Carrer del Calvari in Pollença: 365 Stufen über der Altstadt

Mitten aus Pollenças Gassen steigt die Carrer del Calvari beinahe schnurgerade zum Kalvarienberg hinauf. Was unten noch wie eine steile Straße wirkt, wird bald zu jener Freitreppe, die zu den bekanntesten Bildern des Ortes gehört: 365 Stufen, begleitet von Zypressen und Kreuzen, führen vom historischen Zentrum zur Kapelle Església del Calvari.
Der Reiz liegt nicht allein im Ziel, denn während des Aufstiegs verändert sich der Blick mit jedem Absatz. Die Häuser der Altstadt rücken tiefer, über den Dächern öffnet sich die Landschaft, und am oberen Ende bildet die kleine Kapelle den ruhigen Abschluss einer auffallend klaren Sichtachse. Die Treppe ist zugleich Fußweg, Aussichtspunkt und religiös geprägter Erinnerungsort.
Ein Besuch passt zu Reisenden, die Pollença nicht nur von der Plaça Major aus kennenlernen möchten. Die Carrer del Calvari verlangt keinen langen Wandertag, wohl aber ausreichend Kraft für einen steilen Auf- und Abstieg. Wer Architektur, Ortsgeschichte oder Fotografie schätzt, findet entlang der Stufen mehr als ein schnelles Panoramamotiv. Besonders eindringlich wird der Ort an Karfreitag, wenn die Treppe zum Schauplatz einer der prägenden Passionszeremonien Pollenças wird.
Geschichte und Bedeutung
Die berühmte Treppe ist jünger als der religiöse Ort, zu dem sie führt. Der Kalvarienberg war bereits über einen älteren Weg erreichbar, bevor die heutige Carrer del Calvari angelegt wurde. Nach der von der Gemeinde Pollença überlieferten Geschichte gehörte der Berg zunächst den Tempelrittern. Seine dauerhafte Bedeutung gewann er jedoch als christlicher Andachtsort und als Zugang zur Kapelle auf der Anhöhe.
Guillem Cerdà Cànaves und der Treppenbau
Ein entscheidender Schritt erfolgte 1860. In diesem Jahr erwarb Guillem Cerdà Cànaves, der von 1815 bis 1887 lebte, Besitz am Kalvarienberg. Einen Teil des Geländes stellte er der Stadt Pollença zur Verfügung, damit ein angemessener Zugang zur Kapelle geschaffen werden konnte. Die Freitreppe entstand nicht in einem einzigen Bauzug, sondern abschnittsweise. Ihr oberer, bereits im 19. Jahrhundert ausgeführter Teil erhielt neoklassizistische Formen.
Diese Entstehungsgeschichte erklärt, weshalb die Carrer del Calvari trotz ihrer scheinbar einheitlichen Perspektive nicht überall gleich ausfällt. Vor allem im oberen Bereich sind die Stufen niedriger. Die Treppe war weit mehr als eine repräsentative Verschönerung des Hanges: Sie ordnete und erleichterte den traditionellen Weg zur Kapelle und gab religiösen Handlungen eine weithin sichtbare Bühne.
Der Kreuzweg
Die Zahl der Stufen wird als Sinnbild des Jahres gelesen: 365 Stufen, eine für jeden Tag. Entlang des Anstiegs stehen 14 Kreuze, die an die Stationen des Leidenswegs Christi erinnern. Nach Angaben der Gemeinde erreichen sie eine Höhe von drei Metern. So wird der Aufstieg selbst zum Kreuzweg – nicht durch einen abgeschlossenen Kirchenraum, sondern mitten im Ortsbild und unter freiem Himmel.
Die streng aufwärts gerichtete Anlage verstärkt diese Bedeutung. Das Ziel bleibt über weite Teile des Weges sichtbar, während die Kreuze und Zypressen den Aufstieg gliedern. Selbst außerhalb kirchlicher Feiern ist erkennbar, dass die Treppe ursprünglich nicht bloß als Aussichtszugang gedacht war.
Der Davallament am Karfreitag
Am Karfreitag tritt die religiöse Funktion besonders deutlich hervor. Beim sogenannten Davallament wird eine Christusfigur vom Kreuz genommen und anschließend von der Kapelle über die Treppe zur Pfarrkirche Mare de Déu dels Àngels getragen. Mitglieder verschiedener Bruderschaften begleiten die Prozession mit Fackeln; das Ritual vollzieht sich in Stille.
