Museu Històric Militar – Militärgeschichte im Castell de Sant Carles

Das Museu Històric Militar führt nicht in einen neutralen Ausstellungssaal, sondern mitten in eine Festung, deren Mauern selbst das wichtigste Exponat sind. Das Museum belegt das Castell de Sant Carles an Palmas westlicher Hafenfront, nahe dem Dic de l’Oest. Von den Bastionen fällt der Blick auf die Bucht, den Hafen und jene maritime Zufahrt, die das Bauwerk einst sichern sollte.
Sehenswert ist Sant Carles deshalb auch für Besucher, die sich nur am Rande für Waffen interessieren. Die Sammlung erzählt Militärgeschichte anhand von Uniformen, Karten, Modellen, Dokumenten, Blankwaffen und Feuerwaffen; draußen stehen Geschütze dort, wo Küstenverteidigung keine abstrakte Idee war. Der Gegensatz zwischen alten Befestigungen und dem heutigen Hafen macht die ursprüngliche Aufgabe der Anlage ungewöhnlich anschaulich.
Für historisch Interessierte steckt viel Stoff in den thematischen Räumen. Familien finden mit großen Geschützen und Modellen leicht zugängliche Blickfänge, während Architekturfreunde die Entwicklung vom frühen Wehrturm zur bastionierten Festung nachvollziehen können. Zugleich gehört Sant Carles zu den Orten in Palma, an denen sich Museum, Bauwerk und Aussicht nicht voneinander trennen lassen.
Geschichte und Bedeutung
Am Anfang stand eine Forderung der Kaufleute: Sie baten über den Gran i General Consell um besseren Schutz für Porto Pi, damals Palmas natürlicher Hafen und ein entscheidender Anlaufpunkt für Handelsschiffe. König Philipp III. ordnete daraufhin den Bau eines Wehrturms an. Die Befestigung sollte den Seeabschnitt zwischen Palma und Palma Nova überwachen und vor Piraten sowie nordafrikanischen Korsaren schützen, die im Mittelmeer operierten.
Der erste Turm
Der ursprüngliche Bau entstand zwischen 1610 und 1612 am Standort des alten Leuchtturms von Porto Pi. Seine Grundform war viereckig, an jeder Ecke saß ein Bastionselement. Verwendet wurde Sandstein; an zahlreichen Werkstücken lassen sich noch die Zeichen der damaligen Steinmetze erkennen. Der Zugang lag erhöht und wurde über eine gemauerte Treppe sowie eine Zugbrücke erreicht. Schon diese Anordnung zeigt, dass der Turm nicht als repräsentatives Gebäude, sondern als kontrollierbarer militärischer Stützpunkt gedacht war.
Auch die Finanzierung verrät, wie wichtig der Schutz des Hafens verschiedenen Interessengruppen war. Die Baukosten betrugen 12.000 Pfund. Je 5.000 Pfund übernahmen die Universität des Königreichs Mallorca und die Krone, die übrigen 2.000 Pfund der Colegio de la Mercadería. Der Name Sant Carles beziehungsweise San Carlos wird von einigen Historikern mit dem damaligen Vizekönig von Mallorca, Carlos Coloma, in Verbindung gebracht.
Die Erweiterung von 1662
Schon wenige Jahrzehnte später reichte der erste Turm für die benötigte Besatzung und Bewaffnung nicht mehr aus. Während der Herrschaft Philipps IV. begann 1662 eine zweite große Bauphase unter Leitung des Militäringenieurs Vicente Mut. Um den älteren Kern entstand eine erheblich größere Befestigung mit trapezförmigem Grundriss und vier mächtigen Bastionen.
Diese Erweiterung prägt die unverwechselbare Silhouette des Castell de Sant Carles bis heute. Beim Rundgang lässt sich die Festung deshalb wie ein dreidimensionaler Plan lesen: Der ältere Kern blieb erhalten, wurde aber Teil eines umfassenderen Systems zur Kontrolle der Hafenzufahrt.
Küstenbatterie und neue Aufgaben
Im 19. Jahrhundert folgte die dritte und letzte große Umgestaltung. Außerhalb der älteren Festung wurde eine Küstenbatterie mit vier Ordóñez-Geschützen angelegt. Damit verlagerte sich der Schwerpunkt von der kompakten frühneuzeitlichen Befestigung zu schwerer Artillerie, die weiter in den See- und Hafenraum wirken konnte.
