MÉS fordert Migrationskompetenz für Balearen
Auf den Balearen soll die Landesregierung Verfahren rund um Migration künftig selbst steuern. Das fordert MÉS per Mallorca am Dienstag in Palma auf Mallorca. Die Partei verlangt, dass die im Autonomiestatut vorgesehene Übertragung der Zuständigkeiten für Einwanderung umgesetzt wird.
Parlamentssprecher Lluís Apesteguia begründet den Vorstoß mit dem starken Bevölkerungswachstum: Die Einwohnerzahl der Inseln sei in den vergangenen 60 Jahren vor allem durch Migration um 200 Prozent gewachsen. Dieses Wachstum sei in den kommenden Jahren nicht tragfähig, sagte er.
Mehr Befugnisse gegen lange Verfahren
MÉS per Mallorca kritisiert, dass die zentralisierte Verwaltung die Lage auf den Inseln mit ihrem hohen Bevölkerungsdruck nicht ausreichend kenne. Nach Ansicht Apesteguias begünstigen langsame Verfahren Ausbeutung am Arbeitsplatz, Schwarzarbeit und prekäre Beschäftigung – besonders in Hotellerie, Bau und Pflege.
Die Partei will deshalb einen eigenen Aufnahmeplan mit Angeboten auf allen Inseln schaffen. Vorgesehen sind außerdem zentrale Anlaufstellen für schnellere Verfahren, kostenlose Katalanischkurse und besondere Schutzmaßnahmen für Migrantinnen.
Apesteguia nannte vier Gruppen von Migranten: Menschen, die für Arbeit auf die Inseln kommen, besonders schutzbedürftige Menschen, die in Booten ankommen, Zuzügler aus anderen Teilen Spaniens sowie Menschen mit hoher Kaufkraft. Letztere konzentrierten sich nach seinen Worten in bestimmten Vierteln und kauften dort hochpreisige Immobilien.
Kritik an Madrid und Brüssel
Der Sprecher bezeichnete das spanische Einwanderungssystem als gescheitert. Die Balearen verwalteten bereits Gesundheit, Bildung und Wohnen – deshalb sei es folgerichtig, dass sie auch Verfahren zur Regularisierung, also zur Legalisierung des Aufenthaltsstatus, übernehmen.
Auch die Migrationspolitik der Europäischen Union kritisierte Apesteguia scharf. Zur Lage in Ceuta sagte er, es handle sich nicht um eine Migrations-, sondern um eine diplomatische Krise. Zudem verlangte er von der spanischen Regierung eine Kurskorrektur beim Westsahara-Konflikt.
MÉS erklärt schwache PISA-Ergebnisse
Zum PISA-Bericht 2025 erklärte Apesteguia, Schülerinnen und Schüler auf den Balearen seien nicht weniger leistungsfähig als im Rest Spaniens. Die Studie weist für die Inseln niedrigere Werte als den spanischen Durchschnitt in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften aus.
Als Gründe nannte er unter anderem Familien, die für die Tourismussaison auf die Inseln ziehen und deren Kinder erst mitten oder fast am Ende des Schuljahres in den Unterricht kommen. Auch die zweite Amtssprache sei besonders für Kinder von Migranten ein wichtiger Faktor, sagte der MÉS-Sprecher.
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Quelle: Europa Press / Mallorca.com