Gerade der Abstieg macht die Carrer del Calvari zu einem wesentlichen Teil der Zeremonie. Die lange, gerade Treppenachse wird zur Prozessionsstrecke, auf der das Licht der Fackeln und die getragenen Figuren den gesamten Hang einbeziehen. Die sonst von Spaziergängern und Fotografierenden genutzte Freitreppe kehrt dabei sichtbar zu ihrem religiösen Ursprung zurück. Ihre touristische Bekanntheit hat diese Bedeutung nicht verdrängt: Sie bleibt ein lebendiger Ort der Karwoche in Pollença.
Was es zu sehen gibt
Schon vom unteren Ende erschließt sich die Grundidee der Anlage auf einen Blick. Die Stufen steigen in einer langen Achse den Hang hinauf, und die Kapelle erscheint als Abschluss am oberen Rand. Dennoch lohnt es sich, nicht nur auf das Ziel zu schauen. Unterschiede im Stufenprofil, die Kreuze am Weg und die zunehmend weiter werdende Aussicht erzählen die Geschichte der Treppe besser als ein einziges Foto vom Fuß des Hanges.
Die 365 Stufen
Das prägende Bauteil ist die ununterbrochene Folge von 365 Steinstufen. Ihre Zahl hat der Carrer del Calvari den Beinamen als Treppe für jeden Tag des Jahres eingebracht. Der Anstieg ist kurz genug, um vollständig überblickbar zu wirken, aber steil genug, dass sich die Perspektive schnell verändert. Zwischen den einzelnen Abschnitten bieten Absätze Gelegenheit, stehen zu bleiben und zurück über die Treppenachse zu sehen.
Der untere Bereich setzt den Übergang aus den Straßen Pollenças fort. Häuser und kleinere Geschäfte begleiten zunächst den Weg, bevor die Anlage stärker als eigenständige Freitreppe wahrgenommen wird. Nach oben hin treten die Zypressen deutlicher in Erscheinung. Im älteren, neoklassizistisch geprägten Abschnitt fallen die niedrigeren Stufen auf. Diese Veränderung ist kein zufälliges Detail, sondern ein sichtbarer Hinweis auf den abschnittsweisen Ausbau.
Die Treppe funktioniert in beide Richtungen unterschiedlich. Beim Aufstieg zieht die Kapelle den Blick nach oben; beim Abstieg liegt Pollença vor den Füßen. Wer nur am Gipfel fotografiert, übersieht daher einen wesentlichen Teil der Inszenierung. Besonders aussagekräftig ist der Blick entlang der Mittelachse, in der Stufen, Bäume, Kreuze und Altstadt hintereinander gestaffelt erscheinen.
Die Zypressen
Hohe Zypressen begleiten die Carrer del Calvari. Sie rahmen die Treppe vertikal, verstärken den geraden Zug zur Kapelle und setzen sich mit ihren dunklen, schlanken Formen deutlich gegen den hellen Stein und den Himmel ab. Dadurch wirkt die Treppe aus der Ferne strenger, als sie beim langsamen Hinaufgehen erscheint. Im Nahblick lösen sich die symmetrischen Linien in einzelne Stufen und Absätze auf. Genau dieser Wechsel zwischen monumentaler Fernwirkung und alltäglichem Fußweg macht die Anlage ungewöhnlich.
Die 14 Kreuze
Die Kreuze sind keine beiläufige Dekoration. Sie übertragen die Stationen des Kreuzwegs auf den Hang und geben dem Anstieg seinen religiösen Zusammenhang. Mit ihrer von der Gemeinde angegebenen Höhe von drei Metern bleiben sie auch aus einiger Entfernung deutlich erkennbar. Ihre Verteilung unterbricht die lange Treppenflucht und erinnert daran, dass sich hinter dem geläufigen Fotomotiv ein Ort christlicher Passionsfrömmigkeit verbirgt.
Beim normalen Besuch lässt sich dieser Zusammenhang leicht übersehen, weil die Aussicht viel Aufmerksamkeit beansprucht. Ein langsamer Aufstieg verändert den Eindruck: Die Kreuze erscheinen nacheinander, während das Ortszentrum tiefer rückt. So erhält die Strecke eine Abfolge, die sich nicht allein aus der Zahl der Stufen ergibt.