Im 20. Jahrhundert erfüllte Sant Carles unterschiedliche Aufgaben: Die Anlage diente unter anderem als Gefängnis für Offiziere und als Salutbatterie für Kriegsschiffe und wird als Militärmuseum genutzt. Seit 1997 verwaltet das Consorcio Castillo de San Carlos Museum und Festung gemeinsam; daran beteiligt sind das spanische Verteidigungsministerium, die Regierung der Balearen, der Inselrat von Mallorca und die Stadt Palma. Aus einer aktiven Küstenstellung wurde damit ein Ort, der die militärische Geschichte der Balearen bewahrt und zugleich ihre eigene Architektur erklärt.
Was es zu sehen gibt
Der stärkste Eindruck entsteht nicht vor einer einzelnen Vitrine, sondern im Wechsel zwischen Ausstellungsräumen, Hof, Mauern und Freigelände. Waffen und Modelle stehen nicht losgelöst in einem modernen Museumsbau, sondern befinden sich innerhalb jener Verteidigungsanlage, für deren Besatzung, Versorgung und Artillerie Sant Carles über Jahrhunderte verändert wurde.
Festung, Bastionen und Hof
Vom Hof führen die Wege in die verschiedenen Museumsräume. Die massiven Mauern, der ältere Turmkern und die vier großen Bastionen machen die Baugeschichte direkt ablesbar. Wer den Grundriss aufmerksam verfolgt, erkennt, dass hier zwei verschiedene Vorstellungen von Verteidigung ineinandergreifen: zunächst der kompakte Turm des frühen 17. Jahrhunderts, später die weit ausgreifende, trapezförmige Festung Vicente Muts.
An vielen Sandsteinquadern sind Steinmetzzeichen erhalten. Solche unscheinbaren Spuren lohnen einen genaueren Blick, weil sie hinter der militärischen Geometrie die Handarbeit des Baus sichtbar machen. Auch der einst erhöhte, über Treppe und Zugbrücke erreichbare Eingang des ersten Turms gehört zu den Details, an denen sich die Sicherung des ursprünglichen Bauwerks nachvollziehen lässt.
Sammlung Llorente
Ein Kernbestand des Museums ist die Colección Llorente. Sie umfasst 611 kurze und lange Feuerwaffen sowie Blankwaffen aus Europa, Afrika, Asien und Ozeanien. Die Sammlung wurde von Oberstleutnant Antonio Llorente Alberti gestiftet und gehört seit 2004 dem Konsortium von Sant Carles. Durch ihre geografische Breite geht sie deutlich über eine reine Geschichte mallorquinischer Bewaffnung hinaus.
Mehrere Stücke heben sich besonders hervor: ein Alfonso XIII. zugeschriebener Degen, ein Winchester-Gewehr Modell 1866, das 1873 gefertigt wurde, und ein japanisches Gewehr aus dem 18. Jahrhundert. Das kurioseste Objekt ist leicht zu übersehen: ein Buch mit einem verborgenen Fach für eine Handfeuerwaffe. Gerade dieses Stück zeigt, dass die Ausstellung nicht nur technische Entwicklung dokumentiert, sondern auch Tarnung, Repräsentation und persönlichen Waffenbesitz berührt.
Die Franzosen von Cabrera
Ein eigener Raum widmet sich dem Krieg gegen die französische Besatzung von 1808 bis 1814. Zu den ungewöhnlichen Exponaten gehört ein Modell der Llotja de Palma aus dem späten 19. Jahrhundert. Die Llotja de Palma wurde damals als Werkstatt und Fabrik für Artilleriewaffen genutzt – eine Funktion, die man ihr beim heutigen Anblick kaum ansehen würde.
Das Modell schafft eine Verbindung zwischen Militärgeschichte und vertrauter Stadtarchitektur. Es erzählt nicht nur von Feldzügen und Gefangenschaft, sondern auch davon, wie zivile Gebäude in militärische Produktions- und Versorgungsstrukturen gerieten. Solche Zusammenhänge machen die monografischen Räume ergiebiger als eine bloße Abfolge von Waffenarten.
Waffen, Uniformen und Modelle
Weitere Ausstellungsbereiche behandeln die Militärgeschichte Mallorcas und der Balearen mit Kanonen, Handfeuerwaffen, Klingen, Dolchen, Uniformen, Fahnen, Karten, Fotografien und Dioramen. Die Modelle sind besonders hilfreich, weil sie Gebäude, Küstenstellungen und historische Situationen räumlich verständlich machen. Ergänzt wird die Dauerausstellung durch wechselnde Präsentationen.
