Tourismus-Proteste auf Mallorca richten Blick auf Wahl 2027
Nach einem Sommer voller Demonstrationen und Aktionen gegen Massentourismus wollen Aktivisten auf Mallorca den Druck bis zu den Wahlen im Mai 2027 hochhalten. Die Bewegung gegen die Touristifizierung blickt auf ihre bislang aktivste Saison zurück. Besonders die Großdemonstration in Palma auf Mallorca Ende Juli prägte den Sommer.
Der Mallorca stammende Wissenschaftler Guillem Colom Montero spricht nach den großen Protesten von 2024 nun vom „Sommer der Revolte“. Neben Demonstrationen gab es laut seiner Bilanz wöchentliche Treffen, Menschenketten und Graffiti-Aktionen. Auch in Sóller auf Mallorca gingen Menschen auf die Straße. Aktionen gegen Touristifizierung erreichten zudem Ibiza und Menorca.
Jaume Pujol von der Plattform Menys Turisme, Més Vida nennt es den bislang bewegtesten Sommer – sowohl bei Protesten als auch bei Aktionen. Die Plattform war nach eigenen Angaben an allen Mobilisierungen beteiligt. Als Zeichen für den wachsenden Unmut wertet Colom Montero auch die Aktion an einer von einem Hotel „privatisierten“ Bucht in Illetes.
Frust über Wohnen, Arbeit und Tourismus
Colom Montero sieht hinter den Protesten vor allem Frust über strukturelle Probleme im Alltag. Nach seiner Einschätzung fühlen sich inzwischen auch Menschen aus der Mittelschicht von den Folgen des Massentourismus betroffen. Pujol sagte, die Bewegung werde ignoriert und habe zugleich Festnahmen sowie Polizeieinsätze erlebt.
Im Winter dürften die Mobilisierungen laut dem Wissenschaftler zwar schwächer werden. Die Probleme bei Wohnungssuche und Arbeit blieben aber bestehen. Deshalb werde die Debatte über Touristifizierung auf den Balearen weiter heiß laufen.
Wahlkampf 2027 im Zeichen der Touristifizierung
Die nächsten Regional-, Insel- und Kommunalwahlen auf den Balearen stehen im Mai 2027 an. Colom Montero erwartet, dass der Tourismus dann eines der zentralen Wahlkampfthemen wird. Nach seiner Einschätzung könnten auch nach der Wahl Maßnahmen zur Begrenzung des Tourismus weitergeführt werden – selbst wenn sie klein ausfielen.
Im Parlament prallten die Positionen bereits zum Auftakt des politischen Jahres aufeinander. PSIB und MÉS per Mallorca forderten angesichts des sozialen Unmuts Maßnahmen für weniger Tourismus. Regierungspräsidentin Marga Prohens verwies dagegen auf ihre Politik der Begrenzung und der Saisonverlängerung.
Menys Turisme, Més Vida setzt darauf, die Debatte bis zur Wahl lebendig zu halten. Pujol zufolge soll dabei das Thema weniger Tourismus im Mittelpunkt stehen – unabhängig davon, welche Partei die Forderungen aufgreift.
Themen: Gerichtsprozesse · Demonstrationen · Migration · Tourismus · Politik · Palma · Sóller
Quelle: Europa Press / Mallorca.com