Cova del Beat Ramon Llull – die Höhle am Puig de Randa
Die Cova del Beat Ramon Llull liegt nicht zufällig irgendwo in Mallorcas Inselmitte. Sie öffnet sich am Südhang des Puig de Randa, jenes Berges, mit dem die Überlieferung einen entscheidenden Moment im Leben des Philosophen, Dichters und Theologen Ramon Llull verbindet. Die Höhle selbst ist überraschend klein. Gerade dieser Gegensatz macht den Ort eindrücklich: Auf der einen Seite steht ein Denker von weitreichender europäischer Wirkung, auf der anderen eine niedrige, durch Felssturz verkleinerte Nische.
Wer eine begehbare Tropfsteinhöhle oder ein ausgebautes Besucherzentrum erwartet, kommt mit der falschen Vorstellung. Der Reiz liegt im historischen Schauplatz, in den Erinnerungszeichen vor dem Fels und in der Lage oberhalb der Ebene. Die Cova del Beat Ramon Llull ist weniger Naturattraktion als Gedächtnisort – ein Platz, an dem sich belegte Geschichte, religiöse Verehrung und später entstandene Legenden überlagern.
Besonders sinnvoll ist der Abstecher für Besucher des nahe gelegenen Santuari de Cura. Ein hergerichteter Weg verbindet das Heiligtum mit dem Höhlenareal. Dort richtet sich der Blick zunächst nicht auf einen großen Innenraum, sondern auf eine schmale Öffnung, eine ummauerte Esplanade, die Gedenktafel und die kniende Figur Llulls. Das Ziel erschließt sich langsam und verlangt Aufmerksamkeit für wenige, aber bedeutungsvolle Details.
Auch ohne vertiefte Kenntnisse über mittelalterliche Philosophie lässt sich verstehen, warum dieser Platz für Mallorca wichtig ist. Ramon Llull gehört zu den prägenden Gestalten der Inselgeschichte. Die Höhle gibt seinem abstrakten geistigen Werk einen konkreten Ort – rauer Fels statt Handschrift, Stille statt gelehrter Debatte.
Geschichte und Bedeutung
Die Erinnerung an Ramon Llull beginnt am Puig de Randa mit einer Erfahrung, die sich nicht in Mauerwerk fassen lässt. Nach seiner autobiografischen Überlieferung, der 1311 niedergeschriebenen Vida coetània, empfing Llull um 1274 auf dem Berg seine göttliche Erleuchtung. Sie wurde zum Ausgangspunkt seines philosophischen Systems sowie seiner intensiven Lehr- und Missionstätigkeit. Die Tradition verbindet diese Zeit des Rückzugs mit der Höhle am Südhang, doch der historische Kern ist der Aufenthalt Llulls auf dem Berg; die genaue Ausgestaltung des Geschehens gehört zur späteren Erinnerungskultur.
Ramon Llull und der Puig de Randa
Llull lebte von 1232 bis 1316 und wuchs im Umfeld des mallorquinischen Hofes auf. Nach seiner religiösen Umkehr widmete er sein Leben dem Versuch, Glauben und Vernunft in einer umfassenden Methode zusammenzuführen. Seine Schriften, seine kombinatorischen Denkmodelle und sein missionarischer Anspruch machten ihn weit über Mallorca hinaus bekannt. Der Berg Randa erscheint in dieser Biografie nicht als dekorative Kulisse, sondern als Ort geistiger Sammlung und Neuorientierung.
Von der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts an festigte sich die Rolle des Berges als religiöser Raum. Anhänger Llulls kamen hierher, Einsiedler ließen sich nieder, und aus der Verbindung von Kontemplation und Lehre entwickelte sich eine langlebige lullianische Tradition. Für 1394 ist bezeugt, dass Einsiedler dauerhaft in der Umgebung lebten. Das spätere Santuari de Cura und die Cova wurden dadurch zu Teilen einer gemeinsamen Erinnerungslandschaft, ohne dass Höhle und Heiligtum als dasselbe Bauwerk missverstanden werden dürfen.
