Balearen: 201 Verfahren wegen Gewalt gegen Eltern
Auf den Balearen gab es 2025 insgesamt 201 Justizverfahren wegen Angriffen von Kindern auf ihre Eltern. Im Vorjahr waren es 225 gewesen – die Zahl sank damit um 10,6 Prozent. Die Stiftung Amigó veröffentlichte die Zahlen am Donnerstag, 1. Oktober, auf Grundlage der Berichte der Jugendstaatsanwaltschaften.
Viele Fälle bleiben in den Familien
Spanienweit erfasste die Stiftung 2025 insgesamt 4.038 Verfahren wegen Gewalt von Minderjährigen gegen ihre Eltern, 10,7 Prozent weniger als 2024. Trotz des Rückgangs spricht die Stiftung von einem ernsten Problem. Ihrer Schätzung zufolge werden nur 10 bis 15 Prozent der entsprechenden Situationen angezeigt. Die meisten bleiben innerhalb der Familie verborgen und tauchen in keiner amtlichen Statistik auf.
Auch zwischen den Regionen gibt es große Unterschiede: Madrid verzeichnete 1.036 Verfahren, Andalusien 831 und die Region Valencia 655. Auf den Balearen waren es 201.
Familien suchen oft erst spät Hilfe
Nach Angaben der Stiftung bitten Familien häufig erst dann um Unterstützung, wenn das Zusammenleben bereits stark belastet ist. Die Gewalt habe sich zu diesem Zeitpunkt oft zu Beleidigungen, Drohungen oder körperlichen Angriffen gesteigert. Zuletzt beobachtete die Stiftung zudem mehr Konflikte um die Nutzung und Begrenzung der Bildschirmzeit.
Mütter sind laut der Stiftung weiterhin die häufigsten Opfer. Ein einheitliches Profil der Jugendlichen, die Gewalt gegen ihre Eltern ausüben, gebe es nicht. Die neun Projekte der Stiftung betreuten 2025 rund 1.000 Menschen aus etwa 350 Familien. Die Psychologin Cristina Vaquero fordert, spezialisierte Hilfsangebote zu stärken, damit Familien früher Unterstützung erhalten.
Themen: Kultur
Quelle: Europa Press / Mallorca.com