Der obere neoklassizistische Abschnitt
Kurz vor dem Ziel wird die historische Bauentwicklung am deutlichsten. Dieser obere Abschnitt entstand bereits im 19. Jahrhundert und zeigt neoklassizistische Gestaltungselemente. Die Stufen sind hier niedriger als in anderen Teilen der Treppe. Zusammen mit den flankierenden Zypressen entsteht ein stärker gefasster, feierlicher Zugang zur Kapelle.
Wer beim Aufstieg auf den Rhythmus der Schritte achtet, bemerkt den Unterschied unmittelbar. Die Anlage wirkt nicht wie eine moderne, nach einheitlichem Raster berechnete Treppe, sondern wie ein über längere Zeit gewachsener Weg. Gerade darin liegt ihr architektonischer Wert: Verschiedene Bauphasen wurden zu einer überzeugenden Gesamtachse verbunden.
Die Kapelle als Endpunkt
Am oberen Ende steht die Església del Calvari. Sie ist das Ziel, auf das die gesamte Treppe ausgerichtet wurde, doch Carrer und Kapelle sollten nicht verwechselt werden: Die Sehenswürdigkeit der Carrer del Calvari umfasst vor allem den Aufstieg selbst. Die kleine Kirche setzt der langen Stufenfolge einen klaren Abschluss und erklärt, weshalb der Weg überhaupt geschaffen wurde.
Vor der Kapelle öffnet sich der Blick zurück über Pollença. Zu erkennen sind die Dächer und Straßen des Ortes, die umliegende Landschaft, Ausläufer der Tramuntana und in der weiteren Perspektive die Bucht von Pollença. Je nach Standpunkt schieben sich Zypressen oder Teile der Treppenanlage in den Vordergrund. Statt nur möglichst weit in die Landschaft zu sehen, lohnt deshalb auch der Blick zurück auf die geometrische Verbindung zwischen Kapelle und Altstadt.
Der Besuch
Am eindrucksvollsten ist die Carrer del Calvari, wenn der Aufstieg nicht als sportliche Pflichtübung behandelt wird. Vom Zentrum Pollenças führt der Weg über die Plaça dels Seglars zum Beginn der Stufen. Schon dort ist das Ziel über dem Ort erkennbar. Danach folgt der Weg ohne komplizierte Abzweigungen seiner sichtbaren Achse bergauf.
Aufstieg und Aussicht
Für den reinen Aufstieg ist keine ausgedehnte Wanderplanung nötig. Wie viel Zeit der Besuch beansprucht, hängt jedoch stark von Kondition, Pausen und Fotoaufenthalten ab. Die 365 Stufen lassen sich zügig bewältigen; interessanter wird der Weg, wenn zwischendurch die Kreuze, die unterschiedlichen Stufenhöhen und der rückwärtige Blick betrachtet werden. Für Hinaufgehen, Aussicht und Abstieg sollte daher ein zusammenhängender Besuchsblock statt eines hastigen Zwischenstopps vorgesehen werden.
Oben bildet der Bereich vor der Kapelle den natürlichen Wendepunkt. Von hier lässt sich die Lage Pollenças zwischen den nördlichen Ausläufern der Tramuntana und der Ebene gut erfassen. Anschließend geht es über dieselbe Treppe zurück. Beim Abstieg ist Aufmerksamkeit nötig, denn der weite Blick über den Ort lenkt leicht von den Stufen ab.
Tageszeit und Andrang
Früher Morgen und später Nachmittag gelten als die günstigsten Zeiten für den Aufstieg. Dann lässt sich die stärkste Hitze vermeiden. Das seitliche Licht arbeitet zudem die Stufen, Kreuze und Zypressen deutlicher heraus. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sind entsprechend beliebte Zeiten für Fotografien entlang der Treppenachse.
An Sonntagvormittagen kommt ein anderer Rhythmus hinzu: Der Wochenmarkt belebt das Zentrum Pollenças und macht die Verbindung mit einem Altstadtbesuch besonders reizvoll, bringt aber auch mehr Menschen in die Straßen. Wer die Treppe möglichst ruhig erleben möchte, wählt eher einen frühen Zeitpunkt oder einen anderen Wochentag. Während der Karfreitagszeremonie ist sie kein gewöhnlicher Aussichtsspaziergang, sondern Teil eines religiösen Ereignisses, dem mit entsprechender Rücksicht begegnet werden sollte.