Verehrung und Konflikt
Die geringe Größe der Höhle hat ihre Bedeutung nicht geschmälert. Im Gegenteil: Als vermeintlicher Rückzugsort des mallorquinischen Gelehrten wurde sie zu einem Symbol volkstümlicher Llull-Verehrung. Ein Felsabbruch an der Decke verkleinerte die Öffnung und den Innenraum erheblich. Um dieses Ereignis bildeten sich Erzählungen, nach denen Gegner des Lullismus die Höhle absichtlich beschädigt hätten, um einen Ort der Verehrung zu zerstören.
Diese Geschichte ist als Legende zu verstehen, nicht als gesicherter Bericht über einen Anschlag. Sie zeigt jedoch, wie aufgeladen der Platz zeitweise war. Die beschädigte Höhle wurde nicht bloß als geologische Nische wahrgenommen, sondern als materielles Zeichen eines religiösen und geistigen Erbes, um dessen Deutung gestritten wurde. Der Felssturz gehört deshalb sowohl zur sichtbaren Gestalt des Ortes als auch zu seiner Überlieferung.
Schutz und Wiederherstellung
1933 erhielt der Eingang eine steinerne Gedenktafel. 1951 wurden die Höhle und das benachbarte Santuari de Cura gemeinsam als landschaftlich und kulturell bedeutender Ort geschützt. Später arbeiteten der Consell de Mallorca, die Gemeinde Algaida und die Eigentümer daran, das Umfeld und den Zugangsweg wieder instand zu setzen.
Bei diesen Arbeiten wurden der Weg vom Santuari de Cura gereinigt, Vegetation im unmittelbaren Umfeld zurückgenommen sowie beschädigte Trockenmauern und Geländestufen ausgebessert. Zugleich entstand ein kontrollierbarer Zugang. Die Maßnahmen zeigen, dass die Cova heute nicht als zufälliges Loch im Fels behandelt wird, sondern als empfindlicher Erinnerungsort, dessen Umgebung ebenso zum Denkmal gehört wie die eigentliche Öffnung.
Was es zu sehen gibt
Der erste Blick korrigiert fast jede Vorstellung von einer „Höhle“. Vor dem Fels liegt ein gefasster Platz, dahinter öffnet sich nur ein niedriger, enger Hohlraum. Gerade weil es keine monumentale Architektur gibt, treten Material und Maßstab umso deutlicher hervor: Trockenmauer, Naturfels, wenige Stufen und zwei Erinnerungszeichen bilden ein bewusst schlichtes Ensemble.
Die Höhlenöffnung
Die Öffnung ist schmal und durch den Abbruch von Gestein verändert. Nach der Beschreibung des Erzherzogs Ludwig Salvator besaß sie einst eine Breite von 2,5 Metern; die Höhle reichte ungefähr 2 Meter in den Fels. Der spätere Einsturz eines Teils der Decke verringerte diese Dimensionen deutlich. Heute ist der Hohlraum weder tief noch hoch. Im Inneren findet lediglich eine Person in gebückter Haltung Platz.
Diese Enge ist das wichtigste Anschauungsstück des Besuchs. Sie erklärt, warum Berichte von einem länger bewohnten, komfortablen Rückzugsraum mit Vorsicht zu lesen sind. Zu sehen ist keine Kammer mit mehreren Bereichen und keine ausgestattete Einsiedelei, sondern eine sehr kleine Felshöhlung. Der Ort wirkt deshalb eher wie ein symbolischer Brennpunkt der Llull-Tradition als wie eine rekonstruierbare Wohnstätte.
Auch der Felsabbruch lässt sich nicht von der Wahrnehmung trennen. Die unregelmäßige Öffnung erinnert daran, dass das heutige Erscheinungsbild nicht dem Zustand entspricht, den ältere Beschreibungen festhielten. Wer nur einen schnellen Blick auf den Eingang wirft, übersieht leicht, dass gerade die Verkleinerung der Höhle eine der bekanntesten Geschichten dieses Ortes hervorgebracht hat.
Die Esplanade
Vor der Cova erstreckt sich eine 350 Quadratmeter große Esplanade. Eine Metallbegrenzung und eine Trockensteinmauer schützen das Areal. Drei ebenfalls in Trockensteintechnik angelegte Stufen erleichtern den Zugang zur Felshöhlung. Der Platz schafft Abstand zum Eingang und macht aus der natürlichen Nische einen klar gefassten Gedenkort.
