Temple talaiòtic de Son Corró bei Costitx

Mitten im ländlichen Pla de Mallorca ragen die Steinsäulen des Temple talaiòtic de Son Corró aus einem Gelände, das auf den ersten Blick beinahe unscheinbar wirkt. Gerade darin liegt der Reiz: Statt einer großen Ruinenstadt wartet hier ein einzelner prähistorischer Kultplatz, dessen Bedeutung weit über die heute sichtbaren Reste hinausreicht. Berühmt wurde das Heiligtum durch drei bronzene Stierköpfe, die als „Bous de Costitx“ oder „Caps de Bou de Costitx“ bekannt sind. Die Originale stehen heute im Archäologischen Nationalmuseum in Madrid. Am Fundort selbst lenken Mauerspuren und aufgerichtete Säulen den Blick auf die Frage, wie dieser sakrale Raum einst aussah – und auf eine Rekonstruktion, über die Fachleute bis heute diskutieren.
Der Besuch lohnt sich besonders für Reisende, die Mallorcas Geschichte nicht erst bei Römern, Mauren oder mittelalterlichen Burgen beginnen lassen möchten. Son Corró führt in die posttalaiotische Epoche und zu den religiösen Vorstellungen der Inselgemeinschaften vor der römischen Eroberung. Weil das Gelände überschaubar ist, lässt es sich gut als konzentrierter archäologischer Halt in eine Fahrt durch die Inselmitte einbauen.
Wer monumentale Hallen, eine umfangreiche Ausstellung oder vollständig erhaltene Räume erwartet, wird den Ort missverstehen. Seine Stärke liegt im genauen Hinsehen: bei der Stellung der Steine, den rekonstruierten Säulenreihen und der Verbindung zwischen einem kleinen Heiligtum bei Costitx und einigen der bekanntesten prähistorischen Metallfunde Mallorcas.
Geschichte und Bedeutung
Das Heiligtum der posttalaiotischen Zeit
Son Corró gehört in das Posttalaiotikum, also in jene eisenzeitliche Phase, die auf das Ende der eigentlichen Talaiot-Kultur folgte. Die Anlage wird der Zeit nach 550 v. Chr. zugerechnet. Heiligtümer dieser Epoche waren meist kompakte Gebäude mit einem ungeteilten Innenraum, kräftigen Mauern und einzelnen Pfeilern oder Säulen. Ob solche Räume vollständig überdacht waren oder teilweise unter freiem Himmel lagen, ist in der Forschung nicht abschließend geklärt.
Auch ihre Funktion lässt sich nicht auf einen modernen Begriff wie Kirche oder Tempel reduzieren. Die in vergleichbaren Heiligtümern gefundenen Gegenstände weisen auf kultische Handlungen hin, doch der genaue Ablauf der Rituale bleibt unbekannt. Sicher ist, dass solche Bauten Orte gemeinschaftlicher Bedeutung waren. Im Posttalaiotikum wandelte sich die Gesellschaft Mallorcas; soziale Unterschiede wurden deutlicher, und ein Teil der Bevölkerung trat als Krieger und Söldner im westlichen Mittelmeer auf. Religiöse Räume wie Son Corró müssen vor diesem Hintergrund betrachtet werden, ohne ihnen vorschnell eine einzelne Gottheit oder Zeremonie zuzuschreiben.
Der Zufallsfund der Stierköpfe
Die Geschichte der Wiederentdeckung beginnt nicht mit einer geplanten Grabung, sondern mit Feldarbeit. Der Landwirt Joan Vallespir de Can Pere Pina stieß im Bereich des überwachsenen Heiligtums auf drei bronzene Stierköpfe. Der Fund machte Son Corró zu einem Schlüsselort der mallorquinischen Vorgeschichte. Kaum ein anderes Objekt verbindet den Namen Costitx so unmittelbar mit der prähistorischen Archäologie der Insel.
Was die Köpfe einst bedeuteten, ist nicht endgültig geklärt. Der Stier konnte mit Viehhaltung, Fruchtbarkeit oder kriegerischen Vorstellungen verbunden gewesen sein; eine eindeutige Deutung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Ebenso wurde darüber diskutiert, ob die Stücke auf Mallorca gefertigt oder aus einem technisch und künstlerisch stärker spezialisierten Zentrum eingeführt wurden. Gerade diese offenen Fragen machen den Fund bedeutsam.