Kapelle und aktuelle Bedingungen
Für die Carrer del Calvari sind in den vorliegenden Besuchsdaten weder feste Öffnungszeiten noch ein Eintrittspreis erfasst. Die eigentliche Qualität des Ortes liegt ohnehin nicht in einer umfangreichen Innenausstattung oder Ausstellung, sondern im Zusammenspiel aus Aufstieg, Kreuzweg, historischer Treppenarchitektur und Aussicht.
Anfahrt und Parken
Die angegebenen Fahrstrecken enden in Pollença, nicht unmittelbar an den Stufen. Vom Flughafen Palma führt die Route über Ma-30, Ma-13 und Ma-2200. Sie umfasst 57 Straßenkilometer, die Fahrt dauert rund 45 Minuten. Aus dem Zentrum von Palma sind es über Ma-13 und Ma-2200 insgesamt 54 Straßenkilometer; dafür sollten rund 50 Minuten Fahrzeit bis Pollença eingeplant werden.
Das letzte Stück in Pollença
Die Carrer del Calvari beginnt im historischen Ortsbereich, wo enge Straßen und Fußwege den Charakter bestimmen. Sinnvoll ist deshalb, den Wagen am Rand des Zentrums abzustellen und das letzte Stück zu Fuß zurückzulegen. Vom Bereich der Altstadt führt der Weg in Richtung Plaça dels Seglars; dort schließen die unteren Ausläufer der Carrer del Calvari und schließlich die Freitreppe an.
Als Orientierung für die Parkplatzsuche eignet sich die nördliche Ortsseite bei der Ma-10 und der Pont Romà. Dort wird ein größerer Parkplatz beschrieben, von dem der Weg in die Altstadt zu Fuß fortgesetzt werden kann. Eine weitere Möglichkeit ist der Bereich an der Carrer de Cecili Metel. Von dort verläuft die Fußroute über die Carrer de Sant Domingo und die Carrer d’Antoni Maura zur Carrer del Calvari.
Anreise mit dem Bus
Pollença besitzt mehrere Bushaltestellen, die sich für den Zugang zum Ortszentrum eignen. Dazu zählen die Haltestellen Pont Romà sowie Pollença. Von dort wird der Besuch als Fußweg durch den Ort fortgesetzt. Bei der Rückfahrt sollte genügend Reserve eingeplant werden, weil der Abstieg und der Weg durch die Altstadt vor der Abfahrt noch zu bewältigen sind.
Buslinien nach Carrer del Calvari im Überblick
| Linie | Strecke | Fahrten/Tag | Erste Fahrt | Letzte Fahrt |
|---|---|---|---|---|
| 322 | Pollença - Port d'Alcúdia | 308 | 00:06 | 23:40 |
| 301 | Port de Pollença - Palma | 152 | 06:15 | 22:41 |
| 321 | Cala de Sant Vicenç | 119 | 07:49 | 22:09 |
| 231 | Port de Sóller - Alcúdia | 32 | 10:36 | 20:22 |
Aus den offiziellen GTFS-Fahrplandaten (TIB/SFM), ohne Echtzeit. Die Zahlen fassen alle Halte im Ort zusammen; Fahrten an Wochenenden und Feiertagen weichen ab — vor der Fahrt beim Betreiber prüfen.
