Mülltrennung Mallorca: Welche Tonne wofür?
Wer auf Mallorca lebt, merkt schnell: Das Thema Mülltrennung ist hier kein entspannter Sonntagsausflug, sondern gelebte Pflicht – und zwar für Residenten genauso wie für Kurzbesucher. Jährlich fallen auf der Insel rund 500.000 Tonnen Abfall an, etwa die Hälfte davon geht auf das Konto des Tourismus. Seit dem 1. Januar 2021 gilt auf Mallorca ein verschärftes Abfallgesetz, das Einwegplastik verbannt, Kompostierbarkeit vorschreibt und die farbcodierte Trennung zur verbindlichen Norm macht. In diesem Ratgeber lernst du das gesamte System: welche Farbe für welchen Abfall steht, wie Haustürabholung und Containerstandorte funktionieren, was in den Parc Verd gehört – und was passiert, wenn du falsch wirfst.

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Das Farbsystem: fünf Tonnen, klare Regeln
Mallorcas Mülltrennung basiert auf einem farbcodierten System, dessen Beschriftungen auf Katalanisch sind – wer das weiß, ist sofort deutlich weniger verwirrt. Die Hauptfarben sind überall auf der Insel gleich, auch wenn manche Gemeinden zusätzliche Container aufstellen.
| Farbe | Katalanische Aufschrift | Inhalt (was rein darf) |
|---|---|---|
| 🟡 Gelb – Groc | Envasos lleugers | Plastikflaschen und -behälter, Aludosen, Tetra Paks (Milch, Saft), Sprühdosen, Plastiktüten, Metalldeckel |
| 🟢 Grün – Verd | Vidre | Glasflaschen, Glasgläser (ohne Verschluss) – kein Keramik, kein Spiegel, keine Glühbirnen |
| 🔵 Blau – Blau | Paper i cartró | Zeitungen, Zeitschriften, Büropapier, flachgedrückte Kartons, Papierverpackungen – keine fettigen Pizzakartons, keine Papiertaschentücher |
| 🟫 Braun – Marró | Matèria orgànica | Obst- und Gemüsereste, Fleisch- und Fischabfälle, Kaffeesatz, Teebeutel, Eierschalen, Küchenkrepp und Papierservietten, kleine Gartenreste |
| ⚫ Grau/Schwarz – Gris/Negre | Rebuig | Restmüll: Windeln, Hygieneartikel, Zigarettenkippen, Ton und Porzellanscherben, Asche – alles, was in keine andere Tonne passt |
Achtung: Verschmutzte Behälter (z. B. fettige Pizzakartons oder Flaschen mit Flüssigresten) gehören nicht in die jeweilige Recyclingtonne – sie werden dort nicht angenommen und verunreinigen ganze Chargen.
Eine wichtige Abweichung, die viele Deutsche überrascht: In manchen Dörfern gibt es statt einer braunen Biotonne weiterhin einen grauen Container für organische Abfälle. Die Farbbelegung kann also leicht variieren – im Zweifel gilt die Aufschrift auf dem Behälter.
Was kommt wohin – die häufigsten Zweifelsfälle
Bestimmte Abfälle sorgen regelmäßig für Verwirrung. Hier die wichtigsten Fälle im Überblick:
| Abfall | Richtige Tonne | Begründung |
|---|---|---|
| Tetra Pak (Milchkarton) | 🟡 Gelb | Gilt als Leichtverpackung, nicht Papier |
| Pizzakarton (fettig) | ⚫ Grau | Verschmutztes Papier ist nicht recycelbar |
| Papierserviette / Küchenpapier | 🟫 Braun | Organischer Restanteil überwiegt |
| Yoghurtbecher (ausgespült) | 🟡 Gelb | Kunststoffverpackung |
| Windeln / Damenbinden | ⚫ Grau | Hygieneartikel in Restmüll – Windeln wenn möglich in weißer/transparenter Tüte |
| Zigarettenkippen | ⚫ Grau | Nicht in Biotonne |
| Kaffeekapsel (Aluminium/Plastik) | ⚫ Grau | Nicht kompostierbar – Ausnahme: zertifiziert kompostierbare Kapseln in 🟫 Braun |
| Porzellan/Keramik | ⚫ Grau | Nicht in den Glascontainer |
Hinweis: Das spanische Webportal dondelotiro.com ermöglicht es dir, einen beliebigen Gegenstand einzugeben und dir die passende Tonne samt nächstgelegenem Container anzeigen zu lassen. Sehr praktisch für Zweifelsfälle.