Die Originale gelangten in das Archäologische Nationalmuseum in Madrid. Dass sie nicht auf Mallorca verblieben, wird auf der Insel bis heute mit Bedauern betrachtet. Repliken erinnern in Costitx und im Museu de Mallorca an den Fund, doch am Heiligtum selbst stehen keine Originalbronzen. Der heutige Platz erzählt daher vor allem über Architektur und Fundzusammenhang; wer die Gestalt der Stierköpfe kennenlernen möchte, sollte den Besuch mit den Nachbildungen in Costitx verbinden.
Erforschung und Wiederaufbau
Bartomeu Ferrà gehörte zu den ersten Archäologen, die sich systematisch mit Son Corró beschäftigten. Seine Deutung ging von einem Dach aus, das von einer größeren Zahl an Säulen getragen worden sei. Spätere Untersuchungen unter Guillem Rosselló Bordoy kamen zu einer deutlich kleineren Säulenzahl und führten zu der Gestalt, die heute auf dem Gelände zu sehen ist.
Diese Wiederherstellung ist nicht unumstritten. Kritiker bezweifeln, dass die zylindrischen Steine ursprünglich so regelmäßig aufgereiht waren wie in der heutigen Präsentation. Nach einer anderen Lesart könnten sie eher einzeln stehende rituelle Pfeiler gewesen sein. Son Corró ist deshalb nicht bloß ein Fenster in die Vorgeschichte, sondern auch ein anschauliches Beispiel dafür, wie Archäologie aus fragmentarischen Befunden ein räumliches Bild entwickelt – und warum dieses Bild diskutierbar bleibt.
Was es zu sehen gibt
Der rechteckige Heiligtumsraum
Der erste Eindruck wird von einer klar gefassten, rechteckig wirkenden Grundform bestimmt. Niedrige Steinsetzungen zeichnen den ehemaligen Baukörper nach, während die aufgerichteten Elemente im Inneren den Raum gliedern. Anders als bei einem großen talaiotischen Dorf sind hier keine Wohnhäuser, Gassen oder Verteidigungsanlagen zu durchwandern. Alles konzentriert sich auf einen einzigen sakral gedeuteten Bereich.
Gerade diese Verdichtung hilft beim Lesen des Ortes. Von außen lässt sich verfolgen, wie die Mauerspuren einen Innenraum umschließen; im Inneren fällt auf, dass keine Vielzahl kleiner Kammern erkennbar ist. Das passt zum allgemeinen Typ posttalaiotischer Heiligtümer, deren Innenraum nicht wie ein Wohnhaus unterteilt war. Die erhaltenen und ergänzten Partien sollten dennoch nicht als vollständig gesicherter Bauplan verstanden werden. Sichtbar ist eine archäologische Präsentation, die Originalbefund und moderne Ordnung miteinander verbindet.
Die Säulen und ihre Anordnung
Die auffälligsten Bauteile sind die sechs heute sichtbaren Säulen beziehungsweise säulenartig aufgerichteten Steinsetzungen. Sie lassen den Raum wie drei längs verlaufende Bereiche erscheinen und vermitteln unmittelbar die Vorstellung eines getragenen Daches. Genau an diesem Punkt beginnt jedoch die wissenschaftliche Kontroverse: Die regelmäßige Stellung geht auf die moderne Rekonstruktion zurück und ist keine unangetastet erhaltene Anordnung aus der Vorgeschichte.
Für den Besuch ist diese Unterscheidung entscheidend. Die Säulen sind nicht weniger sehenswert, weil ihre heutige Position diskutiert wird; im Gegenteil, sie machen ein Grundproblem archäologischer Vermittlung sichtbar. Lose aufgefundene Bauteile erzählen wenig über Höhe und Raumwirkung. Richtet man sie wieder auf, entsteht ein verständlicheres Bild – zugleich wächst das Risiko, eine Hypothese wie Gewissheit aussehen zu lassen.
Am besten wird die Anlage zunächst von außen betrachtet. Von dort lassen sich Grundriss und Säulenstellung gemeinsam erfassen. Anschließend lohnt ein Perspektivwechsel entlang der Längsseite: Die Steine stehen dann hintereinander, und die beabsichtigte Wirkung einer gegliederten Halle wird besonders deutlich. Wer danach näher an die einzelnen Elemente herantritt, erkennt besser, wie massiv und unregelmäßig das verwendete Steinmaterial ist.