Die Spannweite reicht von älteren Blankwaffen bis zu Ausrüstung und Dokumenten jüngerer Epochen. Marokkanische Musketen sowie asiatische und afrikanische Klingen verdeutlichen zugleich, dass die Balearen nie isoliert betrachtet werden können. Ihre Lage im westlichen Mittelmeer brachte Handel, Flottenbewegungen, Piraterie und militärischen Austausch eng zusammen.
Artillerie und Aussicht
Im Freigelände stehen historische Geschütze und weitere Befestigungselemente. Hier erhält die Sammlung ihren geografischen Zusammenhang zurück: Jenseits der Mauern liegen die Bucht von Palma, Porto Pi und der moderne Hafen mit seinen Fähr- und Kreuzfahrtanlagen. Was innen über Küstenschutz erklärt wird, lässt sich draußen mit einem Blick auf die Hafenzufahrt erfassen.
Von Wällen, Terrassen und Zinnen öffnen sich unterschiedliche Perspektiven auf Hafen und Meer. Der Blick ist nicht nur eine angenehme Zugabe, sondern erklärt, weshalb gerade dieser Platz befestigt wurde und warum Sant Carles im 19. Jahrhundert noch einmal um eine schwere Küstenbatterie erweitert wurde. Zwischen historischen Kanonen und modernen Schiffen wird die Veränderung des Hafens besonders deutlich.
Der Besuch
Der offizielle Rundgang beginnt mit der Sammlung Llorente und führt anschließend durch die thematischen Säle. Diese Reihenfolge ist sinnvoll, weil sie zunächst einen konzentrierten Überblick über Waffen aus verschiedenen Weltregionen bietet und danach stärker in einzelne historische Kapitel der Balearen und Spaniens einsteigt. Zwischendurch lohnt es sich, immer wieder in Hof und Außenbereiche zurückzukehren, denn die Festung erklärt vieles, was in den Vitrinen gezeigt wird.
Rundgang durch die Säle
Wer jedes Objektetikett studiert, kann sich lange mit den Beständen beschäftigen. Für einen kürzeren Besuch lassen sich klare Schwerpunkte setzen: die Llorente-Sammlung, der Raum zu den Franzosen von Cabrera, die Modelle und schließlich die Artillerie im Freien. Eine starre Mindestdauer wäre wenig hilfreich, denn die Spannweite zwischen einem architektonischen Rundgang und einem vertieften Museumsbesuch ist groß. Sinnvoll ist ein ausreichend großzügiges Zeitfenster, damit die Aussicht nicht erst im Hinausgehen auffällt.
Die Präsentation lebt von der Vielfalt der Objektarten. Große Geschütze und Dioramen erschließen sich unmittelbar; Dokumente, Karten und kleinere Waffen verlangen mehr Ruhe. Wer hauptsächlich wegen der Festung kommt, sollte dennoch wenigstens einige der monografischen Räume ansehen. Umgekehrt bleibt der Besuch unvollständig, wenn nach den Vitrinen auf Hof, Bastionen und Küstenbatterie verzichtet wird.
Eintritt und aktuelle Besuchszeiten
Der Eintritt in das Museu Històric Militar ist frei. Konkrete Öffnungszeiten sollten vor der Fahrt aktuell geprüft werden, da sie sich ändern können und die Festung außerdem für Sonderausstellungen oder kulturelle Veranstaltungen genutzt wird. Ein Blick auf die aktuellen Angaben ist besonders ratsam, wenn der Museumsbesuch den festen Mittelpunkt eines Tagesprogramms bildet.
Verlässliche Aussagen über eine generell vollste oder ruhigste Tageszeit lassen sich nicht treffen. Die Atmosphäre kann sich durch Veranstaltungen und den Betrieb des nahen Kreuzfahrthafens verändern. Wer die Räume konzentriert ansehen möchte, meidet nach Möglichkeit angekündigte Veranstaltungen. Für die Außenbereiche ist außerdem genügend Zeit bei Tageslicht sinnvoll, weil Hafen, Bastionen und Küstenlinie einen wesentlichen Teil des Erlebnisses ausmachen.