Sondercontainer: Öl, Kleidung, Batterien, Elektronik
Neben den fünf Haupttonnen gibt es weitere Sammelstellen, die du kennen solltest:
| Abfall | Container / Ort | Farbe / Hinweis |
|---|---|---|
| Gebrauchtes Speiseöl (Oli usat) | Spezialbehälter im Ort | Orange |
| Altkleidung und Textilien (Roba) | Kleidercontainer im Ort | Farbe variiert |
| Batterien (Piles) | Supermarkt, Rathaus, Elektrohandel | Kleiner Behälter an Kasse |
| Elektrogeräte / Elektronikschrott (RAEE) | Parc Verd / Deixalleria | Sonderpunkt |
Es ist auf Mallorca üblich, noch brauchbare Kleidung und Haushaltsgegenstände neben die Altkleidercontainer zu legen – das gilt als soziale Geste für Bedürftige und ist durchaus akzeptiert.
Der Parc Verd (Deixalleria): Sondermüll richtig entsorgen
Für alles, was weder in die fünf Standardtonnen passt noch über Sondercontainer gesammelt wird, gibt es die Parcs Verds – auf Katalanisch auch Deixalleria genannt. Das sind kommunale Recyclinghöfe, an denen du Sondermüll kostenlos abgeben kannst.
Was gehört dorthin?
- Farben, Lacke, Lösungsmittel, Chemikalien
- Elektrogroßgeräte und Elektronik (Kühlschrank, Fernseher, Computer)
- Möbel und Sperrmüll
- Gartenabfälle in größeren Mengen
- Baumaterialien und Renovierungsreste (in begrenzten Mengen)
- Motoröl, Batterien, Reifen
Wichtig: Für den Zutritt zum Parc Verd benötigst du die Targeta d'Accés al Parc Verd – eine Zugangskarte, die du kostenlos bei deinem zuständigen Ajuntament (Rathaus) beantragen musst. Ohne diese Karte wirst du am Eingang abgewiesen.
Hinweis: Urlauber und Finca-Gäste erhalten die Zugangskarte in der Regel nicht. Sie können Sondermüll über den Finca-Vermieter oder das nächste Rathaus klären lassen.
Abholung vor der Haustür: Porta a Porta
In vielen Orten auf Mallorca wird Müll nicht nur über Straßencontainer gesammelt, sondern direkt an der Haustür abgeholt – das sogenannte Porta-a-Porta-System (Tür-zu-Tür). Das gilt inzwischen für zahlreiche Gemeinden und wird schrittweise ausgebaut.
Wie es funktioniert:
- Jeder Haushalt erhält eine Mehrfach-Mülltonne (Mehrkammer-Behälter) sowie einen kleinen belüfteten Behälter für organische Abfälle in der Küche.
- Zusätzlich gibt es einen Magnetkalender, der zeigt, welche Abfallfraktion an welchem Wochentag abgeholt wird.
- Den Behälter stellst du abends vor die Haustür – in der Regel zwischen 19 und 22 Uhr, je nach Gemeinde.
- Die Müllabfuhr entleert ihn und stellt ihn zurück.
- Im Notfall kannst du Abfälle zur kommunalen Sammelstelle bringen.
Santanyí hat dieses System zum Beispiel mit detaillierten Informationsbroschüren (auch auf Englisch) eingeführt; die Gemeinde Andratx hat im April 2025 einen neuen Vertrag über die Abfallsammlung mit einem Gesamtwert von 5 Millionen Euro pro Jahr beschlossen, der Haustürabholung, Baumschnitt, Textilabfälle und Sperrmüll einschließt.
Hinweis: Ländliche Fincas und abgelegene Anwesen werden von der Müllabfuhr grundsätzlich nicht angefahren. Dort bist du selbst verantwortlich, den Müll zu Containerstandorten oder zur Sammelstelle zu bringen – täglich empfohlen, um Schädlinge zu vermeiden.
Containerstandorte finden: So gehst du vor
| Situation | Lösung |
|---|---|
| Du wohnst in einer Stadt oder größerem Ort | Container stehen meist an Kreisverkehren, Ortseinfahrten oder Parkplätzen |
| Du wohnst auf einer ländlichen Finca | Nächsten Containerstandort beim Eigentümer oder Rathaus erfragen |
| Porta-a-Porta-Gemeinde | Abholzeiten und -tage beim Ajuntamiento oder auf der Gemeindewebseite prüfen |
| Sondermüll, Speiseöl, Elektronik | Standorte via dondelotiro.com oder direkt beim Ajuntamiento erfragen |
| Reisen / kurzfristiger Aufenthalt | Containercluster an Ortseinfahrten nutzen, täglich entsorgen |
Das TIRME-Unternehmen (Tractament i Eliminació de Residus de Mallorca) betreibt in Son Reus den zentralen Müllbehandlungspark der Insel. Seit 2011 gibt es auf Mallorca keine Deponien mehr – was nicht recycelt werden kann, wird in der Energierückgewinnungsanlage verwertet. 2021 entsprach die so erzeugte Energie der Versorgung von rund 88.000 Haushalten.