Mauerreste und Geländekante
Son Corró liegt an einem leicht erhöhten Hang über dem angrenzenden Feld. Die Lage ist nicht dramatisch, aber sie hebt den Kultplatz aus dem unmittelbaren landwirtschaftlichen Umfeld heraus. Der Standort zeigt zugleich, wie eng Vorgeschichte und heutige Kulturlandschaft im Pla de Mallorca beieinanderliegen: Das Heiligtum ist kein abgeschiedenes Bergmonument, sondern Teil eines seit langer Zeit genutzten ländlichen Raums.
Die niedrigen Mauerreste verlangen mehr Aufmerksamkeit als die Säulen. Sie markieren die Grenze zwischen dem ehemaligen Innenraum und seiner Umgebung und helfen, die Ausrichtung des Gebäudes zu verstehen. Weil nur ein Teil der ursprünglichen Anlage erhalten beziehungsweise präsentiert ist, sollte der Blick nicht nach einer kompletten Fassade suchen. Aussagekräftig sind vielmehr die Übergänge: Wo endet die rekonstruierte Raumkante, wo beginnt das offene Gelände, und wie ordnen sich die aufgerichteten Steine innerhalb dieser Begrenzung an?
Der unsichtbare Fundzusammenhang
Die berühmtesten Stücke von Son Corró sind vor Ort nicht zu sehen. Gerade deshalb lohnt es sich, den leeren Raum zwischen den Steinen gedanklich mitzulesen. Hier wurden die drei bronzenen Stierköpfe entdeckt, die den Platz mit religiösen Vorstellungen und handwerklichen Fähigkeiten der posttalaiotischen Bevölkerung verbinden. Ohne diesen Fund könnte die Anlage leicht als kleine, schwer deutbare Steinsetzung erscheinen; mit ihm wird sie zu einem der wichtigsten Fundorte der mallorquinischen Vorgeschichte.
Die Bronzen waren keine dekorative Ergänzung einer heutigen Ausstellung, sondern Gegenstände aus dem historischen Zusammenhang des Heiligtums. Ihre genaue Aufstellung und Verwendung bleiben offen. Vor Ort ist daher Zurückhaltung produktiver als eine fertige Ritualgeschichte: Die Mauern umreißen den Raum, die Säulen geben eine mögliche Architektur wieder, und die bekannten Funde zeigen, dass hier Handlungen stattfanden, die über den Alltag hinausgingen.
Der Besuch
Ankommen und orientieren
Das Gelände ist rund um die Uhr zugänglich. Für die eigentliche Besichtigung ist Tageslicht dennoch wesentlich, denn die Aussage des Ortes liegt in niedrigen Mauerlinien, Steinoberflächen und räumlichen Beziehungen, die bei Dunkelheit kaum sinnvoll zu erfassen sind. Ob aktuell besondere Regelungen zum Eintritt gelten, sollte vor der Fahrt geprüft werden.
Nach dem Ankommen empfiehlt es sich, nicht sofort zwischen die Säulen zu gehen. Der verständlichste Einstieg liegt außerhalb des Grundrisses, wo sich die gesamte Anlage überblicken lässt. Erst aus etwas Abstand wird deutlich, wie klein der Heiligtumsraum im Vergleich zu seiner archäologischen Bedeutung ist. Danach kann der Blick von den Außenmauern zu den aufgerichteten Elementen wandern.
Ein Rundgang ohne feste Richtung
Sinnvoll ist eine langsame Umrundung, gefolgt von näheren Blicken auf die Säulen und die niedrigen Steinsetzungen. Dabei verändert sich das Bild deutlich: Frontal erscheinen die aufgerichteten Elemente als einzelne Pfeiler, entlang ihrer Achse dagegen als geordnete Reihe. Diese beiden Ansichten helfen, die Rekonstruktionsidee zu verstehen und zugleich kritisch zu betrachten.
Für einen reinen Überblick bleibt Son Corró ein kurzer archäologischer Halt. Wer die Geschichte der Stierköpfe kennt, die Mauerführung nachvollzieht und unterschiedliche Standpunkte ausprobiert, kann sich wesentlich länger mit dem Platz beschäftigen. Eine starre Aufenthaltsdauer wäre deshalb wenig hilfreich. Der Ort verlangt keine lange Wanderung, belohnt aber Besucher, die nicht nur ein Foto der Säulen aufnehmen und sofort weiterfahren.
