Gaudís Schalltrichter in Palma lebt digital weiter
Ein verschwundener Schalltrichter von Antoni Gaudí in der Kathedrale von Mallorca in Palma ist jetzt digital rekonstruiert. Ein Forschungsteam der Universitat Rovira i Virgili hat das Bauteil für die große Kanzel als 3D-Modell nachgebildet. Der Schalltrichter, in der Quelle als Tornavoz bezeichnet, wurde im November 1970 abgerissen.
Gaudí hatte das Element aus Holz und Stoff für die achteckige Kanzel entworfen. Drei parabolische Flächen sollten die Stimme des Redners verstärken und lenken. Der Auftrag ging auf Bischof Pere Joan Campins zurück, der Gaudí 1901 mit Arbeiten zur Restaurierung und Umgestaltung mehrerer liturgischer Elemente der Kathedrale von Mallorca betraut hatte.
Zehn alte Fotos statt originaler Pläne
Vom Tornavoz blieben keine Pläne und keine präzise geometrische Dokumentation erhalten. Das Team nutzte deshalb historische Fotografien und digitale Vermessungen der Kathedrale. Für das Modell des Kirchenraums erstellten die Forscher 1.250 Laserscans und eine Punktwolke mit rund 21 Millionen Punkten.
Die große Kanzel modellierten sie mit einer Genauigkeit von 95 Prozent in 3D. Aus zehn historischen Fotos wählten sie fünf besonders geeignete Aufnahmen aus. Bei ihnen lag die Differenz zwischen zwei geometrischen Berechnungen des jeweiligen Kamerastandorts unter einem Meter.
Modell zeigt auch die mögliche Akustik
Aus den sichtbaren Kurven der drei Flächen entwickelten die Forscher zunächst vorläufige 3D-Modelle. Anschließend verglichen sie geometrische Berechnungen, um für jede Fläche die passendste parabolische Form zu bestimmen.
Die Untersuchung prüfte auch die mögliche Wirkung auf den Klang. Nach Angaben des Teams definierte Gaudís Entwurf vor der Kanzel einen konkreten Bereich mit optimaler akustischer Leistung. Die Forscher bewahren das fertige Modell in Standardformaten auf und machen es der Forschungsgemeinschaft auf Anfrage zugänglich. Es kann für Forschung und Lehre weiter untersucht, wiederverwendet und möglicherweise mit digitalen Fertigungswerkzeugen physisch reproduziert werden.
Themen: Kultur
Quelle: Europa Press / Mallorca.com