Die Trockenmauern verdienen einen zweiten Blick. Sie sind nicht bloß eine Begrenzung, sondern greifen eine auf Mallorca weit verbreitete Bauweise auf, bei der Steine ohne sichtbaren Mörtel sorgfältig gesetzt werden. Während der Restaurierung wurden beschädigte Mauern und Geländekanten wiederhergestellt. Dadurch bleibt der Übergang zwischen Kulturlandschaft und felsigem Berghang lesbar.
Von der Esplanade richtet sich der Blick zugleich nach außen. Die offizielle Dokumentation des Ortes hebt die Aussicht von der Höhle und den Sichtbezug zum Santuari de Cura hervor. Das ist für die Einordnung wichtig: Die Cova liegt nicht isoliert in einem tiefen Höhlensystem, sondern an einem Berghang mit Beziehung zum Heiligtum und zur offenen Landschaft der Inselmitte.
Die Gedenktafel von 1933
Unmittelbar am Eingang befindet sich die 1933 angebrachte Steintafel. Sie markiert die Höhlung ausdrücklich als Ort der Llull-Erinnerung. Ohne dieses Zeichen könnte die niedrige Öffnung leicht als unscheinbare Felsnische übersehen werden. Die Tafel übersetzt gewissermaßen die Überlieferung in einen sichtbaren Hinweis: Hier soll nicht nur Geologie betrachtet, sondern an Ramon Llull erinnert werden.
Ihre Platzierung am Eingang lenkt den Blick auf die Schwelle zwischen dem offenen Vorplatz und dem kaum zugänglichen Innenraum. Der Besucher steht draußen, während der verehrte Rückzugsort im Schatten des Felsens bleibt. So entsteht trotz der bescheidenen Dimensionen eine klare räumliche Dramaturgie.
Die kniende Figur Ramon Llulls
Ein zweites Erinnerungszeichen ist die Statue des kniend betenden Ramon Llull. Sie stellt nicht den Hofmann, Schriftsteller oder reisenden Missionar dar, sondern den suchenden und betenden Menschen. Damit greift die Figur genau jene Episode auf, durch die Randa in Llulls Lebensgeschichte berühmt wurde: Rückzug, Kontemplation und Erleuchtung.
Zusammen mit der Gedenktafel verwandelt die Statue die Esplanade in einen kleinen Gedächtnisraum unter freiem Himmel. Die Höhle bleibt der historische und legendarische Mittelpunkt, doch die Figur liefert einen unmittelbaren Zugang zur Erzählung. Besonders aufschlussreich ist der Größenvergleich zwischen Mensch, Statue und Öffnung: Erst dabei wird sichtbar, wie niedrig die Cova tatsächlich ist.
Der Besuch
Der Besuch beginnt sinnvollerweise am Santuari de Cura. Von dort führt der instand gesetzte Zugang in Richtung Höhle. Schon dieser Weg gehört zur Erfahrung, denn die Cova wurde über lange Zeit nicht als eigenständiges Schauobjekt, sondern als Teil der lullianischen Landschaft des Puig de Randa verstanden. Am Ziel folgt kein Rundgang durch Säle, sondern eine kurze Folge klarer Stationen: Esplanade, Statue, Tafel, Höhlenöffnung und Aussicht.
Vom Heiligtum zur Höhle
Im Zuge der Restaurierung wurde der Weg zwischen Cura und der Cova gereinigt und hergerichtet. Außerdem informierte eine mehrsprachige Tafel am Santuari über die Höhle und das damals praktizierte kontrollierte Zugangsverfahren. Da sich solche Regelungen ändern können, sollten die aktuell geltenden Besuchsbedingungen vor dem Aufbruch geprüft werden. Verlässliche allgemeine Öffnungszeiten und ein aktueller Eintrittspreis sind nicht erfasst.
Die Cova ist kein Ziel, bei dem sich ein spontanes Überklettern einer Absperrung rechtfertigen ließe. Der Zugang wurde bewusst kontrollierbar gestaltet, während Mauern, Weg und Vegetation restauriert wurden. Eine geschlossene Begrenzung ist daher als Schutz des Kulturdenkmals zu respektieren, nicht als Einladung, einen anderen Pfad durch den Hang zu suchen.