Tageszeit und Besucheraufkommen
Dank der durchgehenden Zugänglichkeit lässt sich der Besuch flexibel in den Tagesablauf legen. Wer anderen Besuchern möglichst ausweichen möchte, ist nicht an ein enges Zeitfenster gebunden. Verlässliche feste Stoßzeiten lassen sich für den kleinen, frei zugänglichen Fundort nicht angeben. Entscheidend ist vielmehr, ausreichend Tageslicht für die niedrigen Strukturen einzuplanen.
Bei tiefem Licht treten Kanten und Oberflächen der Steine deutlicher hervor als bei flacher, gleichmäßiger Beleuchtung. Für das Verständnis sollte die Wahl der Tageszeit jedoch nicht allein vom Fotografieren abhängen. Eine ruhige Umrundung und der Vergleich mehrerer Blickachsen vermitteln mehr als der Versuch, die heutige Säulenstellung von nur einem vermeintlich idealen Punkt festzuhalten.
Anfahrt und Parken
Von Palma und vom Flughafen nach Costitx
Vom Flughafen Palma führt die angegebene Route über die Ma-3011 nach Costitx. Bis zum Ort sind es 32 Straßenkilometer; die Fahrt dauert rund 34 Minuten. Vom Zentrum Palmas verläuft die Route zunächst über die Ma-19 und anschließend über die Ma-3011. Bis Costitx sind 35 Straßenkilometer zurückzulegen, für die rund 42 Minuten Fahrzeit einzuplanen sind.
Diese Entfernungen und Fahrzeiten gelten ausdrücklich nur bis Costitx, nicht bis unmittelbar an das Heiligtum. Son Corró liegt außerhalb des Ortskerns an der Verbindung zwischen Costitx und Sencelles. Für das letzte Stück folgt man der Ma-3121 in Richtung Sencelles. Die Fundstätte befindet sich an dieser Landstraße auf Höhe des Kilometrierungspunkts 2,8 und ist vom Straßenraum aus erkennbar beziehungsweise ausgeschildert.
Das letzte Stück auf der Ma-3121
Die Lage an der Ma-3121 macht Son Corró vergleichsweise leicht auffindbar, verlangt beim Abbiegen und Anhalten aber Aufmerksamkeit. Es handelt sich nicht um eine Sehenswürdigkeit in einer Fußgängerzone, sondern um einen archäologischen Platz am Rand einer Landstraße. Die Zufahrt sollte deshalb frühzeitig und ohne abruptes Bremsen gesucht werden.
Beim Abstellen des Fahrzeugs ist darauf zu achten, weder die Fahrbahn noch Zufahrten zu landwirtschaftlich genutzten Flächen zu blockieren. Der Fundort ist als kompakter Halt gedacht. Wer die Anfahrt mit Navigation plant, sollte sich am Namen des Heiligtums und an der Ma-3121 orientieren, nicht nur am Ortszentrum von Costitx.
Mit dem Bus und zu Fuß
Costitx wird von regionalen Busverbindungen bedient; die aktuellen Haltestellen zeigt das Verkehrsmodul der Seite. Die Ausstiegsstellen liegen im beziehungsweise beim Ort, während Son Corró außerhalb des Zentrums an der Straße nach Sencelles liegt. Für den verbleibenden Abschnitt ist daher zusätzlicher Zeitbedarf einzuplanen.
Wer zu Fuß weitergeht, bewegt sich nicht auf einem innerörtlichen Museumsweg, sondern in einer ländlichen Straßenlandschaft. Sichtbarkeit, Verkehr und Witterung sollten bei der Planung berücksichtigt werden. Die archäologische Route von Sencelles und Costitx ist grundsätzlich auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad angelegt, doch die einzelnen Fundorte liegen verteilt; Son Corró ist dabei nur eine Station und kein zentraler Ausgangspunkt mit umfassender Infrastruktur.
