Rosa Estaràs fordert Pflege als EU-Priorität
Pflege und Mutterschaft sollen in der EU nicht länger als reine Privatsache gelten. Die Europaabgeordnete Rosa Estaràs (PP) hat dies am 22. September in Palma bei Gesprächen des Büros des Europäischen Parlaments über die Zukunft von Pflege und Mutterschaft gefordert. Sie verlangt, beides ins Zentrum der europäischen Gleichstellungspolitik zu stellen.
Estaràs bezeichnet Pflege und Mutterschaft als Recht und als unverzichtbare Voraussetzung für eine gerechtere und wettbewerbsfähigere Gesellschaft. Europa habe bei der Gleichstellung viel erreicht, doch über Gleichstellung sei lange gesprochen worden, ohne die Mutterschaft ausreichend einzubeziehen.
Gesundheit und Beruf vereinbaren
Als offene Aufgaben nennt Estaràs die körperliche und psychische Gesundheit von Müttern, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine gerechtere Verteilung der Verantwortung. Wenn mehr Frauen in die Politik sollten, müssten sich auch die Institutionen an die Realität der Mutterschaft anpassen, betont sie.
Als Fortschritt verweist sie auf die Möglichkeit für Europaabgeordnete, während der Schwangerschaft und nach der Geburt abzustimmen. Die Maßnahme soll es ermöglichen, Mutterschaft und ein öffentliches Mandat miteinander zu vereinbaren.
Frauen tragen den größten Teil der Pflege
Ein Bericht, an dem Estaràs mitgearbeitet hat, stellt Pflege erstmals als zentrales Element des europäischen Projekts dar. Er verbindet das Thema mit Gleichstellung, sozialem Zusammenhalt und Wettbewerbsfähigkeit.
Nach den von ihr angeführten Daten sind in der EU 90 Prozent der formellen Arbeitskräfte im Pflegesektor Frauen. Auch 75 Prozent der informellen Pflege leisten Frauen. Millionen von ihnen geben ihre berufliche Tätigkeit wegen familiärer Verpflichtungen auf oder reduzieren sie.
Estaràs fordert deshalb einen grundlegenden Rechtsanspruch auf Pflege, bessere Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte, ein Europäisches Statut für Pflegende und mehr gemeinsame Verantwortung von Männern und Frauen. Die Arbeit des Europäischen Parlaments soll als Grundlage für den von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigten Europäischen Pflegepakt dienen. Dieser soll auf die alternde Bevölkerung reagieren, Pflegedienste stärken und die Tätigkeit aufwerten.
Themen: Politik
Quelle: Europa Press / Mallorca.com