Der Ablauf vor Ort
Auf der Esplanade lohnt es sich, zunächst Abstand zur Öffnung zu halten. Von dort lassen sich Trockenmauer, Stufen, Statue und Eingang als zusammengehöriges Ensemble erfassen. Anschließend führt der Weg zur Tafel und an die niedrige Höhlung heran. Erst aus der Nähe wird deutlich, wie stark der Felsabbruch den Eingang verkleinert hat.
Für die Cova allein ist kein langer Besichtigungsrundgang einzuplanen. Die eigentliche Höhlung besitzt weder Tiefe noch mehrere zugängliche Räume. Mehr Zeit gewinnt der Besuch, wenn die Erinnerungszeichen gelesen, die Bauweise der Einfassung betrachtet und die Sichtbeziehungen zum Berg und zum Santuari einbezogen werden. In Verbindung mit Cura wird aus dem kurzen Höhlenstopp ein inhaltlich geschlossener Ausflug.
Tageszeit und Besucheraufkommen
Für die Cova sind keine belastbaren Angaben zu typischen Stoßzeiten dokumentiert. Wichtiger als eine pauschale Empfehlung für den Morgen oder Nachmittag ist daher die Abstimmung mit den aktuellen Zugangsbedingungen. Wer gezielt wegen der Höhle nach Randa fährt, sollte vorab klären, ob der Weg und das eingefriedete Areal zugänglich sind.
Der Platz selbst ist überschaubar, und die Höhlenöffnung kann wegen ihrer Enge nicht von mehreren Personen gleichzeitig betrachtet werden. Bei einer Gruppe empfiehlt es sich, nacheinander an den Eingang heranzutreten und den Bereich vor den drei Stufen freizuhalten. So bleibt genügend Raum, um die kleine Cova ohne Gedränge wahrzunehmen und die empfindliche Einfassung zu schonen.
Anfahrt und Parken
Die Straßenangaben führen zunächst nach Algaida, nicht unmittelbar bis zur Höhlenöffnung. Vom Flughafen Palma de Mallorca beträgt die Strecke bis Algaida 28 Straßenkilometer; die Fahrt dauert rund 31 Minuten und verläuft über die Ma-5010. Vom Zentrum Palmas sind es 31 Straßenkilometer, für die rund 38 Minuten einzuplanen sind. Diese Route führt über die Ma-15.
Von Algaida nach Randa und Cura
Ab Algaida geht es weiter in Richtung Randa und hinauf zum Santuari de Cura auf dem Puig de Randa. Die Cova liegt am Südhang des Berges innerhalb der Ländereien von Albenya. Sie ist keine Höhle mit eigener großer Zufahrt direkt am Eingang. Für die Orientierung ist deshalb das Santuari de Cura der sinnvollere Bezugspunkt; von dort setzt sich der Besuch zu Fuß auf dem hergerichteten Zugangsweg fort.
Die Bergstraße und der anschließende Weg sollten als zwei getrennte Etappen verstanden werden. Die angegebenen Fahrzeiten ab Palma und Flughafen enden bereits in Algaida und enthalten das letzte Stück über Randa zum Berg sowie den Fußweg zur Cova nicht. Wer einen festen Termin einhalten muss, braucht daher zusätzliche Zeit für die Weiterfahrt und die Klärung des Zugangs.
Parken am Ausgangspunkt
Da die Höhle selbst nur über den Weg vom Umfeld des Santuari de Cura erreicht wird, endet die motorisierte Anfahrt vor dem Fußweg. Die jeweils geltende Verkehrs- und Parksituation am Heiligtum sollte vor Ort beachtet werden. Am Höhlenareal gibt es keinen Anlass, nach einer direkten Zufahrt zu suchen oder über unbefestigtes Gelände weiterzufahren.
Historisch gehörte die Kontrolle des Zugangs zum Schutzkonzept der restaurierten Anlage. Das spricht zusätzlich dafür, sich am offiziellen Ausgangspunkt zu orientieren und nicht auf vermeintliche Abkürzungen auszuweichen. Die Trockenmauern und Geländekanten rund um den Weg sind Teil der Kulturlandschaft und keine überfahrbaren Grundstücksgrenzen.
Mit dem Bus
Als Bushaltestelle für den Bereich ist Randa erfasst. Von dort ist die Cova jedoch nicht unmittelbar erreicht; zwischen dem Ort, dem höher gelegenen Santuari de Cura und der Höhle bleibt ein weiterer Abschnitt. Für eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln müssen deshalb die aktuelle Verbindung nach Randa und der anschließende Aufstieg gemeinsam geplant werden.
