80 Prozent im Verborgenen: Prostitution auf Mallorca
Hinter Wohnungstüren, in Hotels und auf Yachten findet auf Mallorca immer mehr Prostitution im Verborgenen statt. 80 Prozent der Menschen, die Médicos del Mundo Balearen in der Prostitution betreut, arbeiten laut der Organisation dezentral. Im vergangenen Jahr betreute die Organisation auf Mallorca 1.045 Menschen, davon waren 90 Prozent Frauen.
Diese dezentrale Prostitution verlagert die Tätigkeit von Straßen und Clubs in Privatwohnungen, Ferienunterkünfte, Hotels, Yachten und andere private Räume. Das erschwert nach Angaben von Médicos del Mundo die Suche nach Betroffenen, ihre Begleitung und ihren Zugang zu medizinischer, sozialer und schützender Hilfe.
Tourismus verstärkt die ständigen Ortswechsel
Während der Urlaubssaison verschärft sich die Lage auf Mallorca laut der Organisation. Die steigende touristische Nachfrage fördere, dass Frauen ständig zwischen Hotels, Ferienunterkünften, Booten und weiteren privaten Orten wechseln.
Diese erzwungene Mobilität könne mögliche Ausbeutung schwerer erkennbar machen. Sie unterbreche zudem die Begleitung und verringere die Chancen, dass Frauen genug Stabilität gewinnen, um Gewalt und Ausbeutung zu verlassen oder Anzeige gegen jene zu erstatten, die davon profitieren.
Médicos del Mundo Balearen sucht deshalb auch über digitale Wege nach Kontaktmöglichkeiten, setzt aber weiter auf persönliche Einsätze. Diese finden unter anderem in Palma, s'Arenal, Magaluf, Manacor, Inca, Playa de Muro, Alcúdia und Campos statt.
Warnzeichen für Ausbeutung
Nicht alle betreuten Menschen sind Opfer von Menschenhandel, betont die Organisation. Sie befänden sich jedoch in besonders verletzlichen Situationen und benötigten spezialisierte Unterstützung, um ihre Lage bewerten zu können.
Als mögliche Hinweise auf Menschenhandel oder sexuelle Ausbeutung nennt Médicos del Mundo fehlende Freiheit bei Wohn- oder Arbeitsort, kontrollierte Wege durch Zuhälter, einbehaltene Dokumente, Täuschung über Arbeitsbedingungen und aufgezwungene Schulden. Die Organisation fordert deshalb ein umfassendes Gesetz gegen Menschenhandel und Ausbeutung sowie besser abgestimmte Hilfen von Behörden und spezialisierten Einrichtungen.
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Quelle: Europa Press / Mallorca.com