Anfahrt mit dem Bus
Pont Romà 2 (42046) · 0,4 km Luftlinie
- 231Port de Sóller - Alcúdia · Täglich
Pont Romà 1 (42045) · 0,4 km Luftlinie
- 231Port de Sóller - Alcúdia · Täglich
Pollença 1 (42001) · 0,6 km Luftlinie
- 301Port de Pollença - Palma · Täglich
Pollença 2 (42002) · 0,6 km Luftlinie
- 301Port de Pollença - Palma · Täglich
- 321Cala de Sant Vicenç · Täglich
- 322Pollença - Port d'Alcúdia · Täglich
Poliesportiu (42004) · 0,9 km Luftlinie
- 301Port de Pollença - Palma · Täglich
- 321Cala de Sant Vicenç · Täglich
- 322Pollença - Port d'Alcúdia · Täglich
CEIP Joan Mas (42005) · 0,9 km Luftlinie
- 301Port de Pollença - Palma · Täglich
- 321Cala de Sant Vicenç · Täglich
- 322Pollença - Port d'Alcúdia · Täglich
La Font 1 (42009) · 1,0 km Luftlinie
- 231Port de Sóller - Alcúdia · Täglich
- 301Port de Pollença - Palma · Täglich
- 321Cala de Sant Vicenç · Täglich
- 322Pollença - Port d'Alcúdia · Täglich
La Font 2 (42033) · 1,0 km Luftlinie
- 231Port de Sóller - Alcúdia · Täglich
- 301Port de Pollença - Palma · Täglich
- 321Cala de Sant Vicenç · Täglich
- 322Pollença - Port d'Alcúdia · Täglich
Fartàritx 2 (42048) · 1,6 km Luftlinie
- 231Port de Sóller - Alcúdia · Täglich
Fartàritx 1 (42047) · 1,6 km Luftlinie
- 231Port de Sóller - Alcúdia · Täglich
Polígon de Pollença 2 (42044) · 1,9 km Luftlinie
- 231Port de Sóller - Alcúdia · Täglich
- 301Port de Pollença - Palma · Täglich
- 321Cala de Sant Vicenç · Täglich
- 322Pollença - Port d'Alcúdia · Täglich
Polígon de Pollença 1 (42043) · 1,9 km Luftlinie
- 231Port de Sóller - Alcúdia · Täglich
- 301Port de Pollença - Palma · Täglich
- 321Cala de Sant Vicenç · Täglich
- 322Pollença - Port d'Alcúdia · Täglich
Fahrplandaten: offizielle GTFS-Daten (TIB/EMT), ohne Echtzeit — Zeiten vor Fahrtantritt beim Betreiber prüfen.
In der Umgebung
Nach dem Abstieg endet der Besuch nicht an der letzten Stufe. Die Carrer del Calvari setzt unmittelbar im historischen Pollença an und lässt sich deshalb besonders gut als Teil eines Rundgangs erleben. Plaça dels Seglars und Plaça Major bringen nach der stilleren, streng ausgerichteten Treppe wieder das alltägliche Ortsleben ins Bild: Cafés, Geschäfte und die Fassaden der Altstadt lösen die sakrale Wegachse ab.
Altstadt von Pollença
Die Pfarrkirche Mare de Déu dels Àngels an der Plaça Major ist eng mit der Bedeutung des Kalvarienwegs verbunden. Zu ihr führt am Karfreitag die Prozession von der Kapelle hinab. Auch ohne Festtag ergibt sich daraus eine nachvollziehbare Verbindung: oben der Calvari als Andachtsort, unten die zentrale Gemeindekirche im Herzen des Ortes.
Für einen längeren Rundgang bieten sich außerdem das ehemalige Dominikanerkloster Convent de Sant Domingo mit dem Museum von Pollença und die Gärten Joan March an. Sie sollten nicht als bloße Zusatzpunkte zwischen Ankunft und Abfahrt behandelt werden; vielmehr zeigen sie andere Seiten der örtlichen Kulturgeschichte. Die Carrer del Calvari bleibt dabei der stärkste topografische Akzent, weil sie Altstadt und Anhöhe sichtbar miteinander verbindet.
Pont Romà und der nördliche Ortsrand
Wer im Bereich der Pont Romà parkt oder mit dem Bus dort ankommt, kann die Steinbrücke in den Spaziergang einbeziehen. Sie liegt auf der anderen Seite des historischen Zentrums und eignet sich deshalb als Anfang oder Ende einer Ortsrunde. Von dort führt der Weg durch Pollença zur Plaça Major und weiter an den Fuß der Calvari-Treppe.
Wochenmarkt und Ausflüge in den Norden
Am Sonntag füllt der Wochenmarkt die Straßen und Plätze rund um das Zentrum. Lebensmittel, Pflanzen und Kunsthandwerk verbinden den Treppenbesuch dann mit einem lebhaften Gegenbild zur stillen Kapellenhöhe. Wer vor allem Ruhe und freie Fotoperspektiven sucht, muss allerdings mit mehr Betrieb rechnen.
