, unterschätzt daher leicht den Charakter des gesamten Ausflugs.
Der Garten bietet Bäume und bepflanzte Bereiche. Sonnen- und Regenschutz sollten nach Wetterlage auch dann bedacht werden, wenn der eigentliche Schwerpunkt in den Innenräumen liegt. Für einen längeren Spaziergang durch Deià oder hinunter in Richtung Küste gelten ohnehin andere Anforderungen als für den kompakten Museumsrundgang.
Was man nicht erwarten sollte
Der Bestand gewinnt aus seinem ursprünglichen Ort: Möbel stehen in den Räumen, für die sie bestimmt waren; Schreibtische und Schreibmaschine verweisen auf tatsächliche Arbeit; der Garten bleibt Teil des Haushalts. Wer spektakuläre Effekte sucht, könnte die Präsentation als zurückhaltend empfinden. Wer genau hinsieht, erkennt gerade darin ihre Stärke.
Ebenso wenig ist das Anwesen ein beliebig zugänglicher Aussichtsgarten. Meer- und Bergblicke gehören zur Erfahrung, doch der Zweck des Besuchs bleibt das Leben und Werk von Robert Graves. Fotografieren, Landschaftsschauen und der Rundgang durch Deià lassen sich gut damit verbinden, sollten die leisen Details im Haus aber nicht überlagern. Die bleibende Erinnerung ist oft kein Panorama, sondern ein Schreibtisch, an dem zwischen mallorquinischem Alltag und Weltliteratur gearbeitet wurde.
Insider-Tipps von Einheimischen
Die Schreibtische genau ansehen
In den beiden Arbeitszimmern nicht nur auf die Schreibmaschine achten. Die Anordnung von Büchern, Arbeitsgeräten und persönlichen Dingen vermittelt besonders anschaulich, wie selbstverständlich Graves’ Schreiben zum Alltag in Ca n’Alluny gehörte.
Zeit für den Nutzgarten lassen
Der Garten ist kein bloßer Ausgang. Orangenhain, Mandarinen, Bitterorangen und Gemüseflächen erzählen vom bewirtschafteten Anwesen; Graves nutzte die Zitrusfrüchte unter anderem, um Marmelade herzustellen.
S’Empeltada statt Parkplatzsuche
Wer mit der Linie 203 anreist, kann bei S’Empeltada aussteigen und erreicht das nahe Anwesen zu Fuß. Der Ausstieg im Dorf ist dagegen praktischer, wenn anschließend der alte Ortskern und Graves’ Grab besucht werden sollen.
Das schlichte Grab suchen
Auf dem Friedhof bei der Kirche liegt Graves’ schlichte Grabstätte. Sie ist leicht zu übersehen und wirkt gerade deshalb wie ein passender Abschluss nach dem persönlichen, zurückhaltend präsentierten Wohnhaus.
Den Generator nicht übersehen
Zwischen Manuskripten und Möbeln fällt das technische Gerät leicht aus dem Blick: Ein Generator versorgte das Anwesen zwischen 1935 und 1963 und erinnert daran, wie praktisch der Alltag am damaligen Ortsrand organisiert werden musste.