Das Restaurant Es Pati liegt in einer Wohnstraße von Sant Llorenç des Cardassar, und von außen würdest du es beinahe übersehen. Ein Reihenhaus wie die anderen in der Carrer Soler — nur dass ein eigenwillig bemaltes Hängeschild mit einer Katze darauf verrät, dass hier gekocht wird. Drinnen öffnet sich ein mallorquinisches Stadthaus mit Innenhof, und der gibt dem Haus seinen Namen: „es pati" heißt auf Katalanisch schlicht der Hof.
Sarah und Felix führen das Es Pati als Paar. Er kocht, sie empfängt die Gäste und kümmert sich um den Wein. Eine Speisekarte bekommst du hier nicht in die Hand: Es gibt genau ein Menü über fünf Gänge, und es ist an jedem Abend ein anderes.
Das ist keine Marketingidee, sondern die Arbeitsweise des Hauses. Felix geht morgens auf den Markt, sieht, was es dort gibt, und baut daraus das Menü des Abends. Was auf den Tisch kommt, weiß vorher niemand.

Ein Menü, das jeden Abend neu entsteht
Felix beschreibt seine Küche als international, mit asiatischen und mediterranen Einflüssen und dazu ein paar Rezepten, wie Großmütter sie kochen. Genau so liest sich ein Menü des Hauses: eine geräucherte Petersilienwurzelcreme zum Auftakt, ein knuspriger Gamba mit Rote-Beete-Granatapfel-Salat und Kardamom, Kalbsspareribs mit orientalischem Mangocouscous und Sprossen, ein Tenderstrip unter der Kräuterkruste mit Trüffelkohl — und zum Schluss ein mallorquinischer Mandelkuchen oder ein Orangen-Milchreis mit Tandoori-Erdbeeren.
Die weite Spanne ist gewollt. Eine Reise nach Afrika hat indische Akzente ins Haus gebracht, seither stehen gelegentlich Samosas auf dem Menü. An anderen Abenden tauchen thailändisches Curry, Mango oder Foie gras auf. Ausgangspunkt bleiben trotzdem die lokalen, saisonalen Produkte der Insel.
Für das feste Menü hat Felix ein handfestes Argument: So kommt nur frische Ware in die Küche, und es muss deutlich weniger weggeworfen werden. Wer vegetarisch essen möchte oder eine Unverträglichkeit mitbringt, sagt das am besten schon bei der Reservierung — dann stellt die Küche ein eigenes Menü zusammen. Kinder dürfen sich etwas aus dem Menü aussuchen, und wenn nichts dabei ist, kocht Felix ihnen Nudeln.

Das Haus hinter dem Hängeschild
Drinnen ist es schlicht gehalten und trotzdem alles andere als nüchtern: farbige Bilder an den Wänden, dazu die bunt lackierten mallorquinischen Stühle mit geflochtenem Sitz, wie man sie auf der Insel seit Generationen kennt. Ein Kamin macht die kalte Jahreszeit gemütlich.
In den wärmeren Monaten sitzt man im Innenhof oder auf der überdachten Terrasse, die auf ihn hinausgeht. An Wochenenden wird zusätzlich draußen vor dem Haus gedeckt, mitten in der Straße — in einem Dorf wie Sant Llorenç funktioniert das, ohne dass es aufgesetzt wirkt.
Darin liegt viel vom Reiz des Ortes. Sant Llorenç des Cardassar ist ein Landdorf im Llevant, ein Stück landeinwärts von der Ostküste. Laufkundschaft gibt es hier so gut wie keine; wer im Es Pati sitzt, hat sich bewusst auf den Weg gemacht. Das merkt man dem Abend an.
Ein Abend im Restaurant Es Pati
Sarah führt durch den Abend und durch die Weinkarte. Ihr Schwerpunkt liegt auf Weinen von der Insel und vom spanischen Festland, und sie sucht zu den Gängen aus, was passt — bei einem Überraschungsmenü ist das ohnehin die sinnvollere Reihenfolge.
Das Es Pati ist ein reines Abendhaus, es ist klein, und es füllt sich zuverlässig. Ein Tisch sollte deshalb vorher feststehen. Weil alle am Tisch dasselbe Menü bekommen, wird der Abend eher ein gemeinsamer als einer, an dem jeder für sich bestellt — was zu einem Haus passt, das ein Paar mit seinem eigenen Team führt.



