mallorca-news

Balearen: Landwirtschaft soll beim Wasser Vorrang bekommen

Verantwortlich für den Inhalt: Frank Menze

Auf ländlichem Boden der Balearen soll die Landwirtschaft beim Zugang zu Wasser Vorrang bekommen – allerdings erst, wenn die Versorgung der Bevölkerung gesichert ist. Der Consell de Govern hat am Freitag das Agrarprojekt gebilligt. Regierungschefin Marga Prohens stellte die Pläne auf Menorca vor und setzt auf eine Zustimmung im Parlament noch vor Jahresende oder zu Beginn der zweiten Sitzungsperiode.

Archivo - Agricultura abona 3,8 millones de euros de diversas líneas de ayudas al sector primario de Baleares
Europa Press

Das Agrarprojekt soll den Primärsektor stärken, den Umgang mit Wasser regeln und mehr lokale Produkte sowie ökologische Landwirtschaft fördern. Prohens bezeichnete die Vorlage als Gesetz für den Sektor und verwies auf den Konsens mit den Beteiligten aus der Landwirtschaft.

Wasser und Landwirtschaft auf ländlichem Boden

Wenn auf ländlichem Boden mehrere Nutzungen um Wasser konkurrieren, soll die Landwirtschaft nach der gesicherten Versorgung der Bevölkerung Vorrang vor anderen Nutzungen haben. Das Projekt stärkt zudem den Einsatz von aufbereitetem Wasser zur Bewässerung.

Auch beim Boden setzt die Vorlage auf Landwirtschaft: Ländlicher Boden soll vorrangig für Ackerbau sowie Vieh- und Forstwirtschaft erhalten bleiben. Die Verwaltungen sollen dort landwirtschaftliche Nutzungen gegenüber Wohnnutzung bevorzugen.

Neue Bedingung für bestimmte Wohnhäuser

Für bestimmte neue Einfamilienhäuser auf ländlichem Boden sieht das Agrarprojekt erstmals eine landwirtschaftliche Bedingung vor. Sie gilt für freistehende Häuser mit mehr als 100 Quadratmetern bebauter Fläche auf Grundstücken ab 14.000 Quadratmetern – vorausgesetzt, die geltenden Raumordnungs- und Bauvorschriften erlauben dort überhaupt ein Haus.

Die Bindung soll mindestens 15 Jahre gelten. Eigentümer müssen dafür nicht zwingend selbst professionelle Landwirte werden: Möglich sind landwirtschaftliche Aktivitäten auf dem Grundstück, Investitionen zur Nutzung oder Verbesserung der Flächen, eine Zusammenarbeit mit professionellen Landwirten oder vorrangigen Agrarbetrieben sowie die Bereitstellung von Flächen für die öffentliche Bodenbank.

Das Projekt schafft nach Angaben der Regierung weder neue Baurechte noch ändert es Mindestgrundstücksgrößen. Es soll vielmehr verhindern, dass landwirtschaftliche Flächen aufgegeben werden.

Direktverkauf und sechs Plätze für Agroestancias

Die Vorlage will Direktverkauf, Verarbeitung und kurze Vermarktungswege ausbauen, damit mehr Wert der Lebensmittel bei den Betrieben bleibt. Gemeinden sollen lokale Produkte auf Märkten und Messen stärker berücksichtigen, auch die öffentliche Lebensmittelbeschaffung soll entsprechende Kriterien erhalten.

Agroestancias, eine neue Unterkunftsform für vorrangige Agrarbetriebe mit tatsächlicher landwirtschaftlicher Tätigkeit, dürfen höchstens sechs Plätze je Betrieb anbieten. Dafür sollen vorhandene touristische Platzkontingente genutzt werden; neue Touristenplätze entstehen laut Projekt nicht. In der Regel kommen Betriebe infrage, die seit mehr als vier Jahren als vorrangige Agrarbetriebe eingetragen sind.

Themen: Brände · Landwirtschaft · Tourismus · Waldbrände · Politik

Quelle: Europa Press / Mallorca.com