Buslinien nach Cova del Beat Ramon Llull im Überblick
| Linie | Strecke | Fahrten/Tag | Erste Fahrt | Letzte Fahrt |
|---|---|---|---|---|
| 431d | Algaida - Llucmajor | 8 | 08:55 | 17:35 |
Aus den offiziellen GTFS-Fahrplandaten (TIB/SFM), ohne Echtzeit. Die Zahlen fassen alle Halte im Ort zusammen; Fahrten an Wochenenden und Feiertagen weichen ab — vor der Fahrt beim Betreiber prüfen.
Anfahrt mit dem Bus
Randa (4019) · 0,8 km Luftlinie
- 431dAlgaida - Llucmajor · Mo-Fr
Fahrplandaten: offizielle GTFS-Daten (TIB/EMT), ohne Echtzeit — Zeiten vor Fahrtantritt beim Betreiber prüfen.
In der Umgebung
Der Berg erklärt die Höhle. Wer nur bis zur Cova geht und sofort umkehrt, sieht zwar den Erinnerungsort, aber kaum den Zusammenhang, in dem er über Jahrhunderte Bedeutung gewann. Randa wurde nach Llulls Zeit zu einem Schwerpunkt von Einsiedeleben, Verehrung und religiöser Lehre. Mehrere geistliche Orte am Berg machen diese Entwicklung bis heute sichtbar.
Santuari de Cura
Am engsten ist die Cova mit dem Santuari de Cura verbunden. Das Heiligtum liegt auf dem höchsten Punkt des Puig de Randa und bewahrt eine ausgeprägte Llull-Tradition. Museum, Kapelle und historische Schulgeschichte vertiefen Themen, die an der Höhle nur angedeutet werden können. Besonders aufschlussreich ist die Reihenfolge Höhle und Cura: Der karge Rückzugsort steht dem später institutionell gefestigten Ort des Lernens und der Verehrung gegenüber.
Auch die Gestaltung des Heiligtums erinnert an Llull. Am Portal finden sich das Wappen des Franziskanerordens, das Zeichen der Familie Llull und eine Inschrift aus seinem Werk Blanquerna. Solche Details machen verständlich, wie umfassend seine Erinnerung auf dem Berg gepflegt wurde. Für den Höhlenbesuch genügt es, Cura als Ausgangspunkt und historischen Resonanzraum einzuplanen, statt beide Ziele miteinander zu verwechseln.
Randa und die weiteren Heiligtümer
Der Ort Randa liegt unterhalb der Bergheiligtümer und gibt der Erhebung ihren Namen. Neben Cura befinden sich am Puig de Randa auch Sant Honorat und Nostra Senyora de Gràcia. Sie lassen sich als weitere Stationen der religiösen Landschaft einordnen, ohne dass für einen Besuch der Cova alle Ziele zwingend kombiniert werden müssen.
Wer den Berg ausführlicher erkunden möchte, erhält durch diese Orte ein breiteres Bild der mallorquinischen Einsiedler- und Klostertradition. Die Cova bleibt dabei die kleinste und elementarste Station: kein Klosterhof, keine Kirche, kein Museum, sondern Fels, Vorplatz und Erinnerung.
Algaida und die Inselmitte
Algaida ist der zentrale Ausgangsort für die Anfahrt aus Palma und vom Flughafen. Der Besuch lässt sich gut in einen Ausflug durch Mallorcas Inselmitte einordnen, sollte aber zeitlich nicht allein nach der kompakten Größe der Höhle bemessen werden. Die Weiterfahrt über Randa, der Weg am Berg und ein Aufenthalt im Santuari de Cura machen den eigentlichen Charakter des Ziels aus.
Anders als viele Küstenattraktionen erzählt die Cova von Mallorcas geistiger Geschichte. Sie zeigt, dass die Inselmitte nicht nur Durchgangsraum ist, sondern Schauplatz einer Überlieferung, die Philosophie, Religion, Landschaft und lokale Identität miteinander verbindet.