Buslinien nach Temple talaiòtic de Son Corró im Überblick
| Linie | Strecke | Fahrten/Tag | Erste Fahrt | Letzte Fahrt |
|---|---|---|---|---|
| 304 | Inca - Sencelles - Palma | 78 | 06:25 | 22:20 |
Aus den offiziellen GTFS-Fahrplandaten (TIB/SFM), ohne Echtzeit. Die Zahlen fassen alle Halte im Ort zusammen; Fahrten an Wochenenden und Feiertagen weichen ab — vor der Fahrt beim Betreiber prüfen.
Anfahrt mit dem Bus
Camí dels Horts (17002) · 0,9 km Luftlinie
- 304Inca - Sencelles - Palma · Täglich
Camí de ses Ànimes (47011) · 1,3 km Luftlinie
- 304Inca - Sencelles - Palma · Täglich
Costitx 2 (17006) · 1,4 km Luftlinie
- 304Inca - Sencelles - Palma · Täglich
Costitx 1 (17007) · 1,5 km Luftlinie
- 304Inca - Sencelles - Palma · Täglich
Camí d'Establiments (47017) · 2,0 km Luftlinie
- 304Inca - Sencelles - Palma · Täglich
Fahrplandaten: offizielle GTFS-Daten (TIB/EMT), ohne Echtzeit — Zeiten vor Fahrtantritt beim Betreiber prüfen.
In der Umgebung
Costitx
Costitx ist klein genug, um nach Son Corró nicht wie ein zweites großes Besichtigungsprogramm zu wirken. Gerade das passt zum Heiligtum. Im Ort lässt sich der archäologische Fundzusammenhang fortsetzen, denn dort werden Nachbildungen der berühmten Stierköpfe gezeigt. Sie geben den Bronzen, die am eigentlichen Fundplatz fehlen, wieder eine sichtbare Form und machen verständlich, warum Son Corró weit über die Gemeinde hinaus bekannt wurde.
Daneben prägen ruhige Straßen und die Pfarrkirche Nativitat de la Mare de Déu das Ortsbild. Costitx ist kein inszeniertes Freilichtmuseum; der Ort vermittelt vielmehr den Charakter des Pla de Mallorca, in dem Dörfer, Felder, alte Wege und prähistorische Fundplätze dicht aufeinanderfolgen. Ein Rundgang durch das Zentrum ist deshalb eine passende Ergänzung, ohne vom eigentlichen Thema des Besuchs abzulenken.
Die archäologische Route Sencelles–Costitx
Son Corró gehört zu einer archäologischen Route durch die Gemeinden Sencelles und Costitx. Sie verbindet Fundorte verschiedener vorgeschichtlicher Epochen und eignet sich für Reisende, die nicht nur ein einzelnes Monument betrachten, sondern zeitliche Entwicklungen nachvollziehen möchten. Zu den Stationen zählen die Cova des Camp des Bisbe, der Talaiot de Son Fred und die naviforme Siedlung des Turassot.
Die Abfolge macht Unterschiede sichtbar, die bei isolierten Besuchen leicht verschwimmen: eine gemeinschaftlich genutzte Grabanlage, ein talaiotischer Siedlungsplatz, ein posttalaiotisches Heiligtum und naviforme Wohnbauten gehören nicht automatisch derselben Zeit und Funktion an. Son Corró nimmt innerhalb dieser Route die Rolle des Kultplatzes ein, dessen Bekanntheit eng mit den bronzenen Stierköpfen verbunden ist.
Weitere Fundorte wie Binifat und Cas Canar sind nur im Rahmen periodisch organisierter Führungen zugänglich. Eine spontane Besichtigung aller genannten Plätze ist daher nicht in jedem Fall möglich. Für einen unkomplizierten Ausflug bietet sich die Verbindung von Son Corró mit den frei zugänglichen Stationen und einem Aufenthalt in Costitx oder Sencelles an.
Das ländliche Pla de Mallorca
Die Fahrt zwischen Costitx und Sencelles führt durch die ruhige Inselmitte, in der archäologische Spuren nicht von moderner Großstadtbebauung überlagert werden. Son Corró wirkt in diesem Umfeld besonders verständlich: Der Platz liegt leicht erhöht am Rand des bewirtschafteten Landes und nicht auf einem spektakulären Gipfel oder an der Küste.
Wer mehrere Stationen kombiniert, sollte den Tag nicht mit zu vielen weit auseinanderliegenden Zielen überladen. Der Gewinn liegt im Vergleich der Bauformen und Nutzungen. Nach einem Talaiot oder einer naviformen Siedlung erscheint das kleine Heiligtum von Son Corró nicht mehr als zufällige Ansammlung von Steinen, sondern als eigener Bautyp innerhalb einer langen und vielgestaltigen Vorgeschichte.