Pause mit Hafenblick
Auf dem Gelände gibt es einen Café- und Restaurationsbereich mit Terrasse und Blick zum Meer. Er bietet sich als Abschluss an, nachdem die Funktion der Festung in den Ausstellungsräumen und draußen an den Geschützen nachvollzogen wurde. Gerade nach einem ausführlichen Rundgang durch die monografischen Säle schafft die Terrasse einen ruhigen Übergang zurück zum heutigen Palma.
Anfahrt und Parken
Sant Carles liegt nicht in der historischen Altstadt, sondern an Palmas westlicher Hafenfront beim Dic de l’Oest. Die Zufahrt folgt daher dem Hafengebiet in Richtung Porto Pi und Westmole. Zwischen Einkaufszentrum, Fähranlagen und Kreuzfahrthafen zweigt der Weg zur historischen Festung ab; auf dem letzten Abschnitt orientiert man sich am Castell beziehungsweise Museu de Sant Carles.
Vom Flughafen Palma
Vom Flughafen Palma führt die erfasste Route über die Ma-20. Bis Na Taconera sind es 21 Straßenkilometer, und die Fahrt dauert rund 25 Minuten. Die Ma-20 umgeht das Zentrum und führt auf die westliche Seite Palmas.
Vom Zentrum Palmas
Vom Zentrum Palmas verläuft die erfasste Strecke über die Ma-1. Bis Na Taconera sind es 7 Straßenkilometer; die Fahrt dauert rund 21 Minuten. Obwohl Sant Carles vom Zentrum aus nicht weit entfernt erscheint, sollte der Hafenverkehr bei der Planung berücksichtigt werden. Das Straßennetz rund um Porto Pi dient nicht nur dem Stadtverkehr, sondern auch Fähren, Kreuzfahrtschiffen und den Anlagen des Westhafens.
Parken und Bus
Direkt am Museumsgelände befindet sich ein kostenloser Parkplatz. Das ist besonders praktisch, weil die Festung abseits der klassischen Altstadtrouten liegt und der letzte Abschnitt durch das Hafengebiet führt. Für die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln liegen die Haltestellen 23-Dic de l’Oest – Museu Sant Carles und 17-Museu Sant Carles am nächsten zum Ziel. Als weitere Orientierungspunkte dienen die Haltestellen 25-rotonda de Portopí – aparcament dissuasiu und 16-rotonda de Portopí – aparcament dissuasiu.
Buslinien nach Museu Històric Militar im Überblick
| Linie | Strecke | Fahrten/Tag | Erste Fahrt | Letzte Fahrt |
|---|---|---|---|---|
| 108 | Son Caliu - Palma | 21 | 00:10 | 22:55 |
| 1 | Portopí - Sindicat | 6 | 07:01 | 08:37 |
| 4 | Ses Illetes - Pl. Columnes | 6 | 07:46 | 10:22 |
| 30 | Marivent-Palau de Congressos | 6 | 07:35 | 08:05 |
| N1 | Portopí - Porta des Camp | 4 | 00:30 | 00:30 |
| 20 | Portopí - Son Espases | 3 | 07:02 | 08:32 |
Aus den offiziellen GTFS-Fahrplandaten (TIB/SFM), ohne Echtzeit. Die Zahlen fassen alle Halte im Ort zusammen; Fahrten an Wochenenden und Feiertagen weichen ab — vor der Fahrt beim Betreiber prüfen.
