Tapas variadas
Heiß geliebter Mix
Sie ist wieder im Kommen, die typischste aller mallorquinischen Tapas: das „variat“, wie die Einheimischen sagen. Fast waren die Tapas variadas in den vergangenen Jahren ja schon in Vergessenheit geraten. Verdrängt von all den raffinierten Pinchos und superedlen Tapas, die mitunter als wahre Gourmet-Kunstwerke im Miniformat auf den Tellern landeten. Coole Häppchen-Kreationen haben die Bars erobert – die TaPalma, die stets im November auf Mallorca stattfindet, zeigt jedes Mal die neusten, leckeren Erfindungen. 2023 findet sie vom 22. bis 26. November statt.
Mallorcas traditioneller Tapas-Mix
Doch Totgesagte leben länger. Mallorcas traditioneller Tapas-Mix jedenfalls lässt sich so leicht nicht unterkriegen. Mag ja sein, dass Gerichte mal aus der Mode geraten. Doch was zur Insel gehört, kehrt zurück.
Die Mallorquiner nämlich schätzen ihren Klassiker wieder sehr. Mehr noch: Vom "Orgull Variat" ist die Rede, vom Stolz auf die kunterbunte Tapas-Mischung. Was zeigt: Auch richtig schöne, deftige Hausmannskost kann Kult sein!
Ein bisschen was von Jedem
Tapas variadas also. Das „Ein-bisschen-von-Jedem“ wird auf einem einzigen Teller serviert. Oder noch authentischer: in einer kleinen Greixonera, der typischen Mallorca-Tonschale. Je nach Hunger finden dort Albóndigas, die berühmten Hackbällchen mit Sauce, und Champignons in Knoblauch zusammen.
Callos (Kutteln), pica-pica (fein geschnittene Sepia in scharfem Sößchen) und Frito mallorquín (Innereien mit Gemüse) geben sich ohne Scheu auf engsten Raum ein Stelldichein. Auch Zunge mit Kapern und Nierchen sind schon mal mit von der Partie.
Alles türmt sich übereinander
Und kein Weg geht an einem Klacks Ensaladilla rusa vorbei, dem russischen Salat mit Kartoffeln, Tunfisch und Mayonnaise, der dem Ganzen etwas Frische verleiht. Alles türmt sich übereinander, läuft ineinander, um am Ende mit einer Schinken- oder Spinatkrokette, frittierten Tintenfischringen, einer Garnele oder auch Miesmuschel gekrönt zu werden.
Verschiedene Aromen und Texturen
Ein wunderbares Drunter und Drüber, das manchmal beim Servieren auch rustikal über den Schüsselrand schwappt. Tapas kompakt sozusagen, bei der sich die verschiedensten Geschmacksrichtungen und Texturen begegnen. Sauce trifft auf Mayonnaise. Knusprig auf weich. Heiß auf kalt. Frittiertes auf Gekochtes und kalt Zubereitetes. Dazu darf das mallorquinische pan moreno natürlich nicht fehlen.
Frisch zubereitete Hausmannskost
Das Schöne am "variat mallorquí" ist, dass es oft von Bar zu Bar ein wenig variiert. Je nachdem, was gerade frisch zubereitet und die Spezialität des Hauses ist. Lässig an die Theke gelehnt – so schmeckt‘s am allerbesten.
Und eines muss man dem "variat" ja lassen. Es ist ein Champion in Sachen Flexibilität, kann in Menge und Kombination dem jeweiligen Geschmack und Geldbeutel des Gastes im Handumdrehen angepasst werden. Man muss es mögen, zugegeben. Kann ja sein, dass das beherzte Aufeinanderschichten ganz unterschiedlicher Tapa-Spezialitäten etwas eigen ist. Und klar: Die Geister scheiden sich daran. Was für die einen ein kleines kulinarisches Erdenglück ist, ist für die anderen ein Graus.
Aber die müssen es ja nicht essen. Auf jeden Fall sind Tapas variadas charakteristisch für die Insel. Wenn man so will, ist das "variat" die Seele der mallorquinischen Tapas. Moderne Kreationen hin oder her. Am besten gleich mal wieder eins im Lokal nebenan bestellen …