Mallorca lehnt Transfers minderjähriger Migranten ab
Minderjährige Migranten aus Ceuta sollen nach Ansicht des Sozialdezernenten des Consell de Mallorca und Präsidenten des Institut Mallorquí d’Afers Socials, Guillermo Sánchez, derzeit nicht auf die Balearen verteilt werden. In Palma auf Mallorca erklärte Sánchez am 23. August, zunächst müssten die familiären Verhältnisse der Jugendlichen in den Herkunftsländern geprüft und eine mögliche Rückführung zu ihren Familien bewertet werden.
Sánchez verwies auf die Belastung des Schutzsystems auf Mallorca. Das Institut Mallorquí d’Afers Socials betreut nach seinen Angaben 448 unbegleitete minderjährige Ausländer. Sie machten zwei von drei Kindern und Jugendlichen aus, die unter dem Schutz der Inselinstitution stehen.
Rückführung soll vor Verteilung geprüft werden
Der Präsident des Institut Mallorquí d’Afers Socials forderte die Regierung auf, bei den Herkunftsländern Berichte über die familiäre Situation jedes Jugendlichen anzufordern. Auf dieser Grundlage müsse geprüft werden, ob eine Rückführung zu den Familien möglich sei.
Eine Verteilung in andere autonome Gemeinschaften sei aus seiner Sicht nicht angezeigt, solange diese Frage offen sei. Sánchez betonte zugleich den verfassungsrechtlich verankerten Grundsatz der Solidarität zwischen den Regionen. Die Ministerin für Jugend und Kindheit, Sira Rego, habe bei einem Besuch auf Mallorca zugesagt, dass es keine weiteren Zuweisungen von Minderjährigen auf die Balearen geben werde.
Sánchez kritisierte auch frühere Transfers von den Kanaren auf die Balearen. Von vier verlegten Jugendlichen seien drei kurz vor der Volljährigkeit gestanden. Nach wenigen Monaten hätten sie das Schutzsystem verlassen und sich auf einer anderen Insel wiedergefunden.
Plätze in Son Tous werden erweitert
Nahezu alle vom Consell de Mallorca betreuten unbegleiteten Minderjährigen leben in Einrichtungen. Lediglich zwei von ihnen sind bei einer Familie untergebracht. Vorgesehen seien nach den Vorgaben rund 40 spezielle Plätze für Migranten; weitere Kapazitäten seien wegen der Ankünfte an den Küsten des Archipels kurzfristig eingerichtet worden.
Besonders angespannt sei die Lage, wenn mehrere Minderjährige gleichzeitig mit Booten ankommen, sagte Sánchez. An einem Wochenende seien 37 Jugendliche eingetroffen. Der Inseldienst müsse dafür Kapazitäten schaffen, auf die er nicht vorbereitet sei.
Im Erstaufnahmebereich Son Tous, einem Teil einer früheren Militärkaserne neben dem einzigen Zentrum für die zeitweilige Betreuung von Ausländern auf den Balearen, lebten derzeit 26 Jugendliche. Die Einrichtung war zunächst für höchstens 16 Personen ausgelegt. Das Institut Mallorquí d’Afers Socials hat nach Angaben von Sánchez Verfahren eingeleitet, um 15 weitere Plätze in einem bislang ungenutzten Gebäudeteil zu schaffen.
Übergangsunterkunft wird zum Daueraufenthalt
Son Tous war als Übergangsort vorgesehen, bis die Jugendlichen einen Platz in einer regulären Einrichtung erhalten. Wegen der Überbelegung anderer Wohnangebote blieben sie dort jedoch teilweise über Monate, erklärte Sánchez. Einige Jugendliche hätten die Volljährigkeit erreicht, ohne eine andere Unterkunft als die frühere Kaserne kennengelernt zu haben.
Der Consell de Mallorca habe bislang keine weiteren Räume für neue Minderjährigeneinrichtungen gefunden. Hinzu komme die Schwierigkeit, qualifiziertes Personal zu gewinnen. Sánchez sagte, der Staat habe für die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Ausländer weder finanzielle Mittel noch Infrastruktur bereitgestellt.
Themen: Migration · Soziales · Politik · Palma
Quelle: Europa Press / Mallorca.com