La Mujer de Verde ist die Adresse, an der das Bon Lloc weiterlebt — nicht als Erinnerung, sondern als Küche, die jeden Tag arbeitet. Das Restaurant liegt an der Plaça de la Porta de Santa Catalina im Viertel Puig de Sant Pere, dort, wo Palmas Altstadt endet. Wer in Palma nach dem Bon Lloc sucht, ist hier richtig: Das Lokal in der Carrer de Sant Feliu gibt es nicht mehr, die Familie dahinter kocht an diesem Platz weiter.
Bon Lloc war das erste vegetarische Restaurant Mallorcas, gegründet 1978 in einer Gasse hinter der Basílica de Sant Francesc, und von Beginn an mehr als ein Speiselokal: Es gab Yogastunden und Werkstätten zur Ernährung. Über vier Jahrzehnte hat das Haus die Insel daran gewöhnt, dass man ohne Fleisch gut isst. Juanjo Ramírez hat es über die längste Strecke dieser Zeit geführt.
Als er zumachte, war das keine Niederlage, sondern eine Entscheidung: Er wollte noch einmal etwas aufbauen, und zwar mit seinen Kindern. Paula, Mercè und Carlos Ramírez und Schwiegersohn Álex Ramos haben La Mujer de Verde gemeinsam mit ihm eröffnet. Den Namen gab ein Lied der Band Izal — die Zeile von der Frau in Grün, die noch einmal ihr Kleid anzieht, um jemanden zu retten, traf ihn im richtigen Moment.

Vom Bon Lloc zur Mujer de Verde
Der Ortswechsel war Teil der Idee. Die Carrer de Sant Feliu, wo das Bon Lloc zuletzt saß, ist zu einer Gasse aus Galerien und Immobilienbüros geworden, in der kaum noch jemand wohnt. Puig de Sant Pere dagegen ist Wohnviertel geblieben. Für die Familie war das der Grund, hierher zu gehen: eine Nachbarschaft statt einer Kulisse.
Wofür sie kochen, nennen sie bewusstes Essen: wissen, was ein Lebensmittel hinter sich hat, bevor es auf dem Tisch steht, und wissen, wie es dem eigenen Körper bekommt. Mercè Ramírez kommt aus der natürlichen und makrobiotischen Küche und gibt zusammen mit Álex Ramos Kochkurse. Im Restaurant finden regelmäßig Workshops statt, dazu Verkostungen von Wein und Tee und wechselnde Ausstellungen mallorquinischer Künstler.

Was in der Küche der Mujer de Verde passiert
Die Karte wechselt Monat für Monat und wird aus dem gebaut, was die Saison auf der Insel hergibt. Mittags stellst du dir aus einer Auswahl ein festes Menü zusammen, abends wird à la carte gekocht, mit einer eigenen Abteilung für Kleines zum Teilen. Ein einzelnes Gericht ist deshalb nie ein Versprechen — die Handschrift bleibt trotzdem erkennbar.
Sie ist mediterran geerdet und greift weit aus. Aus dem Libanon kommt die Ofen-Aubergine mit Tahinisauce, Granatapfel und Rote-Bete-Chips, ein Gericht, das immer wieder auftaucht und zu den Dingen gehört, für die das Haus bekannt ist. Daneben stehen Tacos in selbst gemachten Tortillas, mal aus blauem Mais, mal japanisch als Nori-Blatt mit Wassermelonen-Tatar, außerdem Bao-Buns mit Shiitake oder Tandoori-Tofu mit rotem Linsen-Dal. Cashewkäse und Mandelparmesan stellt die Küche selbst her.
Die Desserts sind kein Anhängsel. Der Avellana Remix, eine Haselnuss-Schokoladen-Arbeit, die das Haus selbst als vegane Antwort auf Kinder Bueno und Ferrero Rocher beschreibt, hat sich einen eigenen Ruf erarbeitet. Alles auf der Karte ist frei von tierischen Produkten, und die Allergene sind zu jedem Gericht ausgewiesen.
Der Platz an der Porta de Santa Catalina
Die Plaça de la Porta de Santa Catalina ist einer der Orte, an denen die alte Stadtgrenze noch ablesbar ist: Hier stand das Tor, durch das man Palma Richtung Hafen verließ. Der kleine Platz liegt ruhig, obwohl ringsum viel los ist — das Museum Es Baluard sitzt gleich nebenan auf der Bastion, und jenseits des Passeig Mallorca beginnt das Ausgehviertel Santa Catalina.
Der Innenraum stammt vom Architekturbüro Lobo und ist hell und zurückgenommen gehalten. Reserviert wird über das Buchungssystem der eigenen Website, was sich empfiehlt: Das Haus hat sich in Palma längst herumgesprochen.



