Wärmeres Mittelmeer steigert Unwetterrisiko auf den Balearen
Ein wärmeres Mittelmeer kann auf den Balearen bei passenden atmosphärischen Bedingungen stärkere Unwetter begünstigen. Darauf verwiesen Fachleute der Staatlichen Wetteragentur und des Mittelmeerstudienzentrums für Fortgeschrittene am 22. August 2026 in Palma auf Mallorca.
Das Mittelmeer auf den Balearen erreichte in diesem Sommer Temperaturen von über 30 Grad. Nach Einschätzung der Experten führt warmes Meerwasser allein jedoch nicht zwangsläufig zu Starkregen, heftigen Gewittern oder extremem Wellengang.
Warmes Wasser allein reicht nicht
Jorge Rodríguez, Sprecher der Staatlichen Wetteragentur, erklärte, dass die Meerestemperatur die Feuchtigkeit nahe der Oberfläche erhöhe. Diese Feuchtigkeit sei ein wichtiger Energielieferant für intensive Gewitter.
Für Unwetter müssten aber drei Faktoren zusammenkommen: Instabilität, Feuchtigkeit und ein auslösender Mechanismus. Dieser zwingt warme Luft zum Aufsteigen und kann die Bildung von Wolken, Gewittern oder intensiven Niederschlägen in Gang setzen.
Der Ozeanphysiker Alejandro Orfila vom Mittelmeerstudienzentrum für Fortgeschrittene verwies darauf, dass sich Wärme im Meer länger halte als in der Atmosphäre. Kühlt die Luft ab, könne Energie aus dem Meer durch Verdunstung wieder in die Atmosphäre gelangen und damit unter anderem die Voraussetzungen für Kaltlufttropfen verstärken.
Besonders gefährdete Gebiete
Bei starken und ergiebigen Regenfällen gelten nach Orfila vor allem Einzugsgebiete von Wildbächen, Überschwemmungsflächen sowie tiefliegende Bereiche als gefährdet. Als Beispiele nannte er Pollença auf Mallorca und Alcúdia auf Mallorca.
Bei extremem Wellengang wären besonders Strände und niedrig gelegene Küstenabschnitte betroffen. Die Insellage erhöhe die Exposition gegenüber solchen Wetterlagen, weil das Meer und die Atmosphäre direkt miteinander wechselwirkten, erklärte Rodríguez.
Folgen für Posidonia und Strände
Das wärmere Meer könnte auch Ökosysteme verändern. Orfila warnte unter Verweis auf eine wissenschaftliche Arbeit, dass die endemische Posidonia oceanica wegen der steigenden Wassertemperaturen aus dem Meer verschwinden könnte.
Weitere Arten könnten durch die Erwärmung unter Stress geraten, verschwinden oder in kühlere Meere abwandern. Zugleich könnten häufiger auftretender extremer Wellengang und der steigende Meeresspiegel laut einer von Orfila zitierten Studie bis zum Ende dieses Jahrhunderts zum Verlust von 60 Prozent der Strände auf den Balearen führen.
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Quelle: Europa Press / Mallorca.com