Was seit 2021 gilt: Das neue Abfallgesetz
Seit dem 1. Januar 2021 gilt auf Mallorca ein Abfallgesetz, das über die bisherigen Trennsysteme hinausgeht:
- Einwegplastik (Besteck, Teller, Trinkhalme, Wattestäbchen) ist verboten oder durch biologisch abbaubare Alternativen zu ersetzen
- Kaffeekapseln dürfen im Supermarkt nur noch verkauft werden, wenn sie kompostierbar sind
- Lebensmittelreste aus Restaurants, Supermärkten, Krankenhäusern und Schulen müssen zu mindestens 50 % an Hilfsorganisationen weitergegeben werden, bevor sie entsorgt werden
Auf nationaler Ebene gilt in Spanien seit 2023 außerdem eine Plastiksteuer von 0,45 €/kg auf nicht recycelte Plastikverpackungen – das betrifft vor allem Hersteller und Importeure, beeinflusst aber mittelbar auch das Angebot im Handel.
Häufigste Fehler beim Müll auf Mallorca
Gerade Neuzuzügler tappen in immer dieselben Fallen. Hier die häufigsten – und wie du sie vermeidest:
- Tetra Pak in Blau statt Gelb werfen – Milch- und Saftkartons sind Leichtverpackungen (gelb), kein Papier.
- Organisches in Grau statt Braun – Biomüll gehört in die Biotonne, nicht in den Restmüll.
- Glas mit Verschluss einwerfen – Deckel und Verschlüsse vorher abnehmen, Metall ins Gelbe.
- Fettigen Pizzakarton in Blau – Verschmutztes Papier ist nicht recycelbar und verseucht ganze Papierchargen.
- Parc Verd ohne Karte aufsuchen – Die Targeta d'Accés ist Pflicht; ohne Karte keine Einfahrt.
- Finca-Müll liegen lassen – Auf dem Land kommt keine Müllabfuhr. Müll, der im Freien liegt, zieht Ratten und anderes Ungeziefer an.
- Abholzeit verpassen – In Porta-a-Porta-Gemeinden muss der Behälter zur richtigen Zeit draußen stehen. Falsche Fraktionen oder falscher Wochentag können zur Nicht-Abholung führen.
- Sondermüll in normale Tonnen – Farben, Batterien, Elektronik gehören in den Parc Verd – nicht in den Restmüll.
Checkliste: Mülltrennung für Neuzuzügler
- Farbcodiertes System kennen (Gelb, Grün, Blau, Braun, Grau)
- Abholplan der eigenen Gemeinde beim Ajuntamiento erfragen oder online prüfen
- Zugangskarte (Targeta d'Accés al Parc Verd) beim Rathaus beantragen
- Nächsten Parc Verd / Deixalleria kennen
- Speiseöl-Container und Batteriesammelstellen in der Nähe lokalisieren
- dondelotiro.com als schnelle Referenz für Zweifelsfälle bookmarken
- Im Haushalt Behälter für Bio, Gelb, Blau, Glas und Restmüll bereitstellen
- Bei Finca oder ländlichem Wohnen: Fahrt zu Containerstandorten einplanen
Was kommt danach? Müll, Kosten und der größere Alltag
Die Mülltrennung ist ein typischer erster Praxistest für alle, die frisch auf Mallorca ankommen. Wer diesen Schritt erledigt hat, merkt: Die Insel funktioniert in vielem ähnlich wie Deutschland – aber eben nicht identisch. Wenn du gerade dabei bist, deinen Alltag auf Mallorca zu organisieren, könnte dich auch interessieren:
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Wer einen reibungslosen Umzug plant, findet beim Relocation Service Mallorca professionelle Unterstützung – von der Wohnungssuche bis zur Behördenanmeldung.
Fazit
Mülltrennung auf Mallorca ist kein bürokratischer Selbstzweck: Die Insel hat seit 2011 keine einzige Deponie mehr – das gesamte System lebt davon, dass Bewohner ihren Teil korrekt erledigen. Das Farbsystem ist einmal gelernt schnell verinnerlicht; die größten Stolpersteine sind die Sonderfälle (Tetra Pak, verschmutzte Kartons, Kapseln) und der Zugang zum Parc Verd. Wer die Zugangskarte früh beantragt, den lokalen Abholplan kennt und bei Zweifeln kurz auf dondelotiro.com schaut, ist bestens aufgestellt. Auf einer Insel mit begrenztem Raum und Millionen Besuchern zählt jede korrekt sortierte Tonne.
Offizielle Quellen
- Consell de Mallorca – Medi Ambient (Umwelt): https://www.conselldemallorca.net — zuständige Behörde für Abfallwirtschaft auf der Insel
- TIRME (Tractament i Eliminació de Residus de Mallorca): https://www.tirme.com — Betreiber der Recycling- und Energierückgewinnungsanlage Son Reus
- Dondelotiro.com: https://www.dondelotiro.com — Behältersuche nach Gegenstand und Adresse (auf Spanisch/Katalanisch)
- Santanyí – Porta a Porta Informationsbroschüre: https://www.santanyiresidus.net
- Ley 7/2022 de residuos y suelos contaminados para una economía circular (BOE): https://www.boe.es/eli/es/l/2022/04/08/7 — nationales Abfallgesetz Spaniens