Bodega Es Fangar Vins steht nicht mitten in den Reben, sondern am südwestlichen Rand von Felanitx, im Gewerbegebiet Son Colom — und das ist die erste Überraschung an diesem Haus. Von außen eine nüchterne Halle, innen ein Keller über vier Ebenen, gebaut um ein einziges Prinzip herum. Die Stöcke, aus denen hier gekeltert wird, wachsen mehrere Kilometer weiter draußen auf den Hügeln des Guts Es Fangar, das sich über die Gemeinden Felanitx und Manacor zieht.
Die Eigentümer haben die Geschichte ihres Anwesens gründlich erforscht: Sie reicht bis in die römische Antike zurück, urkundlich fassbar wird das Gut im vierzehnten Jahrhundert, als Getreide und Wein die Grundlage von Versorgung und Handel auf den Inseln bildeten. Im neunzehnten Jahrhundert vernichtete die Reblaus nahezu alle Weinberge Mallorcas; auf dem Gut blieben nur die Reste eines alten Kellers stehen.
Als die heutigen Eigentümer das Land übernahmen, fanden sie ein Naturschutzgebiet vor, dazu weite Felder und verwilderte Wälder aus Kiefern, Oliven- und Johannisbrotbäumen. Der Neuanfang im Weinberg war dann eine bewusste Entscheidung: Auf den Hügeln des Guts wurden die ersten Stöcke wieder gepflanzt, autochthone Sorten wie Giró Ros und Prensal Blanc neben internationalen.

Rebsorten, Boden und Herkunft
Es Fangar Vins ist als Bodega der D.O. Pla i Llevant eingetragen, jener Herkunft im Zentrum und Osten der Insel. Vorherrschend im Weinberg sind Chardonnay, Prensal Blanc, Cabernet Sauvignon und Callet; dazu kommen Giró Ros, Manto Negro, Merlot, Syrah, Viognier und Moscatel. Das warme Klima und die salzige Brise prägen die Trauben, und dem lehmig-tonigen Boden schreibt das Gut die reifen, runden Tannine seiner Roten zu.
Wie verschieden das ausfällt, zeigt die Reihe selbst. Sa Sivina ist ein Weißer aus den beiden einheimischen Sorten Giró Ros und Prensal Blanc, Sa Fita verbindet Chardonnay, Viognier und Prensal, Lo Cortinel·lo stellt Chardonnay neben Giró Ros und Viognier. Bei den Roten geben in Son P Callet und Manto Negro den Ton an, N'Amarat reift lange im Fass. Der weiße TwentyTwelve ist reiner Moscatel aus einer Lage, der die kühlende Brise vom Meer zugutekommt. Sämtliche Weine sind ökologisch, vegan und vegetarisch zertifiziert — geschönt wird weder mit tierischer Gelatine noch mit Eiklar.

Métode Gravetat: Schwerkraft statt Pumpen
Das Verfahren, auf das dieses Haus baut, klingt schlichter, als es zu bauen war. Trauben und Wein werden im gesamten Prozess nicht gepumpt, sondern bewegen sich durch ihr eigenes Gewicht. Die angelieferten Trauben werden von Hand verlesen und gepresst oder in große Behälter gefüllt; ein eigens konstruierter Kran hebt diese an und führt sie auf Deckenschienen zu den Edelstahltanks, in denen die Gärung beginnt.
Dahinter steht keine Technikfreude, sondern die Sorge vor vorzeitiger Oxidation: Je schonender die Beeren behandelt werden, desto klarer bleibt am Ende die Aromatik. Der Produktionsraum ist entsprechend geschnitten — großzügig, über mehrere Ebenen, mit getrennten Bereichen für die einzelnen Rebsorten, damit sich nichts vermischt.
Besuch und Verkostung bei Bodega Es Fangar Vins
Das Haus empfängt Gäste, und zwar planmäßig. Fünf verschiedene Verkostungen stehen zur Wahl, jede mit einer kurzen Einführung in die Geschichte der Weine und einem Rundgang durch den Keller. Zu den Weinen gibt es Wasser und traditionelles mallorquinisches Gebäck; geführt wird auf Englisch, Italienisch, Rumänisch und Spanisch.
Eine der Verkostungen führt hinaus auf die Finca selbst. Zur Lese kommt eine Erfahrung dazu, bei der man beim Ernten mitmacht, die Weinbereitung aus der Nähe sieht und anschließend geführt probiert, mit Tapas und frisch gekochter Paella. Vorab zu reservieren ist bei allen Formaten der sichere Weg. Wein lässt sich außerdem ab Keller kaufen und über den eigenen Versand innerhalb der EU beziehen.
Mehr als Wein: das Gut hinter der Bodega
Wein ist nur ein Teil dessen, was auf Es Fangar wächst. Der fruchtbare Boden und das günstige Kleinklima tragen auch eine Ernte an ökologischen Mandeln, Oliven und Feigen, aus der das Gut unter eigenem Namen Mandeln, Olivenöle und Feigenkonfitüre macht. Verkauft werden sie im Hofladen am Eingang der Finca, in ausgewählten Geschäften in Palma und in Bioläden in Deutschland.
Verschwendet wird dabei möglichst wenig, und ein erheblicher Teil der Fläche bleibt Naturschutzgebiet: über das Land verteilte Wasserstellen halten die Tierwelt am Leben.
Ausstattung & Services
Barrierefrei
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