Pollença lässt sich zudem als Ausgangspunkt für weitere Ziele im Norden nutzen. Port de Pollença, die Bucht und die Halbinsel Formentor liegen thematisch nahe, weil sie von oben in die landschaftliche Einordnung des Ortes hineinspielen. Für die Carrer del Calvari selbst genügt jedoch ein Aufenthalt im Stadtgebiet: Ihr Charakter erschließt sich am besten aus dem Übergang zwischen Altstadt, Treppe und Kalvarienberg.
Der Ort dazu
Pollença im OrtsporträtWissenswertes für den Besuch
Die größte Herausforderung ist nicht die Orientierung, sondern die Folge von 365 Stufen. Der Weg ist kurz und eindeutig, verlangt aber einen echten Auf- und Abstieg. Wer nur einen flachen Stadtspaziergang erwartet, wird von der Steigung überrascht. Umgekehrt handelt es sich nicht um eine Bergwanderung mit langem Zustieg oder abgelegenen Pfaden.
Schuhe und Trittsicherheit
Feste, gut sitzende Schuhe mit griffiger Sohle sind sinnvoll. Die Steinstufen sind nicht überall gleich hoch und können uneben wirken; im oberen historischen Abschnitt verändert sich ihr Rhythmus zusätzlich. Beim Abstieg sollte der Blick regelmäßig von der Aussicht zurück auf die Trittfläche gehen. Sandalen ohne Halt sind für diesen Weg weniger geeignet als Schuhe, in denen sich viele Stufen kontrolliert bewältigen lassen.
Sonne, Wärme und Wasser
Für warme Tage empfehlen sich früher Morgen oder später Nachmittag. Diese Zeiten vermeiden nicht nur die stärkere Mittagshitze, sondern bieten häufig auch das interessantere Licht für die lange Treppenachse. Wasser sollte bereits im Ort mitgenommen werden, statt den Aufstieg als beiläufigen Abstecher ohne Vorbereitung zu beginnen. Die Zypressen prägen zwar das Bild des oberen Abschnitts, gewährleisten aber keinen durchgehend schattigen Weg.
Mit Kindern
Mit gehfreudigen Kindern kann die Carrer del Calvari gut in einen Besuch Pollenças eingebaut werden. Die überschaubare Strecke und das sichtbare Ziel machen den Aufstieg anschaulich. Dennoch bleiben es 365 Steinstufen: Kleine Kinder benötigen besonders beim Abstieg Begleitung, und Kinderwagen passen nicht zum Charakter dieser Route. Eine familienfreundliche Kombination ergibt sich mit einem Stadtspaziergang und einer Pause im Zentrum, statt unmittelbar weitere steile Wege anzuschließen.
Was hier nicht zu erwarten ist
Die Carrer del Calvari ist weder Museum noch inszenierte Erlebnisattraktion. Ihre Wirkung entsteht aus der historischen Freitreppe, den 14 Kreuzen, den Zypressen, der Kapelle als Ziel und dem Blick über Pollença. Wer diese Details bewusst betrachtet, erlebt wesentlich mehr als bei einem schnellen Hinaufgehen für ein einziges Panoramafoto.
Insider-Tipps von Einheimischen
Beim Abstieg zurückblicken
Der stärkste Blick entsteht nicht nur oben: Beim Abstieg liegen die lange Treppenachse und Pollenças Dächer gemeinsam vor Augen. Auf einem Absatz stehen bleiben, statt während des Gehens zu fotografieren.
Randstunden wählen
Früher Morgen und später Nachmittag verbinden angenehmeres Licht mit weniger Hitze. Dann zeichnen sich Stufen, Kreuze und Zypressen klarer ab als in der hoch stehenden Mittagssonne.
Den Stufenwechsel beachten
Im oberen, älteren Abschnitt sind die Stufen niedriger. Dieser leicht zu übersehende Wechsel macht die abschnittsweise Baugeschichte der Carrer del Calvari unmittelbar beim Gehen spürbar.
Karfreitag mit Respekt
Beim Davallament wird die Treppe zur stillen, von Fackeln beleuchteten Prozessionsstrecke. Wer dann kommt, besucht keine gewöhnliche Fotokulisse, sondern eines der bedeutenden religiösen Rituale Pollenças.
Als Ortsrunde planen
Eine stimmige Runde führt von der Pont Romà durch die Altstadt und über die Plaça Major zur Carrer del Calvari. So wird sichtbar, wie die Treppe den Ortskern mit dem Kalvarienberg verbindet.