Balearen fordern neue Fischerei-Regeln in Brüssel
Der balearischen Schleppnetzflotte bleibt nach Angaben der Landesregierung heute mehr als 50 Prozent weniger Fischereiaufwand als vor zehn Jahren. Am 3. September reist Landwirtschafts- und Fischereiminister Joan Simonet mit dem Fischereidirektor Antoni M. Grau nach Brüssel. Dort wollen sie bei EU-Kommissar Costas Kadis Änderungen an den Fischerei-Regeln für das Mittelmeer durchsetzen.
Die Balearen treten gemeinsam mit Katalonien, der Valencianischen Gemeinschaft, Murcia und Andalusien auf. Die fünf Regionen hatten der Europäischen Kommission bereits im Mai gemeinsame Vorschläge geschickt. Nun erwarten sie eine Antwort darauf, ob daraus konkrete Änderungen im EU-Recht werden.
Mehr Mitsprache und weniger starre Vorgaben
Die Regionen schlagen eine Omnibus-Verordnung für die Fischerei vor. Damit sollen die Gemeinsame Fischereipolitik und mehrere europäische Verordnungen gezielt überarbeitet werden. Ihr Ziel: Umweltfortschritte sichern, zugleich aber die wirtschaftliche und soziale Seite der Nachhaltigkeit stärker berücksichtigen.
Gefordert werden ein eigener Rechtsstatus für die mediterrane Küstenflotte, eine stärkere Regionalisierung der Verwaltung und einfachere Kontrollpflichten. Auch die Berechnung des Fischereiaufwands sowie der Mehrjahresplan für die demersale Fischerei im westlichen Mittelmeer sollen überprüft werden. Dieser Plan regelt unter anderem die Fangtage der Schleppnetzflotte.
Die fünf Regionen verlangen außerdem, dass Europa neben biologischen Kriterien auch wirtschaftliche und soziale Indikatoren berücksichtigt. Sie wollen zudem das System überprüfen, das die gesamte Fischerei an den Zustand der schwächsten Art koppelt. Bei der Roten Garnele kritisieren sie die doppelte Begrenzung durch Fangtage und Fangmengen.
Balearen verweisen auf weniger Boote und Fänge
Simonet will in Brüssel besonders die Insellage und eine gemeinsame Verwaltung der Fischgründe mit Fischern, Wissenschaft und weiteren Beteiligten hervorheben. Die Entscheidungen müssten die ökologischen und sozioökonomischen Besonderheiten jeder Mittelmeerzone berücksichtigen, fordert die Landesregierung.
Nach Daten der Conselleria sank der Fischereiaufwand der balearischen Flotte in zehn Jahren um mehr als 50 Prozent. Die angelandeten Fänge liegen demnach fast 40 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre. Die Regierung warnt zudem vor einem fortlaufenden Verlust von Booten und Arbeitsplätzen, älteren Schiffen und Problemen beim Generationswechsel.
Die Brüsseler Gespräche sind auch mit Blick auf die Fangmöglichkeiten für 2027 wichtig. Die Mittelmeerregionen wollen verhindern, dass die EU den Fischereiaufwand während der Überarbeitung des Mehrjahresplans erneut automatisch kürzt. Stattdessen sollen Maßnahmen zur besseren Auswahl der Fänge und Lösungen für die jeweilige Fischerei Vorrang haben.
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Quelle: Europa Press / Mallorca.com