Der Ort dazu
Algaida im OrtsporträtWissenswertes für den Besuch
Drei Trockensteinstufen, eine niedrige Öffnung und ein geschützter Vorplatz bestimmen die unmittelbare Besuchssituation. Festes Schuhwerk ist für den Weg am Berghang zweckmäßiger als glatte Sohlen. Nach ungünstigem Wetter ist besondere Vorsicht angebracht, denn Naturfels und unebene Steinflächen gehören zum Charakter des Ortes.
Die Höhle ist kein begehbares Höhlensystem
Die wichtigste Vorbereitung betrifft die Erwartung. In der Cova warten keine Tropfsteine, beleuchteten Galerien oder unterirdischen Säle. Der Innenraum ist nur ungefähr so tief, wie ein großer Mensch lang ist, und so niedrig, dass lediglich eine Person gebückt hineinpasst. Der eigentliche Besuch findet deshalb überwiegend vor der Öffnung statt.
Es ist weder nötig noch sinnvoll, sich weit in die Höhlung zu zwängen. Die Dimensionen, der sichtbare Felsabbruch und die Lage der Gedenktafel vermitteln den Charakter bereits vom Eingang aus. Gleichzeitig bleibt so das empfindliche Denkmal geschont.
Mit Kindern
Für Kinder kann der Kontrast zwischen der berühmten historischen Gestalt und ihrem winzigen überlieferten Rückzugsort anschaulich sein. Vorher sollte jedoch erklärt werden, dass es sich nicht um eine Abenteuerhöhle handelt. Die enge Öffnung, die Steinstufen und die Einfriedung verlangen ruhiges Verhalten; Klettern am Fels oder an den Trockenmauern passt weder zum Gelände noch zum Schutzgedanken.
Hilfreich ist eine kleine Beobachtungsaufgabe: zuerst die kniende Statue betrachten, dann die Höhe der Figur mit der Höhlenöffnung vergleichen und schließlich die Tafel suchen. So wird aus dem kurzen Aufenthalt eine verständliche Geschichte über Rückzug, Erinnerung und die Veränderung eines Ortes durch einen Felsabbruch.
Schutz des Ortes
Die restaurierten Mauern, Stufen und Wegabschnitte sind Teil des Denkmals. Steine sollten daher nicht versetzt und die Begrenzungen nicht überstiegen werden. Dass die Anlage zeitweise nur kontrolliert zugänglich war, erklärt sich aus ihrer empfindlichen Lage und der notwendigen Pflege des Umfelds.
Vor dem Besuch empfiehlt sich eine aktuelle Prüfung der Zugangsregelung am Santuari de Cura. Konkrete allgemeine Öffnungszeiten und Eintrittspreise sind nicht erfasst. Diese Vorbereitung ist besonders wichtig, wenn die Cova das Hauptziel des Ausflugs ist und nicht nur als möglicher Abstecher während eines Aufenthalts auf dem Puig de Randa vorgesehen wird.
Insider-Tipps von Einheimischen
Erst aus Abstand betrachten
Auf der Esplanade zunächst einige Schritte vor der Höhle stehen bleiben. Von dort sind Trockenmauer, drei Stufen, Statue, Gedenktafel und die winzige Felsöffnung als zusammengehöriger Erinnerungsort erkennbar.
Auf den Maßstab achten
Die kniende Llull-Figur mit der niedrigen Höhlenöffnung vergleichen. Erst dieser Größenvergleich zeigt deutlich, warum im heutigen Hohlraum nur eine gebückte Person Platz findet.
Felssturz richtig einordnen
Die unregelmäßige Öffnung ist nicht ihr ursprünglicher Zustand. Ein Abbruch der Decke verkleinerte die Cova erheblich und gab Anlass zur Legende, Gegner der Llull-Verehrung hätten sie absichtlich beschädigt.
Mit Cura verbinden
Die Cova erschließt sich am besten zusammen mit dem Santuari de Cura. Die kleine Felshöhlung steht für Llulls Rückzug; das Heiligtum zeigt, wie daraus später ein Ort der Lehre, Verehrung und Erinnerung wurde.
Zugang vorher klären
Der Zugang wurde im Zuge der Restaurierung kontrollierbar eingerichtet. Da sich das Verfahren ändern kann, sollte vor der Fahrt am Santuari de Cura geprüft werden, ob und auf welche Weise das Höhlenareal aktuell zugänglich ist.