Es Brot liegt in der Carrer de la Vinyassa, einer ruhigen Seitenstraße im Palmesaner Viertel Llevant, wenige Schritte östlich der Avingudes. Das Haus beschreibt seine eigene Arbeit als cocina de mercado — Marktküche, also das, was gerade gut ist, und nicht dieselbe Karte das ganze Jahr über. Der Raum ist klein und hat den Zuschnitt einer Nachbarschaftsbar, sorgfältig eingerichtet, dazu ein paar Tische draußen an der Straße.
Der Betrieb ist inhabergeführt, und das merkt man an der Arbeitsteilung: Der Koch ist zugleich der Wirt, und das Team im Gastraum ist klein. Entsprechend kommt das Publikum aus den Straßen ringsum — Nachbarn, Leute, die vor der Arbeit frühstücken, Stammgäste, die das Lokal in Palma längst unter dem Kurznamen Brots abgespeichert haben. Beide Schreibweisen meinen dasselbe Haus; die eigenen Kanäle laufen unter Es Brot Palma.

Frühstück nach Maß bei Es Brot
Das Frühstück ist die eigentliche Visitenkarte, und es funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Du wählst das Brot, und du wählst, was daraufkommt — oder, im Fall des Llonguets, was hineinkommt. Zur Auswahl stehen verschiedene Käsesorten, pochierte Eier, Rührei und was sonst noch dazu passt. Daneben Tostadas, Smoothies und hausgemachte Kuchen.
Der Llonguet ist dabei kein beliebiges Brötchen. Das längliche Weizenbrötchen mit dem tiefen Einschnitt obenauf ist Palmas eigenes Gebäck — so sehr, dass der Rest der Insel die Hauptstädter selbst llonguets nennt. Es Brot stellt es ausdrücklich in den Mittelpunkt und belegt es großzügig: eine vegetarische Fassung mit Tomate, Kopfsalat, Feta und Avocado etwa, auf Wunsch mit Serranoschinken dazu.

Eine Karte, die im Zwei-Wochen-Takt neu geschrieben wird
Mittags wird aus der Frühstücksadresse eine Küche mit eigenem Kopf. Die Karte bleibt kurz und wechselt im Zwei-Wochen-Rhythmus — Stammgäste kommen genau deswegen wieder, und ein Gericht, das dir gefallen hat, kann beim nächsten Besuch schon einem anderen gewichen sein.
Was dort steht, ist konkreter, als man es einem Frühstückslokal zutrauen würde: eine Creme von Artischocke, Lauch und Wacholder mit geröstetem Brot und Schnittlauch. Frische Artischocken im Tempurateig mit Petersilien-Allioli und Spirulina. Hausgemachte Kroketten von Ochsenschwanz und Foie, dazu eine Emulsion aus violetter Karotte. Ein knuspriger Spieß von Garnele und Sesam mit Sweet Chili. Auf der pflanzlichen Seite eine vegetarische Pita nach griechischer Art oder schwarze Beluga-Linsen mit Saisongemüse, Rote-Bete-Paste, Tzatziki und Avocado.
Die Küche traut sich dabei auch weit weg von der Insel. Japanische Yakisoba-Nudeln mit Gemüse, Ingwer, knusprigem Freilandhuhn und scharfer Sauce standen ebenso schon auf der Karte wie eine hausgemachte Coca aus Zwiebel und Olivenöl mit Gorgonzolaschaum und Feigen — mallorquinisches Backwerk, italienisch weitergedacht. Zum Abschluss ein Tiramisu oder ein Schokoladendessert, das bewusst mit salzigen Kontrasten arbeitet.
Das Lokal und sein Viertel
Llevant ist Wohnviertel, kein Ausgehviertel. Die Vinyassa liegt zwischen Carrer Aragó und Carrer del Bisbe Maura; wer hier isst, sitzt zwischen Wohnhäusern statt zwischen Souvenirläden, obwohl die Plaça d'Espanya und die großen Einkaufsstraßen nur ein paar Ecken weiter beginnen.
Weil der Raum klein ist, lohnt eine Reservierung — vor allem, wenn ihr zu mehreren kommt. Wer es eilig hat, kann bestellen und mitnehmen. Und wer kein Spanisch spricht, kommt hier gut durch: Am Tisch wird auch Englisch gesprochen.