Der Ort dazu
Costitx im OrtsporträtWissenswertes für den Besuch
Schuhwerk und Schutz vor der Sonne
Die aufgerichteten Säulen ersetzen kein schattiges Gebäude und bieten daher keinen Schutz vor der Sonne.
Mit Kindern
Die sichtbaren Säulen, die Geschichte des zufälligen Fundes und die bronzenen Stierköpfe bieten konkrete Anknüpfungspunkte. Anschaulicher wird der Besuch, wenn vorher erklärt wird, dass die Originalköpfe nicht am Fundort stehen und die heutige Säulenordnung eine wissenschaftlich diskutierte Rekonstruktion ist.
Aufsicht bleibt wichtig. Die niedrigen Mauern sind archäologische Substanz und keine Kletterelemente; außerdem liegt der Platz nahe einer Landstraße. Ein kurzer, klar geführter Rundgang mit Blick auf Grundriss, Säulen und Fundgeschichte ist meist ergiebiger als der Versuch, den Ort wie einen Abenteuerspielplatz zu nutzen.
Was Son Corró nicht ist
Son Corró ist weder eine vollständig erhaltene Tempelhalle noch eine ausgedehnte talaiotische Siedlung. Es gibt keine Sammlung von Originalfunden am Platz, keine eingerichteten Kultkammern und keinen archäologischen Rundgang mit zahlreichen Gebäuden. Die berühmten Bronzeköpfe befinden sich in Madrid; in Costitx sind Repliken zu sehen.
Auch die aufgerichteten Säulen dürfen nicht mit einem unveränderten Originalzustand verwechselt werden. Ihre heutige Anordnung ist das Ergebnis einer Rekonstruktion, deren Plausibilität unterschiedlich bewertet wird. Wer diesen Vorbehalt kennt, verliert nichts von der Wirkung des Ortes. Im Gegenteil: Son Corró zeigt besonders klar, dass archäologische Sehenswürdigkeiten nicht nur Antworten geben, sondern auch aus Hypothesen, Lücken und konkurrierenden Deutungen bestehen.
Respekt vor dem Fundplatz
Die geringe Größe macht die erhaltenen Strukturen empfindlich. Mauern sollten nicht bestiegen, Steine nicht versetzt und Zwischenräume nicht als Ablage genutzt werden. Auch scheinbar lose Fragmente gehören zum archäologischen Zusammenhang. Der Wert des Platzes liegt nicht in einem einzelnen fotogenen Objekt, sondern in der Beziehung zwischen Grundriss, Gelände und Fundgeschichte.
Am meisten erschließt sich Son Corró, wenn der Besuch mit etwas Vorwissen beginnt und mit einem Blick auf die Repliken der Stierköpfe endet. So verbindet sich die heute sichtbare Architektur mit jenen Gegenständen, die dem Heiligtum seinen besonderen Rang innerhalb der mallorquinischen Vorgeschichte gegeben haben.
Insider-Tipps von Einheimischen
Stierköpfe danach ansehen
Am Fundort stehen die berühmten Bronzeköpfe nicht. Nach dem Heiligtum lohnt deshalb der Abstecher nach Costitx, wo Repliken die Größe und Gestaltung der „Bous de Costitx“ anschaulich machen.
Erst außen herumgehen
Nicht sofort zwischen die Säulen treten: Von außerhalb des Grundrisses lassen sich Mauerlinien und Säulenstellung gemeinsam erkennen. Entlang der Längsseite wirkt die rekonstruierte Dreiteilung besonders deutlich.
Rekonstruktion mitdenken
Die regelmäßige Säulenordnung ist keine unangetastet erhaltene Situation. Wer sie als diskutierte Rekonstruktion betrachtet, erkennt an Son Corró besonders gut, wie aus Grabungsbefunden ein räumliches Modell entsteht.
Archäologische Route nutzen
Son Corró ist eine Station der Route Sencelles–Costitx. In Verbindung mit dem Talaiot de Son Fred und der naviformen Siedlung des Turassot werden die Unterschiede zwischen mehreren vorgeschichtlichen Bauformen verständlicher.