Anfahrt mit dem Bus
23-Dic de l'Oest - Museu Sant Carles · 0,2 km Luftlinie
- 1Portopí - Sindicat · 08:00–08:00 · Täglich
17-Museu Sant Carles · 0,3 km Luftlinie
- 1Portopí - Sindicat · 08:00–08:00 · Täglich
25-rotonda de Portopí - aparcament dissuasiu · 0,5 km Luftlinie
- 1Portopí - Sindicat · 08:00–08:00 · Täglich
16-rotonda de Portopí - aparcament dissuasiu · 0,5 km Luftlinie
- 1Portopí - Sindicat · 08:00–08:00 · Täglich
15-Portopí Estacions Marítimes 1 2 3 i 4 · 0,6 km Luftlinie
- 1Portopí - Sindicat · 08:00–08:00 · Täglich
- 30Marivent-Palau de Congressos · 08:00–08:00 · Täglich
- N1Portopí - Porta des Camp · 08:00–08:00 · Täglich
65-Àrea d'intercanvi Portopí · 0,7 km Luftlinie
- 4Ses Illetes - Pl. Columnes · 08:00–08:00 · Täglich
- 20Portopí - Son Espases · 06:06–22:40 · Täglich
1127-Àrea d'intercanvi Portopí · 0,7 km Luftlinie
- 20Portopí - Son Espases · 06:06–22:40 · Täglich
94-Àrea d'intercanvi Portopí · 0,7 km Luftlinie
- 4Ses Illetes - Pl. Columnes · 08:00–08:00 · Täglich
- N1Portopí - Porta des Camp · 08:00–08:00 · Täglich
1988-Marivent-aparcament dissuasiu · 0,8 km Luftlinie
- 30Marivent-Palau de Congressos · 08:00–08:00 · Täglich
26-Port - Estació Marítima · 0,8 km Luftlinie
- 1Portopí - Sindicat · 08:00–08:00 · Täglich
Porto Pi 1 (40008) · 0,9 km Luftlinie
- 108Son Caliu - Palma · Täglich
82-Joan Miró - Corb Marí · 0,9 km Luftlinie
- 4Ses Illetes - Pl. Columnes · 08:00–08:00 · Täglich
- 20Portopí - Son Espases · 06:06–22:40 · Täglich
Fahrplandaten: offizielle GTFS-Daten (TIB/EMT), ohne Echtzeit — Zeiten vor Fahrtantritt beim Betreiber prüfen.
In der Umgebung
Rund um Sant Carles zeigt Palma eine Seite, die mit den engen Gassen der Altstadt wenig gemeinsam hat. Porto Pi und der Dic de l’Oest sind von Hafenbecken, Zufahrtsstraßen, Fährverkehr und Kreuzfahrtanlagen geprägt. Die Festung wirkt in dieser technischen Umgebung nicht wie ein Fremdkörper, sondern erinnert daran, dass der Hafen schon lange vor modernen Terminals ein strategischer und wirtschaftlicher Schlüsselort war.
Porto Pi und der Westhafen
Porto Pi war im 17. Jahrhundert Palmas natürlicher Hafen. Der erste Turm von Sant Carles entstand gerade deshalb, weil Kaufleute Schutz für ihre Schiffe und die maritime Zufahrt verlangten. Heute liegen in derselben Zone moderne Hafenanlagen und das Einkaufszentrum Porto Pi. Der Wandel vom gefährdeten Ankerplatz zum Verkehrsknoten lässt sich vom Festungsgelände besser verstehen als auf einer reinen Stadtrundfahrt.
Wer aus dem Kreuzfahrthafen kommt, findet mit Sant Carles ein Museum, dessen Thema unmittelbar zum Standort passt. Die heute einlaufenden Schiffe bewegen sich vor einer Küste, die einst von Bastionen und später von schwerer Artillerie kontrolliert wurde. Der Blick von den Mauern verbindet diese beiden Zeitebenen ohne lange Erklärung.
Palma und die Bucht
Der Besuch lässt sich gut mit weiteren Zielen in Palma verbinden, sollte aber nicht als kurzer Abstecher zwischen zwei eng getakteten Altstadtterminen behandelt werden. Die Fahrt zwischen Zentrum und westlicher Hafenfront braucht trotz der überschaubaren Straßenkilometer Zeit. Wer anschließend in die Innenstadt weiterfährt, kann dort die Llotja aufsuchen, deren Modell im Museumsraum zu den Franzosen von Cabrera gezeigt wird. Das heutige Bauwerk erhält durch seine frühere Nutzung als Werkstatt und Artilleriewaffenfabrik eine überraschende zusätzliche Bedeutung.
Auch ein Besuch des Castell de Bellver passt thematisch zu einem Tag über Palmas Befestigungen, obwohl beide Burgen sehr unterschiedliche Bauformen, Entstehungszeiten und heutige Sammlungen besitzen. Sant Carles erklärt vor allem Hafen- und Küstenverteidigung; Bellver steht für eine andere Phase der mallorquinischen Geschichte. Für beide zusammen sollte ein großzügiges Tagesprogramm vorgesehen werden.
Der Ort dazu
Na Taconera im OrtsporträtWissenswertes für den Besuch
Sant Carles verlangt mehr Bewegung als ein Museum mit ebenen, nebeneinanderliegenden Galerien. Treppen, historische Zugänge, Höfe, Bastionen und Außenausstellungen gehören zum Rundgang. Bequeme, feste Schuhe sind daher sinnvoll – besonders, wenn nicht nur die Säle, sondern auch die Aussichtspunkte und Geschütze im Freien besucht werden sollen.
