Unter 600 Pflegekräfte für 62.000 Häftlinge
Mehr als 62.000 Menschen sitzen in Spaniens Gefängnissen, doch dort arbeiten weniger als 600 Pflegekräfte. Die Pflegegewerkschaft SATSE warnt, dass diese Lage die medizinische Versorgung gefährdet und die Beschäftigten überlastet.
Am Mittwoch forderte SATSE von der Regierung und den autonomen Gemeinschaften, die Zuständigkeit für die Gefängnis-Gesundheitsversorgung schnell zu übertragen. Das soll nach Darstellung der Gewerkschaft sowohl die Versorgung der Inhaftierten als auch die prekären Arbeitsbedingungen des Personals verbessern.
Gesetz seit 23 Jahren nur teilweise umgesetzt
Das Gesetz zur Zusammenarbeit und Qualität des nationalen Gesundheitssystems sieht seit 23 Jahren vor, die Gesundheitsdienste der Gefängnisbehörde an die autonomen Gemeinschaften zu übertragen. Vollzogen wurde dieser Schritt bisher nur in Katalonien, dem Baskenland und Navarra.
SATSE wirft den zuständigen Verwaltungen vor, keine echte Einigung angestrebt zu haben. Als Streitpunkt nennt die Gewerkschaft vor allem die finanzielle Ausstattung, die mit dem Übergang verbunden wäre.
Mehr als 100 Menschen pro Pflegekraft
Rechnerisch betreut jede Pflegekraft während ihrer Schicht im Schnitt mehr als 100 Menschen. Gleichzeitig wächst laut SATSE der Personalmangel bei Pflegekräften und Ärzten in den Haftanstalten.
Krankheitsausfälle, Ruhestand und Urlaub ließen sich teils nur schwer oder gar nicht ersetzen, so die Gewerkschaft. Pflegekräfte müssten außerdem Aufgaben außerhalb ihrer Zuständigkeit übernehmen und arbeiteten unter hoher Belastung sowie mit Risiken für ihre körperliche und psychische Gesundheit.
Ende vergangenen Jahres schrieb das Innenministerium 39 Stellen im Pflegekorps der Gefängnisbehörde aus. SATSE hält diese Zahl für völlig unzureichend. Nach einem Zuständigkeitswechsel fordert die Gewerkschaft gleiche Gehälter und Arbeitsbedingungen wie für Beschäftigte der jeweiligen regionalen Gesundheitsdienste.
Themen: Arbeitsmarkt · Gesundheit · Politik
Quelle: Europa Press / Mallorca.com