Kita-Ratio senken: Ärzte fordern kleinere Gruppen
In spanischen Kitas sollen künftig weniger Kinder in einer Gruppe betreut werden. Kinderärzte fordern, die Regeln dafür schneller anzupassen, damit Fachkräfte mehr Zeit für jedes einzelne Kind haben. Am 1. September verwiesen die Verbände mit Blick auf den bevorstehenden Schulstart auf die Bedeutung der ersten drei Lebensjahre für die Entwicklung.
Die derzeit erlaubten Höchstzahlen liegen in Spanien meist bei acht Babys pro Gruppe bis zum ersten Lebensjahr, bei 14 Kindern zwischen 12 Monaten und zwei Jahren sowie bei 20 Kindern von zwei bis drei Jahren. Je nach autonomer Gemeinschaft gibt es Abweichungen.
Ministerium plant niedrigere Obergrenzen
Das Bildungsministerium will die Gruppen schrittweise auf vier, sechs und acht Kinder senken. Nach der offiziellen Planung soll die Umsetzung im Schuljahr 2027-2028 beginnen und bis 2029-2030 gestaffelt erfolgen. Der Vorschlag befindet sich noch im Verfahren für die gesetzlichen Regeln.
Die Ärztin Miriam de Nazaret García del Saz von der Spanischen Gesellschaft für Pädiatrie und der Spanischen Gesellschaft für Sozialpädiatrie nennt kleinere Gruppen einen wichtigen Schritt. Weniger Kinder pro Gruppe ermöglichten individuellere Betreuung und könnten die Sprachentwicklung, die emotionale Regulation sowie frühes Lernen fördern. Bei zu großen Gruppen werde es dagegen schwieriger, auf die jeweiligen Bedürfnisse einzugehen und mögliche Entwicklungsprobleme früh zu erkennen.
Inklusive Klassen für unterschiedliche Lernwege
Auch die Spanische Vereinigung für pädiatrische Primärversorgung fordert inklusive, neurodiverse Klassen. Davon profitiere nicht nur ein Kind mit besonderem Unterstützungsbedarf, sondern die gesamte Gruppe, erklärte die Kinderärztin Beatriz Fernández Prudencio.
Kinder mit Autismus, Aufmerksamkeitsproblemen, mit oder ohne Hyperaktivität, Dyslexie oder anderen Lernschwierigkeiten könnten besondere Unterstützung benötigen. Diagnosen dürften jedoch nicht zu Etiketten werden, die ein Kind festlegen. Der Kinderarzt in der Primärversorgung könne Entwicklungsauffälligkeiten und Lernprobleme fortlaufend beobachten, Warnsignale erkennen und bei Schwierigkeiten begleiten.
Zum Schulbeginn raten die Fachleute außerdem, feste Schlaf- und Essenszeiten schrittweise wieder aufzunehmen. Hektik und übermäßiger Druck sollten dabei vermieden werden.
Quelle: Europa Press / Mallorca.com