Innenräume und Außengelände
Die Ausstellung verteilt sich auf historische Räume und offene Bereiche. Entsprechend sollte die Planung nicht allein auf einen Gang durch die Säle zielen. Sonnenschutz und ein der Witterung angepasstes Kleidungsstück sind für die frei liegenden Teile der Festung zweckmäßig; am Hafen kann Wind den Aufenthalt auf Mauern und Terrasse deutlich anders wirken lassen als in der Stadt.
Wer fotografieren möchte, findet die stärksten räumlichen Motive im Übergang zwischen Bastionen, Kanonen und Hafen. Für Detailaufnahmen lohnen sich außerdem die Steinmetzzeichen im Sandstein und das Buch mit verborgenem Waffenfach in der Llorente-Sammlung. Das sind zwei Details, die neben den großen Geschützen leicht übersehen werden.
Besuch mit Kindern
Große Kanonen, Uniformen, Dioramen und Gebäudemodelle bieten Kindern anschaulichere Zugänge als lange chronologische Textreihen. Besonders die Modelle helfen dabei, Festungen und historische Situationen als Räume zu verstehen. Das Museum bleibt jedoch eine militärhistorische Sammlung: Waffen, Krieg und Gefangenschaft sind zentrale Themen, weshalb Erwachsene die Inhalte je nach Alter einordnen sollten.
Der Außenbereich bringt Abwechslung in den Rundgang, ersetzt aber keinen gewöhnlichen Spielplatz. Auf historischen Mauern, Treppen und an schweren Exponaten ist Aufmerksamkeit erforderlich. Für Familien empfiehlt sich deshalb eine Auswahl weniger Räume mit klaren Blickfängen statt des Anspruchs, jede Vitrine vollständig zu lesen.
Was man erwarten sollte
Sant Carles ist weder ein interaktives Technikzentrum noch ein romantisch ausgestatteter Adelssitz. Im Mittelpunkt stehen Militärgeschichte, Waffen, Dokumente, Uniformen, Modelle und die Entwicklung einer echten Küstenfestung. Wer nur eine Aussichtsterrasse sucht, wird die historische Tiefe des Ortes unterschätzen; wer ausschließlich Vitrinen erwartet, verpasst den wichtigsten Zusammenhang zwischen Sammlung und Hafeneinfahrt.
Gerade diese Verbindung macht den Besuch ergiebig. Der frühe Turm, die Erweiterung von 1662, die spätere Küstenbatterie und die heutigen Museumssäle erzählen nacheinander, wie Palma seine westliche Seeseite sichern wollte. Auf den Mauern endet die Geschichte nicht mit einem Exponat, sondern mit dem Blick über den Hafen, der den Bau einst notwendig machte.
Insider-Tipps von Einheimischen
Das getarnte Buch suchen
In der Llorente-Sammlung steht zwischen auffälligeren Waffen ein Buch mit verborgenem Fach für eine Handfeuerwaffe. Das kuriose Stück wird neben den großen Gewehren und Klingen leicht übersehen.
Auf Steinmetzzeichen achten
An zahlreichen Sandsteinquadern sind Zeichen der damaligen Steinmetze erhalten. Sie machen die Bauarbeit hinter der strengen Festungsgeometrie sichtbar und sind ein lohnendes Detail für Nahaufnahmen.
Hafenzufahrt mitdenken
Der Blick von Bastionen und Freigelände wird verständlicher, wenn man die Hafenzufahrt als historisches Verteidigungsfeld betrachtet. Genau zum Schutz von Porto Pi und der Küste wurde Sant Carles errichtet.
Die Llotja zweimal sehen
Im Raum zu den Franzosen von Cabrera steht ein Modell der Llotja, die zeitweise als Werkstatt und Artilleriewaffenfabrik diente. Ein anschließender Blick auf das Original in Palma verleiht dem Modell zusätzlichen Sinn.
Terrasse zum Abschluss
Den Rundgang nicht sofort am Ausgang beenden: Der Café- und Restaurationsbereich besitzt eine Terrasse mit Meerblick. Nach den Sälen lässt sich dort die Lage der Festung an der Bucht noch einmal in Ruhe erfassen.