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Sechs Kinder in Palma melden Gewalt in der Familie

Verantwortlich für den Inhalt: Frank Menze

Mindestens sechs Kinder haben im vergangenen Schuljahr in Palma Gewalt in der Familie ihren Lehrern anvertraut. Sie berichteten von körperlichen oder sexuellen Übergriffen durch Menschen aus ihrem Umfeld. Die spanische Nationalpolizei zählte seit vergangenem November mindestens sechs Fälle, die nach einem Hinweis aus einer Schule bekannt wurden.

Archivo - La Policía Nacional retoma sus charlas educativas en los colegios contra el acoso.
Europa Press

Dabei geht es nach Angaben von Eduardo Pérez, Leiter der Einheit für Familien- und Frauenhilfe (UFAM) der Polizei auf den Balearen, oft um Täter aus dem engsten Kreis: Eltern, Onkel oder Freunde der Familie. Für viele Minderjährige sei die Schule der einzige Ort außerhalb ihres Zuhauses, an dem sie Vertrauen zu Erwachsenen fassen.

Acht Opfer und sechs Festnahmen

Die sechs Fälle führten laut Polizei zu acht Opfern und sechs Festnahmen wegen sexueller und körperlicher Übergriffe. Die Betroffenen waren überwiegend Mädchen und zwischen drei und 16 Jahre alt.

In einem Fall vertraute sich ein neunjähriges Mädchen nach einem Vortrag an ihrer Schule ihren Lehrern an. Die UFAM nahm daraufhin einen Mann fest, der seine Nichte sexuell missbraucht haben soll. In einem weiteren Fall berichtete eine Schülerin, ein Freund der Familie habe sie unter Drohungen zwei Jahre lang sexuell missbraucht.

Auch in Manacor auf Mallorca wandte sich eine 16-Jährige nach dem Unterricht an Lehrkräfte. Nach Angaben der Polizei soll ihr Vater sie über drei Jahre hinweg zu Hause sexuell missbraucht haben. Im Juni nahmen Ermittler zudem einen 20-Jährigen fest, der seinen dreijährigen Bruder missbraucht haben soll. Das Kind hatte den Erzieherinnen seiner „Escoleta“ erzählt, was passiert war.

Schule löst Schutzmaßnahmen aus

Sobald ein Kind in der Schule von einem Übergriff erzählt, greifen je nach Lage unterschiedliche Schutzmaßnahmen. Bei einem mutmaßlichen sexuellen Übergriff durch eine Person, die mit dem Kind zusammenlebt, hat laut Polizei oberste Priorität, weiteren Kontakt zu verhindern. Handelt es sich um weiter entfernte Angehörige oder Nachbarn, informieren die Verantwortlichen zunächst die Eltern und prüfen anschließend, ob medizinische Hilfe nötig ist.

Am Ende steht eine formelle Anzeige auf einer Polizeiwache und die Ermittlungen von Polizei und Justiz. Sehr junge Kinder müssen nicht immer selbst aussagen: Auch Angehörige oder Lehrkräfte können gegenüber den Ermittlern Angaben machen.

Künftig soll auf den Balearen das Barnahus-Modell eingeführt werden. Dafür sind Räume vorgesehen, in denen Minderjährige sicher aussagen, forensisch untersucht sowie psychologisch und medizinisch betreut werden können. Nach dem Start des Projekts sollen sie dafür nicht mehr zur Polizeiwache oder zum Gericht müssen.

Auch Krankenhäuser können Hinweise geben. Im Mai wurden in Palma ein Mann und eine Frau festgenommen, nachdem eines ihrer minderjährigen Kinder in einem Krankenhaus von mutmaßlicher Misshandlung berichtet hatte. Nach Polizeiangaben melden Kliniken Verletzungen automatisch an das Gericht, auch wenn die betroffene Person selbst keine Anzeige stellen will.

Themen: Polizei · Bildung · Soziales · Gesundheit · Palma · Manacor

Quelle: Europa Press / Mallorca.com