Mallorcas Kathedrale: Forscher prüfen Gaudís Klang-Umbau
In der Kathedrale von Mallorca in Palma könnte Antoni Gaudí den Chor so versetzt haben, dass Gesänge besser bis ins Mittelschiff drangen. Ob er damit den Klang des Gotteshauses verbessern wollte, untersuchen Forscher anhand historischer Unterlagen. Der Dokumentar der Kathedrale, Sebastián Escalas, stellte die bisherigen Erkenntnisse am Dienstag, 20. Oktober, auf einer Pressekonferenz vor.
Chor und Predigt im Fokus
Der Chor stand zuvor in der Mitte der Kathedrale. Nach Escalas’ Hypothese verlegte Gaudí ihn in die Hauptkapelle, damit die Gläubigen im Mittelschiff die Musik besser hörten. Die Chorsitze hatten einen Resonanzkörper, der die Gesänge in den Raum trug.
Die Forscher untersuchen außerdem zwei sogenannte Tornavoces. Diese Vorrichtungen sollten möglicherweise die Worte bei Predigten besser hörbar machen. Das Team prüft ihre geometrische Form und Materialien wie Holz, Baumwolle und Stoff. Escalas betont: Sowohl Gaudís Rolle bei der Verlegung des Chors als auch beim Entwurf der Tornavoces sind bislang Hypothesen.
Alte Fotos sollen Klarheit bringen
Ein schriftlich ausgearbeitetes Projekt Gaudís für die Kathedrale fehlt. Erhalten sind Pläne aus dem Jahr 1902, die Joan Capó unterzeichnete. Escalas will die Tornavoces anhand alter Fotos maßstabsgetreu nachbilden, um ihre akustische Wirkung zu untersuchen. Als Nächstes wollen die Forscher auch die Kathedrale vor ihrer heutigen Gestaltung rekonstruieren.
Die Ergebnisse sollen beim Gaudí International Congress in La Pedrera in Barcelona vorgestellt werden. Dort sprechen neben Escalas auch die Forscherin Mercè Gambús und der Leiter des Kapitulararchivs von Mallorca, Rafel Morro, über Gaudís Arbeit an der Kathedrale.
Themen: Kultur
Quelle: Europa Press / Mallorca.com